Umwelt

Weniger Städte überschreiten Stickoxid-Grenzwert

  • AFP
  • In UMWELT
  • 17. Juni 2019, 16:15 Uhr
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Luftmessstation Bild: AFP

Der Grenzwert für Stickstoffdioxid ist nach neuen amtlichen Daten im vergangenen Jahr in 57 deutschen Städten überschritten worden. Damit sank die Zahl der betroffenen Gemeinden, wie das Umweltbundesamt (UBA) am Montag mitteilte.

Deutschland macht Fortschritte im Kampf gegen Dieselabgase: Wie das Umweltbundesamt (UBA) am Montag mitteilte, sank die Zahl der Städte, in denen der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) überschritten wird, im vergangenen Jahr auf 57. 2017 waren noch 65 Städte betroffen. Während die Autobranche den Rückgang als Erfolg feierte, forderten UBA und Umweltschützer weitere Maßnahmen gegen schädliche Autoabgase.

"Die Luft in den Städten wird besser und der Trend geht in die richtige Richtung. Dennoch sieht man: Die bislang beschlossenen Maßnahmen reichen nicht aus", erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Am stärksten belastet war die Luft im vergangenen Jahr am Stuttgarter Neckartor. Dort meldete die Messstation im Jahresmittel 71 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft. Dahinter folgt die Darmstädter Hügelstraße mit 67 Mikrogramm. An beiden Orten gelten mittlerweile Fahrverbote für ältere Dieselautos. Die Landshuter Straße in München, Spitzenreiter im vergangenen Jahr, hat sich 2018 deutlich auf 66 Mikrogramm verbessert.

Nach Angaben der Behörde hielten 13 Städte, die den Grenzwert von 40 Mikrogramm im Jahresmittel 2017 noch verletzt hatten, diesen im vergangenen Jahr ein. Zugleich überschritten fünf Städte diesen Wert nun geringfügig wieder. Das waren Leipzig, Ulm, Koblenz, Eschweiler und Sindelfingen. Im Mittel lagen die Werte an Messtationen in der Nähe von Verkehrsadern im Jahresmittel um 1,5 Mikrogramm unter denen des Vorjahres, bei rund 36 Mikrogramm.

Krautzberger mahnte weitere Bemühungen an. Zusätzlich zu inzwischen angelaufenen Sofwareupdates für aktuellere Dieselautos sei auch die Nachrüstung älterer Modelle mit Katalysatoren nötig.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die in vielen Städten erfolgreich auf Fahrverbote geklagt hat, kritisierte, dass in 25 Städten mit Grenzwertüberschreitung die NO2-Belastung sogar angestiegen sei. Die DUH forderte: "Die zuständigen Behörden müssen alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Einhaltung des NO2-Grenzwerts noch in 2019 sicherzustellen". Aktuell klagt die DUH noch in 35 Städten auf Fahrverbote. 

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte: "Die Bundesregierung muss die Hersteller endlich zu einer Hardware-Nachrüstung aller Schmutz-Diesel auf deren Kosten verpflichten". Die nachgerüsteten Fahrzeuge könnten dann auch von Fahrverboten ausgenommen werden.

Der Verband der Automobilindustrie widersprach UBA und DUH: Softwareupdates und der Neukauf von Dieselautos seien die "wirkungsvollsten Maßnahmen, um die Luftqualität in deutschen Städten zügig, nachhaltig und erheblich zu verbessern". Der Rückgang der NO2-Belastung sei vor allem darauf zurückzuführen, dass 2018 mehr als 1,1 Millionen Dieselautos der Abgasnorm Euro 6 zugelassen wurden und der Bestand an alten Dieseln entsprechend schrumpfte.

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) ergänzte, dass die Umtauschprämien einen großen Anteil an der Bestandserneuerung hätten. Seit Sommer 2017 seien dadurch laut eigenen Berechnungen eine halbe Million alte Dieselautos zusätzlich von Deutschlands Straßen geholt worden.

Laut einer Untersuchung des UBA reißen aber auch viele Euro-6-Diesel auf der Straße noch die gültigen Grenzwerte.

Neben Stickoxiden kämpft das UBA auch gegen Feinstaub. Bei diesem Schadstoff war der gesetzliche Grenzwert 2018 zwar nur an einer Messstation überschritten - an fast 80 Prozent der bundesweit 374 Kontrollstellen wurde aber der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Wert übertroffen.

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