Entwicklung

UN-Bericht: Jeder dritte Mensch auf der Welt ohne sichere Trinkwasserversorgung

img
Slum in Nairobi ohne ordentliches Abwassersystem Bild: AFP

Jeder dritte Mensch auf der Welt verfügt nicht über eine sichere Versorgung mit Trinkwasser. Das ist das Ergebnis eines Berichts, den das UN-Kinderhilfswerk Unicef und die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag vorgestellt haben.

Jeder dritte Mensch auf der Welt verfügt nicht über eine sichere Versorgung mit Trinkwasser. Das ist das Ergebnis eines Berichts, den das UN-Kinderhilfswerk Unicef und die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag vorgestellt haben. Mehr als die Hälfte aller Menschen haben demnach keine sichere Sanitärversorgung mit hygienischen Toiletten. Die Hilfsorganisationen betonten, dass es zwar Fortschritte gebe, diese aber ungleich verteilt und insgesamt unzureichend seien.

Dem Bericht zufolge steht rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit keine sichere Trinkwasserversorgung zur Verfügung. Das ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung. 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Basisversorgung, wie Unicef und WHO bemängelten. 

Eine sichere Sanitärversorgung mit hygienischen Toiletten fehlt demnach 4,2 Milliarden Menschen, also etwa der Hälfte der Weltbevölkerung. Drei Milliarden Menschen haben noch nicht einmal die Möglichkeit, sich zu Hause die Hände zu waschen.

Der gemeinsame Fortschrittsbericht zu Trinkwasser, Sanitär und Hygiene von Unicef und WHO stellt heraus, dass von 2000 bis 2017 weltweit 2,1 Milliarden Menschen zusätzlich Zugang zu einer Grundversorgung mit sanitären Einrichtungen erhalten haben. 

Die Versorgung sei allerdings ungleich verteilt. Von den rund zwei Millionen Menschen ohne als sicher eingestufte hygienische Toilette oder Latrine leben 70 Prozent auf dem Land, ein Drittel in einem der am wenigsten entwickelten Länder.

Viele Menschen verrichten auch immer noch ihre Notdurft im Freien. Bei dem Ziel, diese Praxis zu beenden, gibt es nach Angaben von Unicef und WHO sowohl Fortschritte als auch Rückschritte: So ging der Anteil der Menschen, die dies tun, seit 2000 von 21 Prozent auf neun Prozent zurück. Fortschritte wurden in 91 Ländern verzeichnet.

Aber schätzungsweise 673 Millionen Menschen erleichtern sich dem Bericht zufolge nach wie vor im Freien. In 39 Ländern, die mehrheitlich im südlichen Afrika liegen und ein hohes Bevölkerungswachstum haben, ist die Zahl sogar gestiegen.

Drei Milliarden Menschen hatten dem Bericht zufolge 2017 keine einfache Waschgelegenheit mit Wasser und Seife zu Hause. In den am wenigsten entwickelten Ländern lag ihr Anteil bei fast drei Viertel der Bevölkerung.

Jedes Jahr sterben nach Angaben von Unicef und WHO 297.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die durch mangelnde Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung verursacht werden. Unzureichende Sanitärversorgung und verschmutztes Trinkwasser tragen außerdem zur Übertragung von Krankheiten wie Cholera, Ruhr, Hepatitis A und Typhus bei.

Kinder und ihre Familien in armen und ländlichen Regionen hätten das größte Risiko, bei der Trinkwasser- und Sanitärversorgung "abgehängt" zu werden, erklärte die Unicef-Expertin für Wasser, Sanitär und Hygiene, Kelly Ann Naylor. Regierungen müssten in die Gemeinden investieren, "damit wir diese ökonomische und geografische Kluft überwinden und dieses grundlegende Menschenrecht erfüllen".

Die Trinkwasser- und Sanitärversorgung wird von der UNO als sicher eingestuft, wenn es Trinkwasser auf dem Grundstück gibt, das nicht kontaminiert und jederzeit verfügbar ist, und wenn es hygienische Toiletten gibt, deren Abwasser sicher behandelt und entsorgt wird.

Als Kriterien für eine Grundversorgung gelten eine geschützte Trinkwasserquelle in einem Radius von immerhin 30 Minuten für den Hin- und Rückweg, eine gute Toilette oder Latrine, die nicht mit anderen Haushalten geteilt werden muss, und eine Waschgelegenheit zum Händewaschen mit Seife zu Hause.

US-Milliardär Bill Gates, der sich stark in Entwicklungsprojekten engagiert, hatte im November mit einer drastischen Aktion darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig die Verfügbarkeit von Toiletten zur Bekämpfung von Krankheiten ist. Bei einer Konferenz in Peking hielt der Microsoft-Gründer ein Glas mit Exkrementen in die Höhe.

STARTSEITE