Technologie

Mobiles Bezahlen soll europaweit einheitlich funktionieren

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@ nastya_gepp (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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An zunehmend mehr Orten können Kunden ihre Rechnungen inzwischen mobil begleichen. Interessenten können beispielsweise in vielen Supermärkten, an der Tankstelle oder auch im Casino mit Handyguthaben bezahlen. Selbst die Deutschen, traditionelle Anhänger von Bargeld, zeigen sich dieser Möglichkeit gegenüber aufgeschlossen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman haben es immerhin 25 Prozent der Bundesbürger schon einmal versucht. Allerdings sind die Möglichkeiten des mobilen Bezahlens derzeit noch stark fragmentiert. Dies soll sich jedoch jetzt ändern und zwar europaweit.

QR-Code oder Kreditkarte: Zwei technische Lösungen sorgen für Fragmentierung

Grundsätzlich existieren zwei technische Lösungen, wie mobiles Bezahlen möglich ist. Erstens funktioniert dies über einen sogenannten NFC-Chip im Smartphone. Die Abkürzung steht für "Near Field Communication" bzw. "Nahfeld-Kommunikation". Über diesen Chip empfängt das Handy per Funk die Zahlungsaufforderung von der Kasse und übermittelt die Informationen zur Begleichung der Schuld zurück. In der Regel ist im Hintergrund eine Kreditkarte aktiv, über die abgerechnet werden. Beispielsweise Apple Pay und Google Pay arbeiten nach diesem System.

Apple macht dabei allerdings von seinem "Hausrecht" in den iPhones Gebrauch: Die Kalifornier erlauben keinem anderen Anbieter Zugriff auf den NFC-Chip. Wer mit einem Smartphone mit angebissenen Apfel auf der Rückseite mobil bezahlen möchte, muss Apple Pay nutzen. Unterstützt werden sowohl von Google wie von Apple zudem nur amerikanische Kreditkarten-Anbieter.

Deshalb schätzen viele Nutzer die Alternative, die in Asien längst Alltag geworden ist: den QR-Code. Dieser enthält den Zahlungsbefehl. Die Käufer scannen den Code mit der Kamera-App ihres Smartphones. Automatisch wird das Geld vom Konto abgebucht. Die Kasse kann erkennen, wann der Code erfolgreich gescannt wurde und bestätigt die Zahlung. Diese zweite Lösung besitzt den Charme, dass sie auch Guthaben basiert funktioniert. Sie steht deshalb auch Minderjährigen offen. Allerdings gibt es diesbezüglich noch keine einheitliche Lösung - weder in Deutschland noch in Europa. Sechs Anbieter haben sich deshalb zusammengeschlossen, um dies zu ändern.

Lösung von Alipay wird übernommen

Die sechs Anbieter (Bluecode, ePassi, Momo Pocket, Pagaqui, Pivo und Vipps) zählen derzeit rund fünf Millionen Kunden, die regelmäßig mittels von ihnen generierten QR-Codes zahlen. Sie werden zudem von rund 190.000 Händlern unterstützt. Sie sind dabei in zehn Ländern aktiv. Darunter befinden sich Deutschland, Österreich, Dänemark, Spanien und auch Norwegen. Künftig setzen sie alle auf die technische Lösung für Generierung von QR-Codes, die von Alipay entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um den größten chinesischen Anbieter für mobiles Bezahlen. Die sechs europäischen Dienstleister setzen darauf, dass sich bald weitere Unternehmen ihrer Initiative anschließen werden.

Aus der Finanzwelt haben sie dabei eine indirekte Rückenstärkung bekommen. Bundesbank-Vorstandsmitglied Burkard Balz forderte eine europäische Lösung für mobiles Bezahlen. Sein Vorgesetzter Jens Weidmann, der Präsident der Europäischen Zentralbank werden möchte, kritisierte zudem, dass der europäische Zahlungsverkehr deutlich zu fragmentiert sei und Vereinheitlichungen deshalb wünschenswert wären. Aus der Wirtschaft gab es ebenfalls Unterstützung: Ein europäisches System für mobile Bezahlvorgänge wäre eine ernsthafte Alternative zu den vorherrschenden Kartenzahlungen. Dadurch könnten günstigere Konditionen erreicht werden.

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