Wissenschaft

Die Crew der Apollo-11-Mission spürte "das Gewicht der Welt" auf ihren Schultern

  • AFP
  • In UMWELT
  • 17. Juli 2019, 13:17 Uhr
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Gruppenfoto mit Armstrong (l.), Collins und Aldrin (r.) Bild: AFP

Ein halbes Jahrhundert nach dem Start der historischen Apollo-11-Mission zum Mond ist einer der beiden heute noch lebenden Astronauten, Michael Collins, am Dienstag an die damalige Startrampe 39A des Kennedy Space Center zurückgekehrt.

Ein halbes Jahrhundert nach dem Start der historischen Apollo-11-Mission zum Mond ist mit Michael Collins einer der beiden heute noch lebenden Astronauten an die damalige Startrampe 39A des Kennedy Space Center zurückgekehrt. Die Besatzung habe damals "das Gewicht der Welt auf unseren Schultern gespürt", erzählte Collins am Dienstag in Cape Canaveral. "Wir wussten, dass aller Augen auf uns gerichtet sein würden, ob Freund oder Feind." 

Der Auftritt des 88-Jährigen war der Auftakt von rund einwöchigen Veranstaltungen zum Gedenken an die erste Mondlandung. Der zweite noch lebende Astronaut Buzz Aldrin sollte ebenfalls an der Gedenkfeier teilnehmen, erschien jedoch nicht. Der 89-Jährige habe "in letzter Minute" abgesagt, hieß es aus Kreisen des Weltraum- und Raketenzentrums in Huntsville im US-Bundesstaat Alabama.

Nach dem Start am 16. Juli 1969 und viertägiger Reise setzte das Modul "Eagle" (Adler) am 20. Juli auf dem Mond auf. Gut sechseinhalb Stunden später betrat "Apollo"-Kommandant Neil Armstrong als erster Mensch den Erdtrabanten. Wenig später folgte ihm Aldrin, während Collins als Einziger in der Kommandokapsel "Columbia" in einer Mondumlaufbahn zurückblieb. Armstrong kann an den Jubiläumsfeiern nicht mehr teilnehmen, er starb im Jahr 2012 im Alter von 82 Jahren.

Collins sprach am Dienstag über die Wartezeit an Bord der "Columbia". Er sei immer gefragt worden, ob er sich in diesem Moment nicht wie der "einsamste Mensch" der Geschichte gefühlt habe. Doch das sei nicht der Fall gewesen. "Ich war sehr glücklich, dort zu sein, wo ich war, und zu sehen, wie sich diese komplizierte Mission abspielte."

Der Ex-Astronaut beschrieb die Mission zum Mond als "lange und zerbrechliche Kette von Ereignissen". Sie sei in einzelne konkrete Ziele zerlegt worden, etwa das Erreichen der sogenannten Fluchtgeschwindigkeit, die zur Überwindung der Erdanziehungskraft nötig ist. "Während des Flugs stand man ständig unter Spannung und machte sich Gedanken darüber, was als nächstes kommt. Was muss ich jetzt tun, damit diese zerbrechliche Kette intakt bleibt?"

Der eigentlich introvertierte Armstrong sei der beste Sprecher der Crew gewesen, sagte Collins. Ihm sei es gelungen, seinen Zuhörern das Gefühl zu geben, sie seien während des Mondflugs dabei gewesen. "Er war sehr intelligent und hatte ein sehr umfassendes Hintergrundwissen."

Nach dem Flug zum Mond sei ihm der Posten des Kommandanten der Apollo-17-Mission im Jahr 1972 angeboten worden, erzählte Collins. Doch er habe abgelehnt, da er nicht weitere drei Jahre getrennt von seiner Frau und seinen Kindern verbringen wollte.

Im Zuge der Feierlichkeiten wird auch Armstrongs Raumanzug nach mehr als zehn Jahre andauernden Restaurierungsarbeiten wieder im Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington ausgestellt. Noch bis Donnerstag ist zudem auf dem Washington Monument eine 111 Meter hohe lebensechte Projektion der Saturn-V-Rakete zu sehen, die die US-Astronauten zum Mond brachte.

Auch in Huntsville wurde das Jubiläum am Dienstag gefeiert. Dort war die Saturn-V-Rakete durch den deutschen Raketenforscher und Ex-Nazi Wernher von Braun entwickelt worden. 900 Menschen nahmen an einem Dinner mit ehemaligen Astronauten und von Brauns Kindern teil.

Seit dem Ende des Apollo-Programms im Dezember 1972 hat nie wieder ein Mensch den Mond betreten - und von den zwölf US-Astronauten, die bis damals ihren Fuß auf den Erdtrabanten setzten, leben heute nur noch vier. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis wieder konkrete Pläne für weitere bemannte Mondflüge geschmiedet werden: Nach dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump sollen 2024 die ersten Astronauten auf den Mond zurückkehren.

Einige Nasa-Veteranen sehen die neue Mond-Mission kritisch. So lehnte etwa der Ex-Astronaut Ed Gibson die geplante Mini-Station in der Mondumlaufbahn ab, die als eine Art Raststätte auf dem Weg von der Erde zum Mond dienen soll: "Meiner Meinung nach sollte man nur hinfliegen und auf dem Mond landen." Michael Collins hält eine Rückkehr zum Mond generell für unnötig. "Ich sage, lasst uns zum Mars fliegen."

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