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Johnson wirbt bei einstigen Labour-Wählern um Vertrauen

  • AFP
  • In POLITIK
  • 15. Dezember 2019, 13:59 Uhr
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Britischer Premierminister Boris Johnson Bild: AFP

Während Premierminister Boris Johnson bei einstigen Labour-Anhängern im Nordosten Großbritanniens am Wochenende um Vertrauen geworben hat, hat sich der unterlegene Labour-Chef Jeremy Corbyn bei den Anhängern seiner Partei entschuldigt.

Während Premierminister Boris Johnson bei einstigen Labour-Anhängern im Nordosten Großbritanniens am Wochenende um Vertrauen geworben hat, hat sich der unterlegene Labour-Chef Jeremy Corbyn reumütig gezeigt. Johnson bedankte sich bei einem Besuch früherer Labour-Hochburgen bei den Wählern für ihre Unterstützung bei der Parlamentswahl und kündigte an, seine Wahlversprechen einzuhalten. Oppositions-Chef Corbyn entschuldigte sich bei seinen Anhängern für das historisch schlechte Abschneiden der Labour-Partei.

Er könne sich vorstellen, wie schwer es den früheren Labour-Wählern gefallen sei, ihr Kreuz diesmal bei den Konservativen zu machen, sagte Johnson am Samstag bei einem Besuch in Sedgefield, dem früheren Wahlkreis von Labour-Politiker und Ex-Regierungschef Tony Blair. "Ich möchte, dass die Menschen im Nordosten wissen, dass die Konservative Partei und ich ihrem Vertrauen gerecht werden", fügte der Regierungschef hinzu. 

Sobald die erste Phase des Brexit abgeschlossen sei, werde der Hauptfokus seiner Regierung auf sozialen Themen liegen, die den Labour-Wählern wichtig seien, stellte Johnson in Aussicht. "Es wird darum gehen, den Brexit durchzubringen, aber auch die Versprechen in Bezug auf den Nationalen Gesundheitsdienst NHS, Bildung, sichere Straßen, bessere Krankenhäuser und eine bessere Zukunft für unser Land zu halten", sagte der Premierminister. Er verkündete, die Briten würden ihr "nationales Selbstvertrauen" zurückgewinnen.

Derweil schrieb Oppositionsführer Corbyn am Sonntag in einem Brief an die Leser der Zeitung "Sunday Mirror": "Ich wollte das Land, das ich liebe, vereinen, aber es tut mir leid, dass wir so schlecht weggekommen sind." Er bezeichnete die Niederlage seiner Labour-Partei als einen "schweren Schlag" für all jene, die sich Veränderung in Großbritannien gewünscht hatten - dafür wolle er Verantwortung übernehmen. 

Trotz seiner Bemühungen um traditionelle Labour-Themen im Wahlkampf sei es bei der Wahl letztendlich nur um den Brexit gegangen, erklärte Corbyn. Boris Johnson sei es mit seiner von den Medien intensiv verbreiteten Wahlkampagne gelungen, die Wähler zu mobilisieren. Seine Partei werde "Lehren aus dieser Niederlage" ziehen, kündigte Corbyn an. 

Der Labour-Chef hatte am Freitag angekündigt, sich im kommenden Jahr von der Parteispitze zurückzuziehen, machte zunächst aber keine Angaben über den Zeitpunkt eines möglichen Rücktritts. Bislang ist unklar, wer als möglicher Nachfolger in Frage kommt. John McDonnell, Vize-Parteichef der Labour-Partei und ein enger Corbyn-Verbündeter, kündigte am Samstag seinen Rücktritt an. Im Fernsehsender BBC deutete er an, dass es für das gesamte Labour-Führungsteam Zeit sei, sich zu verabschieden.

Johnsons Konservative sicherten sich laut dem offiziellen Endergebnis bei der Parlamentswahl am Donnerstag 365 Sitze im Parlament und damit klar die absolute Mehrheit, die bei 326 Stimmen liegt. Damit sind sie so stark wie seit der Thatcher-Ära in den 80er Jahren nicht mehr. Johnson erhielt von Königin Elizabeth II. den Auftrag zur Regierungsbildung und kündigte an, den Brexit bis Ende Januar "fristgerecht zu erledigen". 

Die Labour-Partei fuhr ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935 ein und kommt auf nur noch 203 Sitze. Dabei büßte die Oppositionspartei auch Wahlkreise im Norden Englands ein, die sie über Jahrzehnte dominiert hatte. 

Die künftige starke Mehrheit der Tories ermöglicht es Johnson, sein mit der EU ausgehandeltes Ausstiegsabkommen zügig vom Unterhaus verabschieden zu lassen. Er kann damit Großbritannien zum Ablauf der geltenden Frist am 31. Januar aus der EU führen.

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