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Giftiger Rauch von Australiens Buschbränden erreicht Melbourne

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Rauch von den Buschbränden vernebelt Luft von Melbourne Bild: AFP

Der Rauch der australischen Buschbrände hat Melbourne erreicht. Die Luftqualität war so schlecht, dass die Behörden die Menschen aufforderten, zu Hause zu bleiben. Training und Qualifizierungsrunden für die Australian Open wurden unterbrochen.

Der giftige Rauch der australischen Buschbrände hat inzwischen auch die Millionenmetropole Melbourne erreicht. Die Luftqualität in der Hauptstadt des Bundesstaats Victoria war am Dienstag so schlecht, dass die Gesundheitsbehörde die Bewohner aufforderte, zu Hause zu bleiben. Wegen der schlechten Luft wurden das Training und die Qualifizierungsrunden für die Australian Open kurzzeitig unterbrochen. Das Tennisturnier soll in der kommenden Woche beginnen, eine Verschiebung ist nicht vorgesehen.

Wegen des giftigen Rauchs mussten Weltranglistenerster Rafael Nadal und weitere Tennisstars ihr Open-Air-Training unterbrechen. Später setzten sie es in der Halle fort. Die Qualifikationsspiele für das Grand-Slam-Turnier begannen mit zweistündiger Verspätung.

Die Slowenin Dalila Jakupovic musste ihr Match nach einer Hustenattacke aufgeben. Sie habe "große Angst gehabt zusammenzubrechen", sagte sie anschließend vor der Presse und äußerte sich überrascht, dass die Spiele überhaupt stattfanden. "Ich dachte, wir würden heute nicht spielen, aber wir hatten keine Wahl." 

Die russische Top-Spielerin Maria Scharapowa und die Deutsche Laura Siegemund beendeten vorzeitig ein Match im Rahmen eines Schauturniers, das traditionell vor den Australian Open im Melbourner Stadion Kooyong abgehalten wird.

Australien leidet seit September unter den schwersten Buschbränden in der Geschichte des Kontinents. Mindestens 27 Menschen kamen seitdem ums Leben, mehr als 2000 Häuser wurden zerstört; zehn Millionen Hektar Land brannten bereits nieder, eine Fläche fast so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. 

In den vergangenen Tagen sorgte kühleres Wetter für etwas Entspannung: Der Feuerwehr im Bundesstaat New South Wales gelang es am Montag, den größten der dort tobenden Buschbrände unter Kontrolle zu bringen. Dutzende weitere Brände sind aber nach wie vor außer Kontrolle. 

Vorhergesagter starker Regen nährte die Hoffnung auf eine weitere Eindämmung. Der Feuerwehrchef von New South Wales, Shane Fitzsimmons, sprach von "ausgesprochen guten Nachrichten". "Seit Monaten reden wir davon, dass der Januar ersten anständigen Regen mit sich bringen wird, und es sieht so aus, als würde sich das in den nächsten Tagen erfüllen", sagte er am Dienstag.

Ein Ende der Feuer-Krise ist jedoch nicht in Sicht: Das riesige Land leidet seit Monaten unter extremer Hitze und Dürre, und der australische Sommer dürfte noch mehrere Wochen andauern. Wissenschaftler machen den weltweiten Klimawandel mitverantwortlich für die extremen Bedingungen auf dem Fünften Kontinent.

Die Folgen für Australiens einzigartige Tier- und Pflanzenwelt sind katastrophal. Geschätzt mehr als eine Milliarde Tiere kamen im Feuer um, unzählige Bäume und Büsche gingen in Flammen auf. Umweltministerin Sussan Ley warnte, in einigen Regionen müssten die Koalas möglicherweise als gefährdet eingestuft werden. 

Im Bundesstaat South Australia erlegten Scharfschützen aus Hubschraubern unterdessen mehr als 5000 wilde Kamele, die wegen der Dürre die Wasservorräte der dort lebenden Aborigines bedrohten. Deren Stammesführer berichteten am Dienstag, riesige Herden hätten sich mehr und mehr auf der Suche nach Wasser und Nahrung den ländlichen Siedlungen genähert und deren knappen Vorräte bedroht. 

Die Aktion in dem abgeschiedenen Gebiet, in dem rund 2300 Ureinwohner leben, endete demnach am Sonntag. Ein Stammesführer wies darauf hin, dass die Kamele ursprünglich nicht aus Australien stammen und auch schon in weniger trockenen Zeiten eine Plage darstellten. Einheimische Wildtiere hätten dagegen mit der Dürre kein Problem. 

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