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Kaum noch Hoffnung auf Überlebende nach schwerem Erdbeben in der Türkei

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Fast 4000 Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer in Elazig Bild: AFP

Nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei sinkt die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Bis Sonntag wurden 35 Leichen in der am stärksten betroffenen Provinz Elazig und der Nachbarprovinz Malatya geborgen.

Nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei schwindet die Hoffnung, noch Überlebende unter den Trümmern zu finden. Bis Sonntag wurden 38 Leichen in der am stärksten betroffenen Provinz Elazig und der Nachbarprovinz Malatya geborgen. Fast 4000 Rettungskräfte durchsuchten in der Stadt Elazig bei eisigen Temperaturen unermüdlich die Überreste eingestürzter Gebäude nach Überlebenden. 

Drei Menschen konnten am Sonntagvormittag im Stadtzentrum von Elazig nur noch tot geborgen werden. Einige Stunden später bargen die Rettungskräfte zwei weitere Leichen. Bislang konnten nach Behördenangaben 45 Menschen lebend aus den Trümmern befreit werden. Mehrere Menschen wurden allerdings noch vermisst.

Das Erdbeben der Stärke 6,8 hatte am Freitagabend die Provinz Elazig und angrenzende Gebiete erschüttert. Zentrum des Bebens war der 4000-Einwohnerort Sivrice südlich der Stadt Elazig. Auch in weiten Teilen der Osttürkei nahe der Grenzen zum Irak und Syrien waren die Erschütterungen zu spüren.

Mehr als 1600 Menschen wurden nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad verletzt. Gesundheitsminister Fahrettin Koca zufolge wurden am Sonntag noch über hundert von ihnen im Krankenhaus behandelt, 13 davon seien lebensgefährlich verletzt.

48 Stunden nach dem Beben und bei Temperaturen, die in der Nacht auf minus zehn Grad sinken, schwand die Hoffnung, noch Überlebende zu finden. In der Stadt Elazig trugen Retter vorsichtig mit technischem Gerät und Eimern die Trümmer ab, immer darauf bedacht, einen weiteren Einsturz zu verhindern. Ein Spürhund nahm die Fährte nach weiteren Verschütteten auf. 

In der Nähe warteten mehrere dutzend Einwohner nervös auf Neuigkeiten vermisster Familienmitglieder. Eine Gruppe von Frauen brach in Tränen aus, als die Leiche eines Angehörigen geborgen wurde. Eine Mitarbeiterin des Roten Halbmondes versuchte derweil eine Frau, deren Kusine vermisst wurde, zu beruhigen: "Wir tun, was wir können."

Auch der 58-jährige Ladenbesitzer Hasan Duran verfolgte die Rettungsaktionen. "Wenn es Sommer wäre, könnten die Menschen vielleicht ein bisschen länger durchhalten. Aber bei dieser Kälte ist das schwer vorstellbar. Sogar wir zuhause frieren", sagte er. Er habe noch nie so große Angst gehabt, wie während des Bebens, erzählte er. "Das Gebäude schaukelte wie eine Wiege. Ich habe schon mehrere Erdbeben erlebt, aber noch nie etwas Vergleichbares."

In den Provinzen Elazig und Malataya stürzten insgesamt 80 Gebäude ein, weitere rund 650 wurden schwer beschädigt. Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am Sonntag, es werde alles unternommen, "um sicherzustellen, dass Bürger, deren Häuser eingestürzt oder beschädigt wurden, in diesem Winter nicht leiden müssen."

Viele Bewohner trauten sich am Sonntag aus Angst vor Nachbeben noch nicht in ihre Häuser zurück. Seit Freitag wurden 714 Nachbeben registriert. Nach Behördenangaben wurden mehr als 15.000 Menschen in Turnhallen und Schulen untergebracht und mehr als 5000 Zelte aufgebaut. 

In der Türkei gibt es immer wieder schwere Erdbeben, da das Land auf mehreren seismischen Platten liegt. Am 17. August 1999 waren bei einem Erdbeben der Stärke 7,4 in Izmit, Istanbul und anderen Orten mehr als 17.000 Menschen ums Leben gekommen. Das letzte größere Erdbeben ereignete sich 2011 in der Provinz Van. Es erreichte eine Stärke von 7,1, mehr als 600 Menschen starben. 

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