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Proteste überschatten Parade zum Nationalfeiertag in Indien

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Militärparade in Neu Delhi Bild: AFP

Der Nationalfeiertag in Indien ist von landesweiten Protesten überschattet worden. Während in der Hauptstadt Neu Delhi am Sonntag Zehntausende die Militärparade verfolgten, gab es landesweit Proteste gegen ein umstrittenes Staatsbürgerschaftsgesetz.

Der Nationalfeiertag in Indien ist von landesweiten Protesten überschattet worden. Während in der Hauptstadt Neu Delhi am Sonntag zehntausende Menschen eine große Militärparade verfolgten, gab es landesweit Proteste gegen ein umstrittenes Staatsbürgerschaftsgesetz, das nach Ansicht von Kritikern Muslime diskriminiert. An einer Menschenkette im südlichen Bundesstaat Kerala beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren sieben Millionen Menschen. Demonstriert wurde auch gegen den prominentesten ausländischen Gast der Militärparade, Brasiliens ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro. 

Erstmals standen bei der Militärparade zum Nationalfeiertag die Frauen im Mittelpunkt: Angeführt von der Kontingentführerin Seema Nag vollführten Motorradfahrerinnen auf dem zentralen Rajpath-Boulevard halsbrecherische Kunststücke. Zur Unterstreichung seiner Stärke präsentierte Indiens Militär auch die modernsten Panzer und Kampfjets. Von den Zuschauerrängen winkte Premierminister Narendra Modi den Soldaten zu.

Mit dem Tag der Republik begehen die Inder jährlich das Inkrafttreten der Verfassung am 26. Januar 1950. Als ausländische Ehrengast des 70. Jahrestags wurde Brasiliens Staatschef Bolsonaro eingeladen, der während der Parade direkt neben Modi saß. Gegen Bolsonaros Besuch und seine Haltung zum Klimawandel gab es unter anderem in Mumbai kleinere Kundgebungen.

Deutlich größer fielen der landesweite Protest gegen das neue Staatsbürgerschaftsgesetz aus, das Vereinfachungen bei der Einbürgerung von Menschen aus Indiens Nachbarstaaten vorsieht - allerdings nur, wenn diese keine Muslime sind. Kritiker werfen der hinduistisch-nationalistischen Partei BJP von Premierminister Modi deshalb vor, die 200 Millionen Muslime im Land zu diskriminieren. 

Als Zeichen des Protests gegen das Staatsbürgerschaftsgesetz reihten sich am Sonntag in Kerala nach Angaben der Organisatoren sieben Millionen Menschen zu einer Menschenkette auf. Ziel der Veranstalter war es, eine Länge von 620 Kilometern durch den gesamten Bundesstaat zu erreichen. 

In Neu Delhi blockierten hunderte Frauen aus Protest gegen das Staatsbürgerschaftsgesetz sowie ein geplantes Nationalregister für Staatsbürger eine Autobahn. Im nordindischen Bundesstaat Assam, wo viele Muslime leben, gab es vier Explosionen. Die Polizei machte eine Rebellengruppe für die Attacken verantwortlich, teilte aber zugleich mit, dass es keine Verletzten oder Sachschäden gegeben habe. 

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