Luftfahrt

Boeing macht wegen der 737 MAX erstmals seit 22 Jahren Verlust

img
Boeing macht wegen 737 MAX erstmals seit 22 Jahren Verlust Bild: AFP

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat wegen der schweren Probleme mit der 737 MAX im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten Verlust gemacht.

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat wegen der schweren Probleme mit der 737 MAX im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten Verlust gemacht. Das Minus für das vierte Quartal 2019 summiert sich auf eine Milliarde Dollar, für das Gesamtjahr beläuft es sich auf 636 Millionen Dollar (578 Millionen Euro), wie Boeing am Mittwoch mitteilte. Die zusätzlichen Kosten für Entschädigungszahlungen an Kunden und wegen Produktionsausfällen bezifferte der Konzern auf 9,2 Milliarden Dollar.

Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 18,4 Milliarden Dollar. Experten waren von insgesamt 16 bis 25 Milliarden Dollar ausgegangen. Sie schlossen noch die Kosten für die Fortbildung der Piloten ein, die nun am Simulator üben müssen. Mögliche Einigungen mit den Angehörigen der Absturzopfer und den US-Behörden, die zu den Unfällen und der Entwicklung der MAX 737 ermitteln, sind darin noch nicht enthalten.

In seiner 104-jährigen Unternehmensgeschichte hat der US-Konzern erst vier Mal rote Zahlen geschrieben, neben 2019 und 1997 noch in den Jahren 1995 und 1946. 2018 erzielte Boeing einen Nettogewinn von 10,5 Milliarden Dollar. 

Boeing steckt in einer schweren Krise: Seit März gilt ein weltweites Flugverbot für die 737 MAX, nachdem bei zwei Abstürzen von Maschinen dieses Typs in Indonesien und Äthiopien insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Ermittler vermuten, dass die Unglücke mit einem Stabilisierungssystem zusammenhängen, das bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten drückt.

Wegen des weltweiten Flugverbots mussten Fluggesellschaften tausende Flüge streichen und auf andere Maschinen zurückgreifen. Sie verlangen vom Flugzeugbauer deswegen Entschädigungen in Milliardenhöhe. 

Boeing hatte die Produktion der 737 MAX Anfang Januar vorübergehend eingestellt. Ursprünglich hatte der Konzern gehofft, noch 2019 eine Wiederzulassung für 737 MAX zu bekommen. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA erklärte aber, der Prozess einer Wiederzulassung werde sich ins Jahr 2020 ziehen. Die Behörde warf dem Konzern vor, "unrealistische" Zeitpläne für die Wiederaufnahme des Betriebs der Maschine verfolgt zu haben. Die FAA war aber auch selber wegen der Abstürze in die Kritik geraten. 

Wegen der Krise um die 737 Max verlor Boeing auch den Titel als größter Flugzeugbauer der Welt. Erstmals seit 2011 lieferte das europäische Luftfahrtunternehmen Airbus mit insgesamt 863 Maschinen mehr Flugzeuge aus als sein US-Konkurrent. Boeing hingegen lieferte 53 Prozent weniger Flugzeuge aus als im Vorjahr. 

Am Mittwoch kündigte der Flugzeugbauer an, er werde in diesem Jahr auch die Produktion des Modells 787 Dreamliner weiter zurückfahren. Monatlich sollen statt zwölf noch zehn Maschinen hergestellt werden. Außerdem beschloss Boeing, bei der Entwicklung des neuen Modells NMA für 220 bis 270 Passagiere praktisch bei Null anzufangen. Airbus hat derweil die neue Langstreckenmaschine A321XLR bereits auf den Markt gebracht, die kleiner, günstiger und damit rentabler ist.

Der neue Boeing-Chef David Calhoun, der das Ruder erst am 13. Januar übernommen hatte, versprach trotz der hohen Kosten die Wende. "In allem was wir tun, sind wir Transparenz und Exzellenz verpflichtet", erklärte er. Bei jeder Entscheidung und jedem Schritt werde die Sicherheit im Vordergrund stehen. Calhouns Vorgänger Dennis Muilenburg, dem schlechtes Krisenmanagement zur Last gelegt wurde, war im Dezember abgesetzt worden. 

STARTSEITE