Außenhandel

In der Wirtschaft schwindet die Hoffnung auf schnelles Ende der Coronavirus-Krise

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Containerverladung in Dortmund Bild: AFP

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus droht immer stärker zum Hemmschuh für die konjunkturelle Entwicklung zu werden. Unter den deutschen Exporteuren verschlechterte sich die Stimmung merklich.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus droht immer stärker zum Hemmschuh für die konjunkturelle Entwicklung zu werden. Unter den deutschen Exporteuren verschlechterte sich die Stimmung merklich, wie das Münchener Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sieht die Epidemie angesichts der Verwundbarkeit international verzahnter Lieferketten gar als "Game Changer" für die Globalisierung - also ein Ereignis, das die bisherige Entwicklung völlig umkrempelt.

Die Ausbreitung des Virus hatte bereits am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Am Dienstag setzte sich der Kursrutsch an den asiatischen und europäischen Handelsplätzen zunächst nicht fort, allerdings blieb die Stimmung angespannt.

Wirtschaftliche Auswirkungen hat die Epidemie vor allem durch die teils drastischen Maßnahmen, die Behörden oder Unternehmen ergreifen, um eine weitere Verbreitung etwa durch Reisebeschränkungen oder Werksschließungen zu verhindern. Darunter leiden insbesondere international tätige und vernetzte sowie exportabhängige Unternehmen.

Auf das Auslandsgeschäft angewiesen sind auch viele deutsche Firmen. Im Februar fielen die Ifo-Exporterwartungen der Industrie nun deutlich von plus 0,8 Punkten im Vormonat auf minus 0,7 Punkte. Die Entwicklungen rund um das Virus ließen "kurzfristig kaum auf Besserung hoffen", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. 

Die Autobranche befürchtet demnach einen verstärkten Rückgang ihrer Exporte in den kommenden Monaten. Auch in der chemischen Industrie sei nach einem zuletzt leicht optimistischen Ausblick die Skepsis zurück. Im Maschinenbau gingen die Unternehmen ebenfalls tendenziell von einem leicht rückläufigen Auslandsgeschäft aus.

Lichtblicke in diesem Monat seien hingegen die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln sowie die Getränkehersteller. "Sie erwarteten deutliche Zuwächse bei ihren Exporten in den kommenden Monaten", erklärte Fuest. 

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Le Maire bezeichnete die Coronavirus-Epidemie am Dienstag als "Game-Changer für die Globalisierung". Der Ausbruch und seine Folgen hätten eine "unverantwortliche und unvernünftige" Abhängigkeit von China offenbart.

Neu gedacht werden müssten nun die globalen Lieferbeziehungen insbesondere in der Gesundheits- und Autoindustrie, sagte Le Maire bei einem Besuch in der griechischen Hauptstadt Athen. "Wir können nicht weiterhin bei pharmazeutischen Wirkstoffen zu 80 bis 85 Prozent von China abhängig sein", fügte er hinzu.

Die zuletzt stagnierende deutsche Wirtschaft dürfte die Coronavirus-Epidemie nach Einschätzung der staatlichen Förderbank KfW bis zum Sommer weiter auf der Stelle treten lassen. "Aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus in China dürfte sich die Stagnation im ersten Halbjahr zunächst fortsetzen", erklärte die Kreditanstalt am Dienstag. Mit einem spürbaren Anziehen der Quartalswachstumsraten sei "erst wieder ab dem Sommer zu rechnen".

Für das gesamte Jahr 2020 erwartet KfW Research demnach einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von nur noch 0,8 Prozent statt wie bislang 0,9 Prozent. Allerdings stützt sich diese Prognose auf die Annahme, dass die Epidemie schwerpunktmäßig auf China begrenzt bleibt und in einigen Wochen abflauen wird. Die Abwärtsrisiken wegen des Virus seien erheblich.

"Sollte die Corona-Epidemie länger andauern und auch andere Weltregionen stärker in Mitleidenschaft ziehen, werden gravierende Auswirkungen auf den Außenhandel und die Wertschöpfungsketten wahrscheinlicher, denen die deutsche Industrie besonders ausgesetzt ist", warnte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. "Die Situation in Italien macht mir deshalb Sorgen."

Den Ausblick der Wirtschaft verdüstert vor allem, dass sich das Virus mittlerweile auch außerhalb Chinas zunehmend ausbreitet und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen vor einer "möglichen Pandemie" warnte. Zwar habe die Epidemie in ihrem Ursprungsland China ihren Höhepunkt bereits überschritten, die plötzliche Zunahme der Infektionsfälle im Iran, in Italien und Südkorea sei aber "zutiefst besorgniserregend". 

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