Pandemie

Habeck für "Pandemiewirtschaft" zur Sicherung notwendiger Ressourcen

  • AFP
  • In POLITIK
  • 3. April 2020, 10:31 Uhr
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Habeck für "Pandemiewirtschaft" und Exit-Strategie Bild: AFP

Grünen-Chef Robert Habeck fordert in der Corona-Krise eine 'Pandemie-Wirtschaft', um notwendige Ressourcen im medizinischen Bereich zu sichern. Zudem plädierte er für einen vorsichtigen Ausstieg aus der Isolation.

Grünen-Chef Robert Habeck fordert in der Corona-Krise eine "Pandemie-Wirtschaft", um notwendige Ressourcen im medizinischen Bereich zu sichern. Dabei gehe es um "mehr medizinische Geräte, Schutzkleidung, Testkapazitäten, Forschung an Therapien und Impfstoffen", sagte Habeck am Freitag dem Nachrichtenportal "watson.de". Zudem müssten sich Kontaktwege "besser nachvollziehen lassen".

"Für die Zeit nach dem Shutdown gilt es, ein anderes, zielgenaueres Vorgehen zu entwickeln", plädierte Habeck für einen allmählichen, vorsichtigen Ausstieg aus den geltenden Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens. "Wir brauchen dann einen dritten Weg jenseits völliger Isolation und völliger Lockerung", sagte der Grünen-Chef. Dafür müsse man aber jetzt die Zeit nutzen, um das Gesundheitssystem robuster zu machen.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit der Kontaktwege von Infizierten sprach sich Habeck erneut für eine freiwillige "Corona-App" aus. Dieses Instrument wäre geeignet, Begegnungen nachträglich erkennbar zu machen. Entscheidend sei neben der Freiwilligkeit auch die Verschlüsselung der Daten. Dann aber könne eine solche App dazu beitragen, "von der sozialen Isolation und Kontaktverboten für alle wegzukommen, weil man genauer weiß, wer konkret gefährdet ist".

"Ich fürchte, dass auch Kummer, Einsamkeit, Stress zunehmen werden, je länger der Shutdown geht", warnte Habeck vor einer zu langen Dauer der geltenden Einschränkungen. Er verwies auf Berichte über eine Zunahme häuslicher Gewalt. Dennoch seien die Maßnahmen derzeit richtig, die Grünen arbeiteten daher daran in vielen Landesregierungen mit.

Auch er selbst sei genervt von Homeoffice und Videokonferenzen, denn "das Gespräch von Angesicht zu Angesicht fehlt", räumte Habeck ein. Dabei gehe es ihm ja noch gut etwa "im Vergleich zu Familien, die mit zwei Kindern in einer winzigen Wohnung ohne Balkon leben". 

International bekräftigte Habeck die Forderung der Grünen nach mehr europäischer Solidarität auch mit Hilfe von Gemeinschaftsanleihen. "Corona-Bonds sind das Gebot der Stunde", sagte er "watson.de". "Die letzte Konsequenz wäre, dass Deutschland im Notfall haftet, aber das ist eine bessere Option, als dass Europa vor die Hunde geht und in Italien der Populismus regiert."

Zur Verdrängung grüner Kernthemen wie Klimaschutz oder Flüchtlingspolitik durch die Corona-Krise sagte Habeck: "Natürlich sind die anderen Herausforderungen nach wie vor da. Der Krieg in Syrien. Auf den griechischen Inseln leben tausende Flüchtlinge unter hygienisch miserablen Umständen in völlig überfüllten Lagern. Die Klimakrise schreitet weiter voran." Diesen Problemen "müssen wir weiterhin begegnen." Aktuell stehe aber nicht im Vordergrund, "ob man mit Auto oder Fahrrad zur Arbeit fährt, sondern ob man morgen überhaupt noch eine Arbeit hat".

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