Motorsport

DTM-Champion Rast: "Panik macht nichts besser"

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mid Groß-Gerau - Rene Rast rast jetzt durch die virtuelle Welt. Audi

Wie geht Rene Rast die ungewisse Zeit inmitten des Coronavirus an? Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat mit dem Tourenwagen-Champion gesprochen.


Rene Rast denkt kurz nach. Nein, wirkliche Sorgen macht sich der Tourenwagen-Champion nicht, das wäre etwas übertrieben. Er mache sich Gedanken, das treffe es wohl besser, sagt der 33-Jährige im Gespräch mit dem Motor-Informations-Dienst (mid). Rast agiert in der Corona-Krise, wie er es auch als Rennfahrer erfolgreich praktiziert: informieren und analysieren. Das kann bei einer nur schwer greifbaren Gefahr wie einem neuartigen Virus von Vorteil sein.

"Keine Frage: Man lebt in Ungewissheit", sagt der Audi-Pilot: "Man muss der Corona-Krise aber ganz realistisch ins Auge blicken: Niemand weiß, wie lange das geht und jeder muss dafür sorgen, dass wir so wenig Ansteckungen wie möglich haben und die Kurve abflachen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und so viele Leute wie möglich zu retten", sagt Rast.

Zu viel Sorgen machen? Bringt nichts. "Das ist wie auf einem Schaukelstuhl: Du bewegst dich, kommst aber nicht voran. In welche Richtung es sich auch entwickelt, man selbst sollte vorbereitet sein."

Rast wohnt mit seiner Familie in Bregenz am Bodensee. Dort, wo andere Urlaub machen. In Österreich, wo es schon etwas länger als in Deutschland eine Ausgangsbeschränkung gibt. Bundeskanzler Sebastian Kurz greift bei den Nachbarn rigoros durch. "Man merkt, dass hier jeder die Vorgaben wie den Mindestabstand oder das Kontaktverbot drauf und verinnerlicht hat", so Rast.

Surreal ist das ganze trotzdem, vor allem an einem Ort, der zu dieser Zeit des Jahres in der Regel anfängt, aufzublühen. Symptomatisch für die Stimmung: Das Tanzfestival "Bregenzer Frühling" wurde wegen Corona in den Herbst verlegt. Rast verrät: "Normalerweise ist hier immer alles voll, es gibt Staus, die Leute gehen durch die Stadt, flanieren am Bodensee, vor allem bei dem schönen Wetter derzeit. Jetzt ist aber nichts los. Wenn du durch Bregenz fährst, ist es wie in einer Geisterstadt."

Auch die Motorsport-Welt steht still. In der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) wurde die erste Saisonhälfte verschoben, es soll erst Mitte Juli auf dem Norisring losgehen. Wenn überhaupt, denn die Pläne sind nicht in Stein gemeißelt, wie in allen Bereichen in diesen Zeiten. Und wie es im Motorsport generell nach der Krise weitergeht, kann auch niemand vorhersagen.

Die Tourenwagen-Rennserie trifft es doppelt hart, denn kurz vor dem Ausbruch des Virus hatte Aston Martin die DTM verlassen, übrig bleiben nun nur noch Audi und BMW. "Natürlich ist das ein doppelter Treffer für die DTM", sagt Rast: "Es ist wie mit allen Dingen: Wenn man sowieso schon angeschlagen ist und es kommt noch etwas obendrauf, ist das nicht förderlich."

Man habe durch den Ausstieg von Aston Martin Probleme und versuche seitdem, den Laden am Laufen zu halten, so Rast: "Die Krise durch das Coronavirus ist dabei nicht hilfreich. Wir versuchen alles, was wir können, um den Sport am Leben zu halten. Im Moment sitzen wir aber auch nur als Passagier mit dabei." Er ist sicher: "Der Motorsport wird sich verändern, es wird Einbußen geben. Es wird Hersteller geben, die ihre Werksprogramme einstellen oder verkleinern müssen."

Rast nutzt die Zeit für seine Familie, viel Training und Sim-Racing. Dabei treffen sich aktuelle Piloten an Simulatoren auf virtuellen Rennstrecken. Rast hat so einen Simulator zu Hause. Nachdenklich ist er trotzdem: "Natürlich frage ich mich, wo die Reise mit der DTM, mit dem Motorsport hingeht. Was passiert, wenn ich in dieser Saison überhaupt keine Rennen mehr fahre und die Motorsport-Welt 2021 ganz anders aussieht?" Er weiß aber, dass er im Endeffekt nicht viel tun kann. Sein Motto: "Panik bringt nichts, das macht nichts besser."

Andreas Reiners / mid

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