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Geheimdienstausschuss-Chef im US-Senat tritt wegen Aktienverkäufen vor Krise zurück

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  • 14. Mai 2020, 20:50 Uhr
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US-Senator Richard Burr Bild: AFP

In den USA tritt der Vorsitzende des mächtigen Geheimdienstausschusses im Senat, der Republikaner Richard Burr, wegen des Vorwurfs des Insider-Aktienhandels vor der Corona-Krise zurück. Burr legt sein Amt vorübergehend nieder, solange Ermittlungen gegen ihn laufen.

In den USA tritt der Vorsitzende des mächtigen Geheimdienstausschusses im Senat, der Republikaner Richard Burr, wegen des Vorwurfs von Insider-Aktiengeschäften im Zusammenhang mit der Corona-Krise zurück. Burr lege sein Amt vorübergehend nieder, erklärte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, am Donnerstag, nachdem das FBI das Handy von Senator Burr beschlagnahmt hatte. Burr hatte kurz vor der Eskalation der Corona-Pandemie in großem Maße Aktien verkauft. 

Das FBI ermittelt nun, ob der Senator bei seinem Aktienverkauf Insider-Wissen nutzte. FBI-Beamte hätten außerdem auf seine persönlichen Daten auf seinem iCloud-Konto zugegriffen, berichtete die "Los Angeles Times" am Donnerstag. "Wir waren uns einig, dass diese Entscheidung im besten Interesse des Ausschusses liegt", sagte McConnell zu Burrs vorübergehendem Rückzug während der laufenden Ermittlungen.

Der Vorgang schlägt nicht nur wegen des mutmaßlichen Insider-Handels hohe Wellen. Er lässt zudem vermuten, dass hochrangige US-Politiker sehr viel früher über das drohende Ausmaß der Coronavirus-Pandemie informiert gewesen sein könnten als bislang angenommen. 

Burr wurde in seiner Position als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses von Geheimdiensten regelmäßig über Gefahren für die USA informiert. Am 13. Februar hatte er Aktien im Wert von 1,7 Millionen Dollar verkauft. Das war einige Tage, bevor das Coronavirus die Börsen auf Talfahrt schickte. Burr beteuert, er habe seine Aktienentscheidungen einzig und allein auf Grundlage öffentlich verfügbarer Informationen getroffen.

Zum Zeitpunkt seiner Aktiengeschäfte gab es in den USA erst rund ein Dutzend registrierte Infektionsfälle und Präsident Donald Trump versicherte öffentlich, für die USA bestehe kein größeres Risiko. Dass Burr offenbar anderer Meinung als sein Chef war, tat er bei einer privaten Veranstaltung mit wohlhabenden Spendern Ende Februar kund: Das neuartige Coronavirus stelle eine ähnliche Bedrohung wie die Spanische Grippe von 1918 dar, die Millionen Menschen dahinraffte. "Es gibt eine Sache, die ich Ihnen dazu sagen kann: Es ist in seiner Übertragung viel aggressiver als alles, was wir in der jüngsten Geschichte gesehen haben", soll Burr demnach gesagt haben.

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