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Bahn will Kunden online vor vollen Zügen warnen

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Bahn-App soll vor vollen Zügen fahren Bild: AFP

Kunden der Deutschen Bahn können sich ab dieser Woche online über die Auslastung von Fernzügen informieren. Die Deutsche Bahn kündigte am Montag die Einführung einer neuen Auslastungsanzeige auf bahn.de und in der DB Navigator-App an.

Kunden der Deutschen Bahn werden ab dieser Woche online frühzeitig vor vollen Zügen gewarnt. Die Bahn kündigte am Montag die Aktualisierung der Auslastungsanzeige auf bahn.de und in der DB-Navigator-App an. Kunden sehen dort, sobald ein Zug über die Vorabbuchungen zu mehr als 50 Prozent besetzt ist. Eine Maximalbelegung verkündete die Bahn nicht, auch Reservierungen oder freie Sitzplätze macht sie nicht zur Pflicht.

Fahrgäste sollen durch die genauere Anzeige der Belegung bei der Buchung unterstützt und ermutigt werden, frühzeitig auf weniger ausgelastete Züge ausweichen, wie die Bahn mitteilte. Sie behielt sich außerdem vor, den Ticketverkauf bei Zügen mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung komplett auszusetzen. In welchen Fällen genau diese Regelung greifen soll, erklärte der Konzern nicht.

Ohnehin hätte sie keine Auswirkungen für alle Reisenden, die schon ein Ticket gekauft oder eine Bahncard haben: Sie können am Bahnsteig auch weiterhin in einen vollen Zug einsteigen, für den in der App und auf der Website keine Fahrkarte oder Reservierung mehr gekauft werden kann.

Das Angebot solle nicht "künstlich verknappt werden" und eine generelle Passagierobergrenze "würde zu schwierigeren Situationen führen, als wir sie heute haben", sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber und verwies dabei insbesondere auf die für den Konzern wichtigen Pendler mit Bahn-Abo.

Auch eine Reservierungspflicht sieht die Bahn nicht vor. Sie will Reservierungen aber begrenzen, damit Reisende unterwegs nach Bedarf verteilt werden können. Die Grenze variiere je nach Baureihe, erklärte eine Bahn-Sprecherin.

Dass der nächste Reisende mindestens anderthalb Meter entfernt und "nie ein Fahrgast neben dem anderen sitzt", kann die Bahn laut Huber indes nicht garantieren. Demnach bleibt es auch möglich, Sitzplätze nebeneinander zu reservieren. Die Konzernsprecherin erklärte dazu: "Wir schaffen die Rahmenbedingungen, unsere Kunden halten die Hygiene- und Abstandsregeln ein."

Aus Hubers Sicht hat die Bahn "viel dafür getan, dass Zugfahren mit uns sicher ist". Neben verstärkten Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen an Bord setzt sie demnach auf eine simple Rechnung: "Mehr Kapazität schafft zugleich mehr Platz für Abstand". Im Regionalverkehr liegt das Fahrplanangebot nach Konzernangaben im bundesweiten Schnitt wieder bei 95 Prozent des Vorkrisenangebots.

Auch ihr Angebot im Fernverkehr will die Bahn weiter hochfahren: Ab dem Pfingstwochenende setzt sie beispielsweise auf mehreren stark frequentierten ICE-Strecken wieder zwei statt wie in den vergangenen Wochen nur einen Zugteil pro Fahrt ein: Betroffen ist demnach die Strecke von München über Köln nach Dortmund, sowohl über Nürnberg als auch über Stuttgart, außerdem die Verbindung von Dortmund nach Basel.

Huber kündigte im Laufe der Woche ein "wieder nahezu normales Programm" für Fahrten in die Schweiz und nach Österreich an, bis Mitte Juni seien dann wieder alle Nachbarländer mit dem Zug erreichbar. Die Nachfrage sei da, die Auslastung im Fernverkehr immerhin wieder halb so hoch wie vor der Krise. In den vergangenen Wochen hatte sie teilweise nur bei zehn Prozent gelegen. 13.000 zusätzliche Sitzplätze will die Bahn durch Neuanschaffungen bis Jahresende auf ihren Strecken schaffen.

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