Fahrbericht

Mit neuen Stärken: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio

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mid Frankfurt am Main - Das Blechkleid der Alfa Romeo Giulia ist erfreulicherweise bei der Überarbeitung nahezu unberührt geblieben. Solveig Grewe / mid

Obwohl die Alfa Romeo Giulia mit souveränem Antrieb und herausragender Fahrwerksdynamik glänzt, tat sie sich nicht nur in Deutschland schwer, aus der Exoten-Ecke zu entkommen. Ob nach dem aktuellen Facelift mit neuer Assistenz- und Unterhaltungselektronik der Sprung nach vorne gelungen ist, wollte der Motor-Informations-Dienst (mid) jetzt bei Testfahrten mit einer Giulia Quadrifoglio rund um Frankfurt am Main herausfinden.


Obwohl die Alfa Romeo Giulia mit souveränem Antrieb und herausragender Fahrwerksdynamik glänzt, tat sie sich nicht nur in Deutschland schwer, aus der Exoten-Ecke zu entkommen. Ob nach dem aktuellen Facelift mit neuer Assistenz- und Unterhaltungselektronik der Sprung nach vorne gelungen ist, wollte der Motor-Informations-Dienst (mid) jetzt bei Testfahrten mit einer Giulia Quadrifoglio rund um Frankfurt am Main herausfinden.

Der Blick gleitet schwelgerisch über das wohlproportionierte und glücklicherweise weitestgehend unverändert gebliebene Blechkleid der aufgefrischten Limousine, die seit 2016 die Modellpalette des italienischen Herstellers bereichert. Nach dem Einsteigen umschließen einen die formidablen Sparco-Sportschalensitze ( 3.900 Euro Aufpreis, die sich lohnen) bündig, als solle man nie wieder aussteigen und zum festen Inventar der Sportlimousine werden.

Unter der Haube der Performance-Giulia meldet sich jetzt auf Knopfdruck im Lenkrad der 2,9-Liter-Biturbo-V6 fauchend zu Wort. Wie bisher generiert das gemeinsam mit Ferrari entwickelte Triebwerk 510 PS, stemmt ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und gibt seine Kraft über eine Achtgangautomatik von ZF an die Hinterräder ab. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigt die Giulia damit in 3,9 Sekunden, ihr Limit ist bei 307 km/h erreicht.

Vor Antritt der Fahrt gleitet das Smartphone in ein Fach zum kabellosen Laden, der Schlüssel verschwindet in einem extra für ihn vorgesehenen und passgenauen Fach in der Mittelkonsole. Den Wählhebel für die Achtgangautomatik hat Alfa Romeo jetzt in Leder gekleidet, die Einfassung ziert neuerdings eine kleine italienische Flagge.

Das Lenkrad mit erweitertem Funktionsumfang liegt gut in der Hand, das griffige Leder schmeichelt der Haptik. Reagieren musste Alfa Romeo auf die leidige Kritik am Infotainment-System, das jetzt in puncto Schnelligkeit und Bedienbarkeit spürbar aufgeholt hat. Serienmäßig gibt es einen 7 Zoll (17,8 Zentimeter) großen TFT-Bildschirm zwischen erfreulicherweise analog gebliebenem Drehzahlmesser und Tacho mit überarbeiteter Grafik.

State of the art ist jetzt auch der 8,8-Zoll-Monitor (22,3 Zentimeter), über den wie bei einem Smartphone oder einem Tablet nach Herzenslust getoucht und gewischt werden darf. Mittels Drag-and-Drop kann man sich nach dem eigenen Gusto Widgets konfigurieren.

Bequemer während der Fahrt sind die Sprachbedienung oder der Griff zum Dreh-und-Drückregler, über den sich die zahlreichen Menüs mit gestochen scharfer detailreicher Darstellung ebenfalls schnell und intuitiv aufrufen lassen. Die erweiterten Connected-Dienste umfassen unter anderem Verkehrsnachrichten in Echtzeit für das Navi, einige Remote-Funktionen wie das Auf- und Absperren per Smartphone oder einen Wifi-Hotspot für bis zu acht Geräte.

Mit dem 2020er Modelljahr halten zudem endlich die in dieser Fahrzeugklasse üblichen Assistenzsysteme Einzug. Auf eine sich abzeichnende Müdigkeit des Fahrers reagiert ein Piktogramm mit einem dampfenden Espresso, die weitestgehend gut funktionierende Verkehrszeichenerkennung macht auf die sich gerade um das Frankfurter Kreuz herum verschärft wechselnden Tempolimts aufmerksam. Auf Wunsch passen die Assistenten die Geschwindigkeit gleich auch automatisch daran an. Das könnte sich schnell bezahlt machen bei den immerhin 510 PS unter der Haube.

Erstmals können Spurhalteassistent, Totwinkelassistent, adaptive Tempomaten mit Stop-and-Go-Funktion sowie Stau und Autobahnassistent in Zusammenarbeit auch über einen kurzen Zeitraum das Kommando in der Giulia übernehmen. Aber im Moment fordert die mit reichlich Kurven gesegnete Strecke hinauf zum Feldberg eher dazu auf, selber Hand und Fuß anzulegen. Über die massiven Metallschaltwippen hinter dem Lenkrad lassen sich die Gänge zusätzlich ausreizen, bis die sportliche Diva mit dem Heck zu tänzeln beginnt, ohne aber gleich die Fasson zu verlieren oder gar hart oder ruppig zu federn. Autonomes Fahren schön und gut, aber doch bitte allenfalls auf langweiligen Autobahnfahrten.

Die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio geht zum Preis von 82.500 Euro an den Start, der sich aber locker beim Griff zu einer Kohlefaser-Bremsanlage, 19 Zöllern, dem Quadrifoglio-Lenkrad und einigen anderen Annehmlichkeiten auf über 100 000 Euro treiben lässt.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio

- Länge / Breite / Höhe: 4,64/1,43/1,86 Meter
- Motor: Sechszylinder Bi-Turbo
- Hubraum: 2.891 ccm
- Leistung: 375 kW/510 PS bei 6.500 U/min
- max. Drehmoment: 600 Nm bei 2.500 U/min
- 8-Stufen-Automatikgetriebe
- 0 bis 100 km/h: 3,9 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 307 km/h
- Normverbrauch: 9,3 l/100 km nach NEFZ
- CO2-Emissionen: 211 g/km
- Abgasnorm: Euro 6d-TEMP
- Preis: ab 82.500 Euro

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