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Neuer Glücksspielstaatsvertrag - Online-Glücksspiel bald legal?

  • Redaktion
  • In POLITIK
  • 10. Juni 2020
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@ PublicDomainPictures (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Seit vielen Jahren hinkt Deutschland beim Thema Glücksspielstaatsvertrag allen anderen Ländern der EU hinterher - was nicht nur für Unmut bei den Casinobetreibern sorgt, sondern auch Besucher von Online Casinos vor viele Fragezeichen stellt. Nun jedoch könnte man einer zufriedenstellenden Lösung für beide Parteien näher als nie zuvor sein: Wird das hierzulande in einer Grauzone angesiedelte Online-Glücksspiel bereits im Jahr 2021 legal?

Eigene Glücksspiellizenz soll bisherige EU-Lizenzen ablösen 

Deutschland ist das einzige Land innerhalb der gesamten EU, das sich trotz jahrelanger Bemühungen immer noch nicht auf einen einheitlichen Glücksspielvertrag geeinigt hat. Das könnte sich jedoch schon bald ändern: Bereits im kommenden Jahr soll es neue Regulierungen in Hinblick auf den Glücksspielmarkt geben, der fortan nicht nur stationäre Spielhallen, sondern eben auch das immer beliebter werdende Online-Glücksspiel umfasst. Sowohl für Spieler, als auch für Betreiber von Online Casinos wäre dies ein wichtiger Schritt, denn bislang gilt das Online-Glücksspiel in Deutschland streng genommen als illegal - auch wenn es von den Behörden aufgrund der noch ausstehenden Verhandlungen geduldet wird. Die Folge: Nahezu jedes Online Casino arbeitet stattdessen mit EU-Lizenzen aus Malta, Gibraltar & Co, die es Spielern aus Europa ermöglicht, das eigene Angebot zu nutzen - und dazu gehört natürlich auch Deutschland.

Ab dem kommenden Jahr möchte Deutschland nun jedoch eine eigene Lizenz ausstellen, welche sich ausschließlich an die eigenen Bürger richtet - ebenso wie es das Bundesland Schleswig-Holstein bereits einige Zeit lang im Alleingang getan hat. Doch was genau bedeutet das eigentlich für Glücksspiel-Fans? In erster Linie wird das Online-Glücksspiel hierdurch auch in Deutschland endlich legal. Wodurch sich der Staat natürlich auf erhebliche Einnahmen durch die Spieler freuen dürfte, die man sich in den vergangenen Jahren durch die Lappen gehen ließ - umso unverständlicher, dass man dennoch jahrelang über einen einheitlichen Glücksspielstaatsvertrag diskutiert hat, ohne eine Lösung zu finden.

Doch vor allem die Spieler selbst müssen sich auf teilweise gravierende Änderungen einstellen, die wir an dieser Stelle zusammengefasst haben:

Errichtung einer Glücksspielbehörde

In Deutschland soll zukünftig eine eigene Glücksspielbehörde die angekündigte Glücksspiellizenz ausgeben sowie alle Betreiber von Online Casinos, die auf diese Lizenz zugreifen, auf die Einhaltung der darin zusammengetragenen Vorgaben überprüfen. Ähnliche Behörden kennt man beispielsweise schon aus Malta und Gibraltar. 

Ein Account für alle Online Casinos

Geht es nach den Plänen Deutschlands, soll die Einrichtung von mehreren Accounts in verschiedenen Casinos in Zukunft nicht mehr möglich sein. Stattdessen plant man die Erstellung eines einzigen Glücksspiel-Accounts, der von den Betreibern der verschiedensten Casinos dann einer bestimmten Person zugeordnet werden kann. Dies soll offenbar verhindern, dass sich Spieler, die bereits in einem Casino gesperrt sind, einfach in einem anderen Casino registrieren und auf diese Weise erneut der Spielsucht verfallen.

Verbote von Live-Wetten

Live-Wetten, bei denen ein Spieler beispielsweise darauf setzen kann, dass in einem Fußballspiel noch zwei Tore fallen, sollen in Zukunft eingeschränkt oder ganz verboten werden, da diese ein besonders hohes Suchtpotential aufweisen. 
Diese Entscheidung, insofern sie denn tatsächlich umgesetzt wird, dürfte Sportwetten-Fans jedoch gar nicht schmecken.

Monatliches Einzahlungslimit

Um Spielsucht entgegenzuwirken, plant Deutschland ein monatliches Einzahlungslimit, welches bei 1.000 Euro liegen soll. Wie ein solches Limit in Hinblick auf die unzähligen verfügbaren Online Casinos umgesetzt werden soll, ist allerdings noch nicht bekannt. Ohnehin gibt es von vielen Suchtberatungsstellen bereits Kritik für die in ihren Augen viel zu hoch angesetzte Grenze: Für viele Menschen kann der Verlust von 1.000 Euro pro Monat bereits existenzgefährdend sein. 
Viele High Roller (Menschen, die viel Geld in Online Casinos lassen, dafür aber auch viel Geld gewinnen), dürften dieses Limit hingegen als viel zu niedrig angesetzt sehen, sodass Spannungen hier eigentlich bereits fest vorprogrammiert sind.

Fazit:

Deutschland bemüht sich, einen eigenen Glücksspielstaatsvertrag ins Leben zu rufen, welcher heimische Spieler besser vor den Gefahren des Glücksspiels schützen soll. Da jedoch insbesondere die Einrichtung eines personenbezogenen Glücksspiel-Accounts, auf den alle Casino-Betreiber Zugriff haben sollen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit viele Datenschützer auf den Plan rufen wird, ist es durchaus fraglich, ob man bis 2021 tatsächlich mit der EU-Kommission auf einen Nenner kommen wird. Es bleibt also spannend, ob und wann in Deutschland mit einer Revolution des Online-Glücksspiels zu rechnen ist.

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