Fahrbericht

Die mid-Zeitreise: V-Klasse mit Ambiente

  • Motor-Informations- Dienst (mid)
  • In FAHRBERICHTE
  • 26. Juni 2020, 11:37 Uhr
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mid Groß-Gerau - Mit der V-Klasse bietet Mercedes-Benz 1996 erstmals ein Fahrzeug im Van-Segment an. Es basiert auf dem Nutzfahrzeug Vito. Die Preise startet damals bei 53.130 DM. Archiv Motor-Informations-Dienst (mid)

Am 16. September 1996 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 41. Jahrgang über die Mercedes-Benz V-Klasse.


Am 16. September 1996 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 41. Jahrgang über die Mercedes-Benz V-Klasse.

Mit der neuen V-Klasse bietet Mercedes-Benz jetzt erstmals ein Fahrzeug im Van-Segment an. Es basiert auf dem Nutzfahrzeug Vito. Die Preisliste beginnt bei 53.130 DM.

Novum bei Mercedes: Es handelt sich bei dem sechssitzigen Großraumfahrzeug um einen Fronttriebler. Er wird vorerst mit einem Vierzylinder-Einspritz-Benziner in Vierventil-Technik und einem Turbodiesel mit Ladeluftkühlung angeboten. Zum ersten Mal bei einer Großraum-Limousine erlauben die im Fond einzeln umsetzbaren Sitze mit integriertem Gurtsystem auch während der Fahrt eine Vis-a-Vis-Sitzposition.

Sie können auch hintereinander und als Dreiersitz in einer Reihe angeordnet werden, wobei dann aber die Armlehnen abgenommen werden müssen. Der Beifahrer kann von seinem Platz aus direkt nach hinten durchgehen. Kein Kurbelwellengehäuse steht im Wege. Der Innenraum kann variabel je nach Einsatz umgestaltet werden, sogar zum Transporter, wo dann maximal 4.564 Liter Gepäck Platz haben.

Für den Einstiegspreis von 53.130 DM gibt es den V 230 Vierzylinder-Turbodiesel-Motor mit 72 kW/98 PS in Verbindung mit der Basis-Ausstattung "Trend". Mit dem 2,3-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 105 kW/143 PS kommt das Fahrzeug auf 54.050 DM. Die "Trend"-Ausstattung bietet bereits Fullsize-Airbags für Fahrer und Beifahrer, Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung, Luftfederung und Niveau-Regulierung an der Hinterachse sowie ABS.

Zwei weitere Ausstattungslinien heißen "Fashion" und "Ambiente". "Fashion" zielt auf die Familie, wobei modische Farben und originelle Ausstattungsdetails wie Kleiderbügel an der hinteren Sitzreihe oder die Abstellmöglichkeit für den Regenschirm an der B-Säule und ein klappbarer Tisch zwischen den Fondsitzen das Wohlbefinden der Insassen steigern soll. Für die Kleinen ist im "Fashion" sogar eine Sammlung Unterhaltungsspiele an Bord. Der Aufpreis beträgt 1.150 DM.

"Ambiente" heißt die Top-Version mit Ledersitzen, Lederlenkrad, Leichtmetallrädern mit Niederquerschnitt-Reifen und Metallic-Lackierung. Auch eine Kühlbox mit 12-Volt-Adapter, ein abschließbares Wertfach und eine Außentemperaturanzeige sind für 8.970 DM Aufpreis mit dabei. Im Innenraum sollen Zierleisten an der Instrumententafel und Seitenverkleidungen mit Holzdekor zusätzlich für Atmosphäre sorgen. Weitere Extras sollen Raum für individuelle Gestaltung geben. Das Angebot reicht von Gardinen für die Seitenscheiben über Klimaanlage, Glasschiebe-/Hebedach bis zur Anhängerkupplung.

Gegenüber dem reinen Nutzfahrzeug Vito wurde bei der V-Klasse vor allem an der Geräuschdämmung, an der Bodengruppe und an der Luftfederung der Hinterachse gearbeitet. Grund: Die fast 40 Kilogramm schweren Einzelsitze mit dem integrierten Gurt müssen ganz anders in der Bodengruppe verankert werden als zum Beispiel die Bank im Vito-Bus.

Bei ersten Fahreindrücken konnten beide Motoren überzeugen. Die Beschleunigungswerte für ein Fahrzeug von zwei Tonnen sind überzeugend. 14,5 Sekunden benötigt der Benziner, 20,6 Sekunden der Turbodiesel für den Sprint von Null auf 100 km/h. Die ins Armaturenbrett eingelassene Handschaltung verrichtet dabei ihre Arbeit leichtgängig. Die erreichbaren Geschwindigkeiten - 174 km/h beim Benziner und 156 km/h beim Diesel jeweils mit Schaltgetriebe - erlauben auch auf der Autobahn ein flottes Vorankommen. Nach neuer Messnorm fließen 8,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer in die Brennkammern. Beim Benziner sollen es 11,6 Liter Super sein.

Bei Nässe war hier bei der Beschleunigung aus dem Stand ein deutliches Durchdrehen der Fronträder zu vermerken. Das serienmäßige Elektronische-Traktions-System (ETS) konnte dies nicht verhindern. Im Herbst 1997 soll als weiterer Motor noch ein modifizierter 2,8-Liter-Sechszylinder von VW folgen. Es fragt sich, wie diese Kräfte dann gebändigt werden sollen. Seitenwind ist bei einem derartig großen Fahrzeug deutlich spürbar. Doch die serienmäßige Servolenkung lässt schnell die großen Abmessungen von 4,66 Meter in der Länge und 1,84 Meter in der Breite vergessen. Trotz des großen Raumangebotes haben Langbeinige im Cockpit Schwierigkeiten, eine bequeme Sitzposition zu finden. Die Kopffreiheit hingegen ist hervorragend, die Bedienanordnung der Schalter übersichtlich und sie sind gut erreichbar.

1997 sollen von dem im nordspanischen Daimler-Benz-Werk Vitoria gebauten Fahrzeug 16.000 Einheiten verkauft werden, ein Drittel davon in Deutschland. Bis zum Jahr 2000 erhoffen sich die Stuttgarter einen Anteil von 5,0 Prozent im Segment der Großraumfahrzeuge, das dann in Europa auf 450.000 Fahrzeuge angewachsen sein dürfte.

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