Schweiz

WTO kann sich nicht auf Interims-Nachfolger für Chef Azevedo einigen

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WTO-Sitz in Genf Bild: AFP

Die Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) haben sich nicht auf einen Interimsnachfolger für den Chef der Organisation, Roberto Azevedo, einigen können. Laut Diplomatenkreisen verhinderten die USA einen deutschen Kandidaten.

Die Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) haben sich nicht auf einen Interimsnachfolger für den Chef der Organisation, Roberto Azevedo, einigen können. "Es gibt keinen Konsens", sagte am Freitag WTO-Sprecher Keith Rockwell in Genf. Nachfolger sollte zunächst einer von Azevedos vier Stellvertretern werden, darunter laut Angaben aus Diplomatenkreisen auch der Deutsche Karl Brauner. Er sei jedoch von den USA verhindert worden.

Azevedo hört Ende August vorzeitig auf. Im September beginnt der Nominierungsprozess für seinen Nachfolger. Eine Entscheidung kann sich bis in den September ziehen, weshalb die WTO einen Interimschef bis zum Abschluss des Auswahlprozesses benötigt.

Für den Posten galt laut Diplomatenkreisen der bisherige WTO-Vizechef Brauner als Favorit. Die Mehrheit der Mitgliedsländer habe sich für den Deutschen ausgesprochen. Die USA hätten jedoch auf ihrem bisherigen WTO-Vize Alan Wolff als Interimschef beharrt und damit eine angestrebte Konsenslösung verhindert. Die USA hätten die Frage "politisiert", hieß es.

WTO-Sprecher Rockwell führte nicht weiter aus, warum es zu keiner Einigung auf einen Interimschef kam. Er räumte allerdings ein, dass die "Frage der Nationalität" dabei ebenso eine Rolle gespielt habe wie die "Erfahrung". Dass die Organisation nun zunächst ohne Interimsleiter bleibt, stelle aber kein größeres Problem dar.

Um den Posten von Azevedo haben sich insgesamt acht Kandidaten beworben, darunter der frühere britische Handelsminister Liam Fox, die frühere nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala und der ägyptisch-schweizerische ehemalige WTO-Mitarbeiter Abdel-Hamid Mamdouh.

Der oder die künftige Vorsitzende der 1995 ins Leben gerufenen Organisation mit Sitz in Genf steht vor gewaltigen Herausforderungen. Er muss die Ministerkonferenz im kommenden Jahr vorbereiten und ins Stocken geratene Verhandlungen vorantreiben. Vor allem aber muss er neue Gesprächsfäden mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump knüpfen.

Washington hatte damit gedroht, die WTO zu verlassen. Zudem blockieren die USA seit Dezember die Berufungsinstanz des Streitbeilegungsmechanismus der WTO. Trump sieht sich von der Welthandelsorganisation ungerecht behandelt, will die Organisation umgestalten und China von der Liste der Entwicklungsländer streichen lassen. Auch drohte er mit einem Austritt aus der WTO.

Die WTO mit Sitz in Genf gehört neben dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den wichtigsten internationalen Organisationen in der Wirtschaftspolitik. Sie soll vor allem ein Forum für Verhandlungen zum Abbau von Zöllen sowie anderen Handelshemmnissen bieten und überwachen, ob internationale Handelsabkommen eingehalten werden.

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