Fahrbericht

Toyota Yaris: Der kleine Große

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mid Brüssel - Bei vorsichtigem Gasfuß kann sich der Verbrauch auch bei unter vier Litern Benzin auf 100 Kilometer einpendeln. Solveig Grewe / mid

Die vierte Generation des Toyota Yaris kommt jetzt als sparsamer 1,5-Liter-Hybrid mit neuen, effizienteren Lithium-Ionen-Akkus und mit deutlich verbessertem Insassenschutz auf den Markt. Die Japaner haben ihr in Deutschland und in Europa bestverkauftes Modell nicht nur auf eine neue Plattform gesetzt. Eine Vorgabe war auch, ihn zu einem der sichersten Stadtautos der Welt machen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat bei Testfahrten ihn in und um Brüssel unter die Lupe genommen.


Die vierte Generation des Toyota Yaris kommt jetzt als sparsamer 1,5-Liter-Hybrid mit neuen, effizienteren Lithium-Ionen-Akkus und mit deutlich verbessertem Insassenschutz auf den Markt. Die Japaner haben ihr in Deutschland und in Europa bestverkauftes Modell nicht nur auf eine neue Plattform gesetzt. Eine Vorgabe war auch, ihn zu einem der sichersten Stadtautos der Welt machen. Deshalb sind unter anderem Notbremsassistent, Abstandstempomat oder Spurhalteassistent schon in der Basisversion zum Preis von 15.392 Euro immer dabei. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat den Kleinwagen mit dem Premiumpreis und der Kraft zweier Herzen auf Testfahrten in und um Brüssel unter die Lupe genommen.

Größe ist eigentlich nur eine Frage der Perspektive. Das nutzte schon Napoleon für seine Zwecke. Das militärische Genie ersten Ranges blickt - als kleinwüchsig in die Weltgeschichte eingegangen - in Waterloo von seinem erhöhten Platz auf einem Steinsockel irgendwie herablassend auf den neuen Toyota Yaris. Der funkelt aus seinen schmalen Scheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht selbstbewusst zurück. Der kleine Japaner ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich stylischer gezeichnet. Die Front dominiert ein übergroßer Kühlergrill, die Seitenansicht prägen sehr kurze überhänge, die Wendigkeit versprechen, das Heck betont ein schwarzer Balken um die Rückleuchten.

Der neue Yaris baut wie der Prius und der Crossover C-HR auf der TNGA- Plattform (Toyota New Global Architecture) auf und zeigt sich mit neuen Außenmaßen. Glatte fünf Zentimeter wuchs der Kleinwagen im Vergleich zum Vorgänger in der Breite, dank fünf Zentimeter mehr Radstand gibt es mehr Platz im Innenraum. Bei der Länge gab der Yaris fünf Millimeter ab. Anders als zahlreiche andere Kleinwagen, die das Gardemaß von vier Metern längst überschreiten, bleibt der 3,94 Meter lange Fünfsitzer damit seiner Klasse treu. Klassentypisch ist auch das Platzangebot hinten. Napoleon mit einer Größe von 1,68 Metern hätte - allerdings ohne seinen Zweispitz - dort für einen Kaiser durchaus angemessen sitzen können. Bei in der Neuzeit verbreiteten 1,85 Metern Körperlänge wird es aber hinten um Kopf und Beine eng.

Den Innenraum des Yaris haben die Japaner deutlich aufgewertet. Soft-Touch-Flächen sorgen im Cockpit für haptische Pluspunkte, die tief positionierten Sitze sind bequem und das steil stehende, mit seinen zahlreichen Knöpfen leicht überfrachtete Lenkrad liegt wenigstens gut in den Händen. Ein optionales, farbiges 10-Zoll-Display, das die Informationen in die Windschutzscheibe projiziert, sorgt dafür, dass die Augen auf der Straße bleiben, während die Pfeile des Navigationssystems den Weg durch das Straßengewirr der belgischen Hauptstadt weisen.

Bei der Sicherheitsausstattung gibt sich der kleine Yaris wie ein Großer. Ein in diesem Segment erstmalig verbauter Zentralairbag schützt Fahrer und Beifahrer bei einem Seitenaufprall vor einer Kollision miteinander. Bis auf einen Toter-Winkel-Warner und eine Bremsunterstützung bei querendem Verkehr ist so ziemlich alles an Unterstützung an Bord, was man sich vorstellen kann. Von einer überzeugenden Verkehrszeichenerkennung über einen nicht zu ruppigen Spurhalteassistenten mit aktiver Lenkunterstützung bis hin zu einem Notbremsassistenten und einen Front-Kollisionswarner bietet der Yaris ein für einen Kleinwagen üppiges Sicherheitssortiment.

Unter der Haube arbeiten zwei konventionelle Dreizylinder-Benziner mit 72 und 125 PS, der außerdem angebotene Hybridantrieb nutzt statt des bisher eingesetzten 1,5-Liter-Vierzylinders mit 73 PS einen ebenso großen Dreizylinder mit 92 PS und einen Elektromotor mit 80 PS. Als Akku setzt Toyota jetzt endlich auf kompaktere und leichtere Lithium-Ionen-Technik. Die Systemleistung stieg von 100 auf 116 PS, der Verbrauch soll mit den angegebenen 3,7 Litern auf 100 km/h um mehr als 20 Prozent niedriger sein als beim Vorgänger.

Während der Fahrt hilft der Elektromotor mit seinem Drehmoment von 141 Newtonmetern eifrig mit, den eine Tonne schweren Kleinwagen zu beschleunigen. Mehr als zwei Kilometer kann der Yaris zwar nicht rein elektrisch fahren, doch dafür ist ein serieller Hybrid ja auch nicht vorgesehen. Ansonsten boostet der Yaris Hybrid fast verzögerungsfrei und merklich flotter als bisher. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h braucht er 10,5 Sekunden, in der Spitze kann er bis zu 175 km/h schnell werden. Wer ein entspanntes Verhältnis zu seinem Gasfuß hat, kann beim Verbrauch sicher problemlos auf eine Drei vor dem Komma kommen. Der streckenweise recht flott gefahrene Streckenmix aus Stadt , Land und Autobahn bei einer Außentemperatur von 37 Grad Celsius und dem Einsatz der Klimaanlage forderte auf der Testfahrt allerdings seinen Tribut, so dass der Bordcomputer letztendlich 4,0 Liter auf 100 Kilometer auswies. Was immer noch ein guter Wert bleibt, mit dem man getrost Schlachten gewinnen kann.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Toyota Yaris 1,5 l Hybrid:

Länge / Breite / Höhe: 3.95 / 1,75 / 2,56 Meter

Hubraum: 1.490 ccm

Leistung Benzinmotor: 68 kW/92 PS

max. Drehmoment Benzinmotor: 120 Nm

Leistung Elektromotor: 59 kW/80 PS

max. Drehmoment Elektromotor: 141 Nm

Systemleitung: 85 kW/116 PS

stufenlose Automatik

0 bis 100 km/h: 10,5 s

Spitze: 175 km/h

Normverbrauch (WLTP): 3,7 l/100 km

CO2-Emissionen (WLTP): 86g/km

Preis: ab 19.586 Euro

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