Finanzen

Das Geschäft mit Konten – viele Banken ziehen die Zügel an

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@ guvo59 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Ob privates Girokonto oder Geschäftskonten: Banken lassen sich ihren Service immer besser bezahlen. Erhöhte Gebühren belasten sowohl Konsumenten als auch Geschäftskunden. Ein Blick auf Strafzinsen, zunehmend strenge Regulierungen und Niedrigzinsen verdeutlicht, dass die Kreditinstitute einige finanzielle Herausforderungen meistern und dementsprechend handeln müssen. Letztlich leiden insbesondere Bankkunden unter den Entwicklungen im Finanzwesen. Ein Einblick.

Während kostenlose Konten noch vor einigen Jahren eine Selbstverständlichkeit waren, avancieren sie inzwischen zur Seltenheit. Allein das bargeldlose Zahlen kann für Bankkunden teuer werden. Das ist vielen Betroffenen spätestens seit der Corona-Pandemie bewusst. Dass Banken Gebühren für die bargeldlose Zahlung verlangen, ist bis dahin oft nicht aufgefallen, weil die Barzahlung gängig war. Nachdem das Zahlungsverhalten an die Hygienemaßnahmen angepasst und auf Bargeld weitestgehend verzichtet wurde, stellten viele Bankkunden deutlich erhöhte Servicegebühren auf der monatlichen Abrechnung fest. Teilweise fielen über 50 Cent pro Lastschriftbuchung an.

Ein teurer Spaß – das Bezahlen mit Girocard

Das Gebühren für bargeldlose Zahlungen inzwischen üblich sind, bestätigt Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Finanztest. „Bei einer Auswertung von 294 Kontomodellen von 125 Kreditinstituten in Deutschland wurden 55 Modelle gefunden, bei denen für jedes Bezahlen mit der Girocard (EC-Karte) Gebühren fällig werden“, fasst die regionale Tageszeitung Kölnische Rundschau die Erkenntnisse der Verbraucherorganisation online zusammen. Im Test wurden Direktbanken, sämtliche bundesweite Finanzhäuser, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und mehr geprüft.

Gänzlich vom Markt verschwunden, sind kostenlose Konten allerdings nicht. Mit etwas Geduld lassen sich Angebote ohne Kontoführungsgebühren und mit kostenlosen Karten, Bargeldabhebungen und Kartenzahlungen finden. Wechselfreudige Kundschaft kann sogar von attraktiven Prämien profitieren, die Finanzinstitute für Neukunden präsentieren. Ein Banken-Vergleich hat die besten Girokonten ermittelt, die eine Prämie zur Kontoeröffnung vergeben und informiert Verbraucher über mögliche Anforderungen, die wiederum für den Erhalt von Startguthaben erfüllt werden müssen. „Bei einigen Instituten ist lediglich die Kontoeröffnung Voraussetzung, bei anderen muss ein regelmäßiger Mindestgeldeingang über einen bestimmten Zeitraum vorliegen“, so die Redaktion. Einige Kreditinstitute bieten Neukunden keine Geldprämie, sondern Gutscheine oder Sachprämien wie Mobilgeräte. Trotz Lockangeboten sind Interessenten gut beraten, kritisch das Kleingedruckte zu lesen. Das Angebot muss dem individuellen Bedarf dauerhaft gerecht werden.

Kostenlose Konten sind die Minderheit

Generell lässt sich beobachten, dass immer mehr Banken Gebühren für Serviceleistungen erhöhen und gleichzeitig ihre Ausgaben senken, was sich häufig in einem abgespeckten Filialnetz wiederspiegelt. Seit Jahren sinkt die Anzahl der stationären Ansprechpartner. Grund sind die Belastungen der Branche in Milliardenhöhe. Strafzinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) für geparktes Geld, strenge Regulierungen und Niedrig- oder gar Negativzinsen machen dem Finanzwesen zu schaffen. Das bekommen auch Geschäftskunden zu spüren. Teilweise sogar diejenigen, die bereits vieles eigenständig erledigen und ihre Bankgeschäfte online abwickeln. Jeder Buchungsposten zieht Kosten nach sich und die Preisspirale für die Kontoführung kennt nur eine Richtung – nach oben. Selbst Kleinstunternehmer müssen oft mit über 300 Euro Jahresgebühr rechnen.

Volksbank individualisiert ihre Gebühren

Dahingehend sind Endverbraucher im Vorteil. Privatkunden, die sich für online geführte Gehaltskonten entscheiden, können Geld sparen. Die wenigen Angebote, die noch kostenlos zu haben sind, verursachen weder Grundgebühren noch Ausgaben für Kontoauszüge, Buchungen, Geldabheben oder Girocards. Die Mehrheit der Kreditinstitute dreht aber kräftig an der Preisschraube. Hinzu kommt das sogenannte „Hausbankprinzip“. Wie die Frankfurter Allgemeine (FAZ) berichtet, ist damit die Individualisierung der Gebühren für Konten gemeint. Genannt wird in diesem Zusammenhang die örtliche Volksbank in Stuttgart, die ihre Girokonten umstellt. Künftig müssen viele Kunden Kontoführungsgebühren zahlen, die bislang verschont wurden. Doch, statt pauschale Gebühren zu erheben, macht die Bank die Kosten davon abhängig, was ansonsten an der Kundschaft verdient wird. Beispielsweise mit Baufinanzierungen oder Depots. Unter Verbraucherschützern löst diese Vorgehensweise Unmut aus. Sie ist jedoch in vielen Regionen längst gängige Praxis.

Ob kostenlose, digitale Girokonten Bestand haben, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass bereits einige Kreditinstitute umdenken, weil ständige Gebührenerhöhungen offensichtlich keine dauerhafte Lösung sind. Zumindest nicht, wenn die Kundenzufriedenheit erhalten bleiben soll. Als Beispiel dient das digitale Angebot BraWo-MeinKonto der Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg, kurz BraWo, das am 10. September 2020 eingeführt wird. Das kostenlose Standard-Kontomodell umfasst alle gängigen Bankdienstleistungen und kommt ohne Bedingungen wie ein Mindestgeldeingang aus.

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