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Bis zu 2000 jüdische Pilger sitzen an Grenze zwischen Belarus und der Ukraine fest

  • AFP
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  • 16. September 2020, 15:28 Uhr
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Ukrainische Grenzschützer vor einer Gruppe jüdischer Pilger Bild: AFP

An der ukrainisch-belarussischen Grenze sitzen mittlerweile bis zu 2000 jüdische Pilger fest, nachdem Kiew ihnen die Einreise wegen der Corona-Pandemie verweigert hat. Nach Angaben beider Länder vom Mittwoch trafen trotz einer zuvor ausgesprochenen Reisewarnung weiterhin Menschen an der Grenze ein.

An der ukrainisch-belarussischen Grenze sitzen mittlerweile bis zu 2000 jüdische Pilger fest, nachdem Kiew ihnen die Einreise wegen der Corona-Pandemie verweigert hat. Nach Angaben beider Länder vom Mittwoch trafen trotz einer zuvor ausgesprochenen Reisewarnung weiterhin Menschen an der Grenze ein. Die Pilger, unter ihnen auch Kinder, wollen für das jüdische Neujahr in die zentralukrainische Stadt Uman reisen, um dort das Grab von Rabbi Nachman zu besuchen, dem Gründer einer chassidischen Bewegung. 

Seit Montag hätten tausende Menschen versucht, die Grenze zu überqueren, erklärte der belarussische Grenzschutz. Die Behörde stellte den Menschen demnach Lebensmittel und Zelte zur Verfügung. Minsk hatte die Pilger seine Grenze passieren lassen, Kiew will jedoch wegen eines starken Anstiegs der Corona-Fallzahlen bis Ende September keine Ausländer ins Land lassen. 

Ein Video, das am Mittwoch von den ukrainischen Grenzschützern veröffentlicht wurde, zeigte Dutzende Menschen in traditioneller Tracht an der Grenze, die mit Büchern in der Hand mitten auf einer Straße beteten. Koffer und Taschen lagen auf dem Boden verstreut. 

Hunderte Sicherheitskräfte verbrachten die Nacht auf ukrainischer Seite in Zelten, um die Situation unter Kontrolle zu halten, wie ein AFP-Reporter berichtete. "Seit gestern gab es keine Provokation, keine angespannte Situation", sagte ein Sprecher der ukrainischen Grenzschützer. Die Menschen würden regelmäßig mit Trinkwasser und Lebensmitteln versorgt, die Lage sei "unter Kontrolle".

Der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko bat Kiew, über die Öffnung eines humanitären "Korridors" für Pilger nach Uman zu verhandeln. Die ukrainische Präsidentschaft warf Belarus derweil vor, die Lage an der Grenze zu verschärfen und den Pilgern falsche Hoffnung auf einen Grenzübertritt zu machen.

Die ultra-orthodoxen Pilger hatten sich auf den Weg gemacht, obwohl sowohl die ukrainische als auch die israelische Regierung die chassidischen Juden aufgefordert hatten, nicht nach Uman zu reisen. In diesem Jahr fällt das jüdische Neujahr auf den 18. bis 20. September. 

"Ich respektiere Ihre Traditionen, aber in diesem Jahr können Sie nicht nach Uman fahren. Ich bin bereit, es tausend Mal zu wiederholen, wenn es sein muss", sagte der Leiter des ukrainischen Grenzschutzes, Sergej Deineko, in der Nacht zu Mittwoch zu den Pilgern, die aus Israel und anderen Ländern kommen. 

"Im Moment erlaubt es uns die Situation nicht, eine zusätzliche Anzahl chassidischer Juden in die Ukraine einreisen zu lassen", sagte der stellvertretende ukrainische Außenminister Jewgeni Jenin dem Fernsehsender Ukraina 24. Trotz der Beschränkungen befinden sich nach Polizeiangaben bereits tausende jüdische Pilger in Uman. Erst vergangene Woche wurden zwei Menschen ausgewiesen, weil sie Corona-Abstandsbarrieren in der Nähe des Grabes von Rabbi Nachman zerstört hatten.

Sowohl die Ukraine als auch Israel wollen einen weiteren Anstieg der Coronavirus-Infektionen vermeiden. Kiew schloss deshalb Ende August die Grenzen für Ausländer, während Israel zuletzt neue Ausgangsbeschränkung eingeführt hatte. In der Ukraine gibt es bislang mehr als 162.000 Corona-Fälle, mehr als 3340 Menschen starben.

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