ÜBERSICHT

EU-Staaten billigen deutschen Plan zu Finanzsanktionen bei Rechtsstaatsverstößen

  • AFP
  • In POLITIK
  • 30. September 2020, 12:02 Uhr
img
Deutscher Vorschlag von EU-Staaten gebilligt Bild: AFP

Die EU-Staaten haben den deutschen Vorschlag für Finanzsanktionen bei Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit gebilligt. Damit könnten nun die Verhandlungen mit dem Europaparlament über das umstrittene Vorhaben beginnen.

Die EU-Staaten haben den deutschen Vorschlag für Finanzsanktionen bei Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit gebilligt. Bei einem Treffen von Vertretern der 27 Mitgliedsländer am Mittwoch in Brüssel stimmte eine Mehrheit für den Plan, EU-Gelder zu kürzen oder zu streichen, wenn Rechtsstaatsverstöße europäische Finanzen betreffen, wie ein Sprecher der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Damit könnten nun die Verhandlungen mit dem Europaparlament über das umstrittene Vorhaben beginnen.

Nach AFP-Informationen lehnten sieben Länder den Vorschlag ab, darunter Ungarn und Polen, die schon seit Jahren in der EU wegen Rechtsstaatsverstößen am Pranger stehen. Allerdings stimmten auch Belgien, Dänemark, Finnland, die Niederlande und Schweden dagegen. Ihnen geht der deutsche Vorschlag nicht weit genug.

Tatsächlich fällt dieser hinter ursprünglichen Plänen der EU-Kommission zurück. Nach dem deutschen Plan würde es die Kürzung oder Streichung von EU-Geldern nur geben, wenn "die gute finanzielle Verwaltung des EU-Haushalts oder der Schutz der finanziellen Interessen der Union beeinträchtigt werden". Und dies muss auch "in ausreichend direkter Weise" nachgewiesen werden, was Spielraum für Interpretationen lässt.

Dies könnte bedeuten, dass etwa Fälle von Korruption bei der Verwendung von Haushaltsmitteln durch die Streichung von EU-Mitteln bestraft werden. Einschränkungen der Unabhängigkeit der Justiz oder der Medienfreiheit könnten aber unabhängig von solchen Einzelfällen kaum zur Kürzung von EU-Geldern führen.

Darüber hinaus hatten die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem EU-Sondergipfel im Juli die Hürde für Sanktionsentscheidungen höher gelegt. Ihnen muss nun eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten zustimmen - dies wären 15 Mitgliedstaaten, die für 65 Prozent der EU-Bevölkerung stehen.

Die EU-Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, dass ihre Sanktionsempfehlungen nur durch solch eine Mehrheit verhindert werden kann. Auch das Europaparlament fordert eine solche "umgekehrte Mehrheit". Der Punkt dürfte nun eine zentrale Rolle in den Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten spielen.

Die deutsche Ratspräsidentschaft sei sich bewusst, dass es "eine sehr polarisierte Debatte" um den Vorschlag gebe, erklärte der Sprecher auf Twitter. "Es gibt Unzufriedenheit und Kritik an beiden Enden des Spektrums." Dennoch sei es "ermutigend", dass eine breite Mehrheit der EU-Staaten den Vorschlag unterstützt habe.

STARTSEITE