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Deutlich weniger Hering und ein paar Dorsche - EU legt Fangquoten für Ostsee fest

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Julia Klöckner und ihr spanischer Kollege Luis Planas Bild: AFP

Fischer in der Ostsee dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering fangen als bisher. Die Fangquote in den für deutsche Fischereibetriebe wichtigen westlichen Gewässern sinkt laut einer Einigung der EU-Fischereiminister um 50 Prozent.

Fischer in der Ostsee dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering fangen als bisher. Die Fangquote in den für deutsche Fischereibetriebe wichtigen westlichen Gewässern sinkt laut einer Einigung der EU-Fischereiminister in Luxemburg von Montagnacht um 50 Prozent. Beim Dorsch bleibt die Lage demnach ähnlich angespannt wie bisher: In weiten Teilen der Ostsee gilt ein Fangverbot. Bei anderen Fischarten gab es leichte Erhöhungen.

"Mit den Beschlüssen haben wir ein gutes Gleichgewicht gefunden", teilte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit. "Die Fischbestände müssen sich erholen." Gleichzeitig sei es wichtig, auf Grundlage der wissenschaftlichen Daten eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermöglichen.

Bei Scholle und Sprotte, die auch von deutschen Fischern intensiv befischt werden, einigten sich die Fischereiminister auf leichte Steigerungen der Quote um fünf bis sechs Prozent. Auch beim Lachs gibt es leichte Zuwächse. Hering in den östlichen Gewässern darf örtlich teils mehr gefangen werden, unterm Strich sinkt aber die Gesamtfangmenge.

Beim Dorsch wird die erlaubte Fangmenge in der westlichen Ostsee um fünf Prozent angehoben. In östlichen Gewässern gilt hingegen weiter ein Verbot der gezielten Befischung. Die erlaubte Beifangmenge wurde um weitere 70 Prozent gekürzt. Für deutsche Ostseefischer ergibt sich dadurch nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums unterm Strich eine leicht niedrigere Gesamtfangmenge als in diesem Jahr.

Die Tageshöchstfangmengen für Freizeitfischer bleiben nach Angaben des Ministeriums unverändert. Sie liege etwa bei Dorschen bei fünf Fischen pro Tag und Angler. In der Schonzeit sinke sie auf zwei Dorsche.

"Die Ostsee ist leider in keinem guten Zustand", erklärte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius. Das habe zwar auch andere Gründe als die Überfischung, "aber wenn wir heute über unsere Verhältnisse fischen, bezahlen wir morgen den Preis". Seine Behörde hatte deshalb bei einigen Arten noch niedrigere maximale Fangmengen vorgeschlagen.

Die Umweltorganisation Our Fish begrüßte das Ergebnis der Verhandlungen der Fischereiminister grundsätzlich. Es sei allerdings "weitgehend auf die starke Position der Europäischen Kommission zurückzuführen".

Kritik gab es etwa an der Quotenerhöhung bei der Sprotte. Die Lage dieser Bestände ist zwar durchaus gut; weil Heringe und Dorsche hier aber häufig im Beifang landen, hatte die EU-Kommission sich gegen eine Anhebung der Quote ausgesprochen. Diesen "progressiven Vorschlag" hätten die Minister ignoriert, beklagte Ottilia Thoreson vom WWF.

Wo Fischerei aufgrund des schlechten Zustands der Bestände dauerhaft nicht mehr möglich sei werde die EU weiterhin die endgültige Stilllegung von Fischereifahrzeugen fördern, erklärte das Landwirtschaftsministerium.

Ministerin Klöckner leitet derzeit stellvertretend für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die Agrarministertreffen. Neben den Fangquoten in der Ostsee lag beim Treffen in Luxemburg vor allem die Zukunft der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Fokus. Die Verhandlungen über eine Reform, die nach Angaben Klöckners einen "Systemwechsel" hin zu einer umweltverträglicheren Landwirtschaft bringen soll, sollten am Dienstag weitergeführt werden. 

Für die EU-Länder geht es dabei um eine Menge Geld. Die Hilfen für die Landwirtschaft sind der größte Posten im Gemeinschaftshaushalt. Die GAP-Reform sollte bereits beschlossene Sache sein, wegen Verzögerungen bei den Verhandlungen zum EU-Haushalt verzögerte sich aber auch der Zeitplan der Agrarminister.

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