Frankreich

Nach Lehrer-Mord bei Paris formelle Ermittlungen gegen sieben Verdächtige

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Sarg des ermordeten Lehrers Bild: AFP

Fünf Tage nach dem islamistischen Mordanschlag auf einen Lehrer hat die französische Justiz formelle Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige wegen mutmaßlicher Beihilfe zu der Tat eingeleitet. Unter ihnen ist der Vater einer Schülerin.

Fünf Tage nach dem islamistischen Mordanschlag auf einen Lehrer bei Paris hat die französische Justiz formelle Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige wegen mutmaßlicher Beihilfe zu der Tat eingeleitet. Dies teilte die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Mittwochabend mit. Unter ihnen ist der Vater einer Schülerin, der mit dem Täter am Tag des Anschlags Botschaften über den Onlinedienst WhatsApp ausgetauscht hatte. 

Dem Vater wird "Komplizenschaft bei einem terroristischen Mord" angelastet. Er hatte im Internet zu einem Vorgehen gegen den Geschichtslehrer Samuel Paty aufgerufen, weil dieser seinen Schülern Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Die gleiche Beschuldigung der "Komplizenschaft bei einem terroristischen Mord" wird gegen einen islamistischen Aktivisten erhoben, der zusammen mit dem Vater in einem Webvideo aufgetreten war. 

Formell ermittelt wird nun auch gegen zwei Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren: Sie sollen dem Täter gegen Geld Informationen über den Lehrer geliefert haben. Die formelle Beschuldigung der beiden Minderjährigen lautet auf "Komplizenschaft bei einem Mord, der in Verbindung zu einem terroristischen Unterfangen steht". 

Bei den übrigen drei Beschuldigten handelt es sich um Freunde oder Bekannte des Täters. Ihnen wird ebenfalls Beihilfe zu dem Mord angelastet. Alle sieben Beschuldigten befanden sich bereits in Polizeigewahrsam. Sie bleiben hinter Gittern. 

Der 47-jährige Lehrer war am Freitag nahe seiner Schule in Conflans-Sainte-Honorine von einem 18-Jährigen enthauptet worden. Der Angreifer tschetschenischer Herkunft wurde kurz danach von der Polizei erschossen. Die Polizei ging seit dem Mord in dutzenden Einsätzen gegen Menschen und Vereinigungen vor, die mutmaßlich dem islamistischen Spektrum angehören oder nahe stehen. 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Paty bei einer nationalen Gedenkfeier als "stillen Helden". Paty sei von "Feiglingen" ermordet worden, "weil er die Republik verkörperte", sagte Macron am Mittwochabend bei der Zeremonie an der Pariser Universität Sorbonne. Unter den Gästen waren zahlreiche Politiker und etwa hundert Schüler aus der Region Paris. 

Zu Beginn der Zeremonie wurde Patys Sarg in den Hof der traditionsreichen Universität gebracht. "Samuel Paty wurde getötet, weil Islamisten uns unsere Zukunft nehmen wollen, und sie wissen, dass sie sie mit stillen Helden wie ihm niemals kriegen werden", sagte Macron. Er verlieh dem Lehrer während der Veranstaltung posthum den Verdienstorden der Ehrenlegion, die höchste Auszeichnung des französischen Staates.

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