Gesundheit

Zweite Bundeswehr-Maschine mit Teilen von Sauerstoffanlage nach Indien gestartet

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Entladung von Bundeswehr-Maschine in Neu Delhi Bild: AFP

Eine dringend benötigte Sauerstoffanlage der Bundeswehr kann bald in Indien in Betrieb gehen. Ein zweiter Bundeswehr-Airbus mit Teilen der Anlage zur Produktion von medizinischem Sauerstoff startete am Donnerstag nach Indien.

Eine dringend benötigte Sauerstoffanlage der Bundeswehr kann bald in Indien in Betrieb gehen. Ein zweiter Bundeswehr-Airbus mit Teilen der Anlage zur Produktion von medizinischem Sauerstoff startete am Donnerstag nach Indien. Ungeachtet der internationalen Hilfe kann das Land die neue Corona-Welle bisher aber nicht brechen: Mit fast 4000 Corona-Todesfällen und mehr als 412.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden wurden neue alarmierende Höchstwerte gemeldet.

Die Transportmaschine vom Typ A400 startete nach Angaben der Luftwaffe am Donnerstagvormittag vom niedersächsischen Wunstorf aus nach Neu Delhi, wo sie nach rund neunstündiger Reisezeit mit Zwischenstopp in Abu Dhabi landen sollte. Eine erste A400-Maschine mit Teilen der Anlage war am Mittwochabend in Indien gelandet. 

Die Lieferungen sind Teil eines deutschen Hilfspakets für das massiv unter der Corona-Pandemie leidende Indien. Die Sauerstoffanlage wird von 13 Kräften des Sanitätsdienstes der Bundeswehr bereits in Indien erwartet. Sie waren bereits am Samstag mit einer Luftwaffenmaschine nach Indien geflogen, die Beatmungsgeräte und Medikamente nach Neu Delhi brachte. Die Sanitätskräfte sollen die komplexe Sauerstoffanlage nun aufbauen und Kräfte vor Ort in den Umgang mit ihr einweisen.

Indien hat sich seit Anfang April zu einem Epizentrum der Corona-Pandemie entwickelt. Nachdem die Fallzahlen am Wochenende leicht zurückgegangen waren, wurden nun wieder neue Höchstwerte verzeichnet: Das Gesundheitsministerium meldete am Donnerstag 3980 Corona-Tote und 412.262 Neuansteckungen binnen 24 Stunden.

Damit stieg die Zahl der seit Pandemie-Beginn registrierten Infektionen auf rund 21,1 Millionen. Die Gesamtzahl der Toten liegt bei über 230.000. Experten gehen zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

Die indischen Krankenhäuser sind schon seit Wochen völlig überlastet. Es fehlt unter anderem an Sauerstoff zur Beatmung schwer kranker Corona-Patienten und an Medikamenten. Immer wieder gibt es Berichte wie aus einem Krankenhaus nahe der südindischen Stadt Chennai, wo laut der Zeitung "Times of India" in der Nacht zum Donnerstag elf Patienten an Sauerstoffmangel starben.

Deutschland und andere Staaten wie Frankreich, Großbritannien und die USA schickten daher Nothilfe in das Land. Ein ranghoher indischer Regierungsvertreter sagte am Donnerstag vor Journalisten, das Land benötige aber noch viel mehr Hilfe. "Wenn wir mehr Sauerstoff bekommen könnten, könnten wir mehr Menschenleben retten", sagte er.

Aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen hat die Regierung von Premierminister Narendra Modi trotz der dramatischen Infektionslage noch keinen neuen landesweiten Lockdown verhängt. Es gibt allerdings regionale Maßnahmen, etwa in der Hauptstadt Neu Delhi und den Bundesstaaten Bihar und Maharashtra.

Neu Delhi und Maharashtra waren bisher am schlimmsten von der zweiten Corona-Welle betroffen. Inzwischen steigen die Infektionszahlen aber auch in Bundesstaaten wie Westbengalen, Kerala and Karnataka stark an. Keralas Regierungschef Pinarayi Vijayan verhängte am Donnerstag einen einwöchigen Lockdown für die 35 Millionen Einwohner.

In Westbengalen traten bereits am Mittwochabend strengere Beschränkungen in Kraft. Unter anderem wurden Nahverkehrszüge stillgelegt. Hochzeiten mit bis zu 50 Teilnehmern sind aber weiter erlaubt.

Der oberste wissenschaftliche Berater der Regierung, K. Vijay Raghavan, forderte das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land inzwischen auf, sich auf eine dritte Infektionswelle einzustellen. Eine dritte Welle sei angesichts der Virus-Ausbreitung "unausweichlich".

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