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Israel antwortet mit Vergeltungsangriffen auf Raketenbeschuss aus Gazastreifen

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Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen Bild: AFP

Nach tagelanger Gewalt in Jerusalem sind die Auseinandersetzungen am Montagabend eskaliert: Die radikalislamische Hamas feuerte Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel ab, die israelische Luftwaffe antwortete mit Vergeltungsangriffen.

Nach der tagelangen Gewalt in Jerusalem ist der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern am Montag weiter eskaliert: Nach massivem Beschuss aus dem Gazastreifen flog die israelische Luftwaffe Vergeltungsangriffen, bei denen nach Angaben aus Gaza 20 Menschen getötet wurden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, die Hamas habe mit den Angriffen eine "rote Linie" überschritten. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein US-Kollege Antony Blinken riefen alle Beteiligten zur Deeskalation auf. 

In Ost-Jerusalem war es am Montag erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern gekommen, bei denen mehr als 300 Menschen verletzt wurden. Kurz nach Ablauf eines Ultimatums der radikalislamischen Hamas wurden dann am Abend zahlreiche Raketen aus dem Gazastreifen Richtung Israel abgefeuert. 

Die israelische Luftwaffe beschoss umgehend Ziele der Hamas im Gazastreifen. Laut den Behörden im Gazastreifen wurden mindestens 20 Menschen getötet, unter ihnen neun Kinder. Nach Angaben der Hamas ist auch einer ihrer Kommandeure unter den Toten. 

"Wir werden mit Gewalt antworten. Wir werden Angriffe auf unser Territorium, unsere Hauptstadt, unsere Bürger und unsere Soldaten nicht dulden", sagte Netanjahu am Abend. "Diejenigen, die uns angreifen, werden einen hohen Preis zahlen."

Auch Bundesaußenminister Maas verurteilte die Angriffe auf Israel. "Raketenbeschuss auf die israelische Zivilbevölkerung ist durch nichts zu rechtfertigen - und erst recht kein Beitrag zur Lösung des Konflikts, sondern sinnlose neue Eskalation", erklärte er auf Twitter. "Alle Seiten stehen in der Pflicht, weitere Opfer unter Zivilisten zu verhindern." Außenminister Antony Blinken verurteilte die Attacken auf Israel ebenfalls und forderte "alle Seiten" zur Deeskalation auf.

Das von Israel besetzte Ost-Jerusalem ist seit Freitag Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen. Auslöser der jüngsten Proteste ist die drohende Zwangsräumung von rund 30 Palästinensern aus ihren von Israelis beanspruchten Wohnungen im Viertel Scheich Dscharrah.

Die Polizei kontrollierte wegen der Proteste am Montag auch den Zugang zum Platz vor der Al-Aksa-Moschee in der Jerusalemer Altstadt. Die den Gazastreifen kontrollierende Hamas drohte daraufhin mit einer Eskalation der Gewalt, falls Israel seine Sicherheitskräfte nicht binnen einer Stunde vom Gelände der Moschee abziehe. 

Nach Angaben der Hamas feuerten verschiedene militante Palästinensergruppen insgesamt mehr als hundert Raketen auf Israel ab. Die israelische Armee erklärte, mehrere Raketen seien abgefangen worden, andere auf unbewohnte Flächen gestürzt. Sieben Geschosse seien in Richtung Jerusalem abgefeuert worden. Berichte über Verletzte gab es keine. 

In Jerusalem ertönten die Sirenen - dies kommt eher selten vor. Die Polizei räumte die Klagemauer vorübergehend und brachte hunderte jüdische Gläubige in Sicherheit, während die Bewohner Jerusalems in Luftschutzbunkern Zuflucht suchten.

Nach den Ausschreitungen am Montagmorgen nahe der Al-Aksa-Moschee beruhigte sich die Lage am Nachmittag vorübergehend, die Stimmung blieb jedoch angespannt. Während des Abendgebets tausender Muslime brach auf dem Gelände vor der Moschee dann ein großer Brand aus. Mehrere Bäume hatten aus bislang ungeklärten Gründen Feuer gefangen.

Angesichts des für Montagabend geplanten Marsches zum israelischen Feiertag "Jerusalem-Tag" war mit weiterer Gewalt gerechnet worden. Die veranstaltende Organisation Am Kalavi sagte den geplanten Flaggenmarsch jedoch kurz vorher ab. Am "Jerusalem-Tag" wird in Israel der israelischen Besetzung von Ost-Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg 1967 gedacht.

Israel hatte den Ostteil der Stadt 1980 annektiert. Die Annexion wird international nicht anerkannt. Israel hat ganz Jerusalem zu seiner "unteilbaren" Hauptstadt erklärt, während die Palästinenser Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres eigenen künftigen Staates machen wollen.

Am Wochenende waren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei bereits hunderte Menschen verletzt worden. Der UN-Sicherheitsrat beriet am Montag über die Lage in Jerusalem, konnte sich zunächst aber nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen. 

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