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Taliban erobern Bezirk in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul

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Afghanische Soldaten Anfang Mai in der Provinz Helmand Bild: AFP

Die radikalislamischen Taliban nähern sich der afghanischen Hauptstadt Kabul: Die Aufständischen haben einen bislang von der afghanischen Regierung kontrollierten Bezirk rund 40 Kilometer südwestlich von Kabul erobert.

Die radikalislamischen Taliban nähern sich der afghanischen Hauptstadt Kabul: Die Islamisten eroberten einen bislang von der Regierung kontrollierten Bezirk rund 40 Kilometer südwestlich von Kabul. Nach Angaben des Innenministeriums vom Mittwoch zogen sich die afghanischen Regierungstruppen daraufhin aus dem Bezirk Nerch zurück. Die Übernahme erfolgte kurz vor einer von den Taliban angekündigten Waffenruhe anlässlich des Eid-al-Fitr-Festes zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan. 

Nach Angaben des Taliban-Sprechers Sabihullah Mudschahid steht das Gebiet bereits seit Dienstag unter der Kontrolle der Islamisten. Demnach haben Taliban-Kämpfer das Polizeipräsidium und einen Armeestützpunkt eingenommen. Afghanistans Verteidigungsministerium erklärte, es werde eine Offensive starten, um den Bezirk mit rund 60.000 Einwohnern zurückzuerobern. Truppen zur Verstärkung seien auf dem Weg dorthin. 

Das Gebiet in der Provinz Wardak gilt als Einfallstor für militante Gruppen, um Angriffe auf Kabul zu starten. Große Teile von Wardak und der benachbarten Provinz Logar werden seit Jahren von den Taliban kontrolliert oder sind umkämpft. Beobachter glauben, dass die Taliban nach dem Abzug der internationalen Truppen mehrere Angriffe auf afghanische Städte planen.

Am Montag hatten die Taliban eine dreitägige Waffenruhe anlässlich des Eid-al-Fitr-Festes angekündigt. Auch die afghanische Regierung hatte der Feuerpause zugestimmt. Präsident Aschraf Ghani wies das Militär an, die Waffenruhe ebenfalls einzuhalten.

Seit dem 1. Mai - dem Beginn des Abzugs der Nato-Truppen - hat die Gewalt in Afghanistan stark zugenommen. Dabei richten sich die Angriffe nicht gegen die US-Streitkräfte, sondern gegen das afghanische Militär und die Zivilbevölkerung. Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus, für den die Taliban verantwortlich gemacht werden, waren in der Nacht zum Montag mindestens elf Menschen getötet worden.

Die US-Regierung hatte im Februar 2020 ein Abkommen mit den Taliban geschlossen, um den längsten Kriegseinsatz der US-Geschichte zu beenden. Die USA sagten darin einen Truppenabzug bis zum 1. Mai zu. Der Termin wurde angesichts fehlender Fortschritte in den Friedensgesprächen zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul nicht eingehalten.

Vor einem Monat kündigte US-Präsident Joe Biden dann einen Truppenabzug bis zum 11. September an. Im Anschluss beschloss die gesamte Nato das Ende ihrer Afghanistan-Mission bis spätestens September.

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