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Gewerkschaft Verdi warnt vor Luftfahrtkonferenz vor Personalabbau in der Branche

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In der Pandemie kam der Luftverkehr vielerorts zum Erliegen Bild: AFP

Vor der nationalen Luftfahrtkonferenz am Freitag zur schwierigen Lage der Branche hat die Gewerkschaft Verdi davor gewarnt, dass ein zunehmender Personalabbau den Neustart gefährden könnte.

Vor der nationalen Luftfahrtkonferenz am Freitag zur schwierigen Lage der Branche hat die Gewerkschaft Verdi davor gewarnt, dass ein zunehmender Personalabbau den Neustart gefährden könnte. "Die Zahlen zum Personalabbau sind erschreckend", erklärte die Verdi-Bundesfachgruppenleiterin für den Luftverkehr, Mira Neumaier, am Donnerstag. Angesichts der schon vor Beginn der Corona-Pandemie "extrem dünnen Personalbesetzung" stehe zu befürchten, "dass ein geregelter Neustart im Luftverkehr - auch nur mit 50 Prozent des Vorkrisenniveaus - nicht mehr leistbar sein wird".

Eine bundesweite Umfrage gemeinsam mit der Europäischen Transportarbeiter Föderation (ETF) zur aktuellen Beschäftigungssituation an den Flughäfen sowie im Technikbereich, beim Airline-Catering und bei Bodenverkehrsdienstleistern habe zu "beunruhigenden Ergebnissen" geführt, erklärte Verdi. Demnach verließen seit Beginn der Pandemie über alle Bereiche betrachtet 16 Prozent der Beschäftigten den Luftverkehr.

Besonders alarmierend seien die Zahlen bei den Bodenverkehrsdienstleistern, die beispielsweise den Check-In, den Passagiertransport, die Gepäck- und Frachtbearbeitung, die Einweisung und das Betanken von Flugzeugen oder auch die Enteisung übernehmen. Hier hätten bereits 44 Prozent der Beschäftigten die Unternehmen verlassen.

Abgefragt wurden laut Verdi die aktuellen Beschäftigungszahlen sowie der Personalabbau seit April 2020 und die Kurzarbeitsquote. Demnach befinden sich aktuell insgesamt immer noch rund 77 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, im Bereich der Bodenverkehrsdienstleister sogar rund 85 Prozent. 

Neumaier appellierte an Politik und Unternehmen, den Beschäftigten im Luftverkehr eine klare Perspektive zu geben. "Alle wollen wieder in den Urlaub fliegen - bei den Beschäftigten jedoch regieren Zukunfts- und Existenzängste weiter", erklärte sie. 

"Es reicht nicht, Konzerne zu retten", mahnte auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). "Das Kurzarbeitergeld war in der akuten Krise eine wichtige Maßnahme", erklärte VC-Präsident Stefan Herth, der am Freitag am Luftfahrtgipfel teilnimmt. "Was wir aber nun brauchen, ist die nachhaltige Sicherung der Arbeitsplätze", forderte er. Hier habe die Politik in den zurückliegenden eineinhalb Jahren "zu wenig Engagement gezeigt".

Als Großaktionär habe der Bund auch die Verantwortung, bei wichtigen unternehmerischen Entscheidungen das Wohl der Beschäftigten nicht aus den Augen zu verlieren. Lohndumping und Sozialabbau auf Staatskosten dürften "an keiner Stelle akzeptiert werden", forderte Herth. 

Für die gesamte Luftfahrtbranche sei es zudem "immanent wichtig, die vielfach hochqualifizierten Beschäftigten an Bord zu halten". Ohne die große Zahl an Fachkräften habe die Luftfahrt keine Chance, "die bevorstehende Wiederbelebung der Branche sicher und zügig zu realisieren".

Bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz am Freitag soll diskutiert werden, wie die Branche möglichst erfolgreich und nachhaltig - vor allem auch mit Blick auf den Klimaschutz - aus der coronabedingten Krise hervorgehen kann. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) nehmen unter anderem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) teil.

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