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Zahl der Toten nach Flutkatastrophe in Westdeutschland steigt auf mehr als 180

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Zerstörte Häuser im Flutgebiet Bild: AFP

Etwa zwei Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Westdeutschland hat sich die Zahl der Toten auf 181 erhöht. Laut Polizei stieg die Zahl der Opfer in Rheinland-Pfalz auf 134 an, im benachbarten Nordrhein-Westfalen gab es 47 Tote.

Etwa zwei Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Westdeutschland hat sich die Zahl der Toten auf 181 erhöht. Nach Angaben der Polizei in Rheinland-Pfalz vom Mittwoch wurden zwei weitere Opfer entdeckt, die Zahl der Toten in dem Bundesland stieg dadurch auf 134. Weiterhin galten dort noch 73 Menschen als vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben von Innenminister Herbert Reul (CDU) inzwischen keine Vermissten mehr. Dort starben bei dem Hochwasser 47 Menschen.

In den teils völlig verwüsteten Flutgebieten waren nach Angaben der Landesregierungen weiterhin tausende Einsatzkräfte mit der Versorgung der Bevölkerung, Räumarbeiten und Notreparaturen an der Infrastruktur beschäftigt. Allein die Bundeswehr hatte nach eigenen Angaben 2000 Soldaten im Einsatz. In Rheinland-Pfalz konnte die Situation inzwischen in ersten Gemeinden so weit stabilisiert werden, dass Noteinsätze langsam beendet werden. 

Dort rücken nun Aufgaben wie die Beseitigung von Ölschäden ins Zentrum. In anderen Teilen des Katastrophengebiets in der Eifel war die Lage nach Angaben der Behörden jedoch weiter schwierig. Aufgrund der massiven Zerstörungen der Strom- und Wassernetze versorgen Hilfsorganisationen die Betroffenen dort mit warmem Essen und Trinkwasser. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bau behelfsmäßiger Brücken und das Räumen von Straßen im Ahrtal.

Nach Angaben Reuls stabilisierte sich die Lage auch in Nordrhein-Westfalen inzwischen. Gleichzeitig waren dem Minister zufolge aber noch etwa 5000 bis 6000 Menschen ohne funktionierende Stromversorgung. Auch die reguläre Trinkwasserversorgung konnte teils noch nicht hergestellt werden, wie der Minister in einer Sondersitzung des Landtagsinnenausschusses in Düsseldorf sagte.

Einen genaueren Überblick über die Schäden der Katastrophe gibt es bislang nicht. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schätzte die Schäden durch die verheerenden Unwetter, die neben dem Westen auch den Süden Deutschlands getroffen hatten, allein im öffentlichen Personen- und Schienengüterverkehr auf mindestens 2,3 Milliarden. Für Nordrhein-Westfalen sprach Reul von bislang überhaupt nicht abschätzbaren Kosten. Es gehe um "Milliarden".

In Rheinland-Pfalz waren nach Angaben der Landesregierung noch etwa 5000 Hilfskräfte im Einsatz. Spezialisten der Bundeswehr betrieben unter anderem mobile Tanklager sowie Tankstellen zur Kraftstoffversorgung und arbeiteten gemeinsam mit Experten des Technischen Hilfswerks (THW) am Bau von Behelfsbrücken, um die zerstörten Querungen über die Ahr zu ersetzen. Bundeswehr und THW waren ferner mit schwerem Gerät bei Räumeinsätzen unterwegs.

Andere Hilfsorganisationen kümmerten sich um die medizinische Versorgung, zeitgleich bemühten sich Versorgungsunternehmen um Reparaturen an Leitungsnetzen. Ein weiterer Schwerpunkt war die psychologische Betreuung von Flutopfern und Hilfskräften. Diese durchlebten eine "extrem schwere Zeit", sagte der Einsatzleiter der Landesregierung, Heinz Wolschendorf, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eine weitere Aufgabe war demnach die Suche und Bergung der zahlreichen Tierkadaver.

Die Landespolizei setzte nach Angaben ihres Sprechers Florian Stadtfeld Leichenspürhunde ein, um im Flutgebiete die Quellen von Verwesungsgeruch zu ermitteln. Bislang seien sie aber nur auf tote Tiere gestoßen, sagte er in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Insgesamt war die Polizei demnach mit mehr als 1000 Beamten Einsatz. Von den 134 Hochwassertoten waren laut Stadtfeld 76 eindeutig identifziert. Ferner wurden 766 Verletzte gezählt.

In Düsseldorf betonte Reul die Notwendigkeit einer umfassenden Aufarbeitung der Ereignisse und Katastrophenschutzstrukturen. Bei 47 Toten könne schlichtweg "nicht alles richtig gelaufen" sein, auch wenn es sich um die "größte Naturkatastrophe in der Geschichte unseres Landes" gehandelt habe, sagte der Minister. Zugleich verteidigte er die generelle föderale und lokale Organisation des Katastrophenschutzes hierzulande.

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