Großbritannien

Zögerliche Herausgabe von Infos zum Zustand der Queen sorgt für Kritik

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Königin Elizabeth II. am 12. Oktober Bild: AFP

Betont beruhigend klingen die Erklärungen des Buckingham-Palasts zu Queen Elizabeth II. - doch nach einem Krankenhausaufenthalt wächst in der britischen Öffentlichkeit die Sorge um den Gesundheitszustand des Staatsoberhaupts.

Betont beruhigend klingen die Erklärungen des Buckingham-Palasts zu Queen Elizabeth II. - doch nach einem Krankenhausaufenthalt wächst in der britischen Öffentlichkeit die Sorge um den Gesundheitszustand des Staatsoberhaupts. Die  95-Jährige hatte die Nacht zum Donnerstag im Hospital verbracht. Befördert wurden die Spekulationen nicht zuletzt durch die Pressepolitik des Palasts, der nur scheibchenweise Informationen veröffentlichte. Dies sorgte am Freitag für einige Kritik. 

Der Buckingham-Palast hatte am Mittwochmorgen lediglich mitgeteilt, dass die Königin einen geplanten Nordirland-Besuch absagen musste und Ärzte ihr Ruhe verordnet hätten. Am Donnerstagabend musste der Palast dann einräumen, dass die Queen am Nachmittag des Vortages zu "vorsorglichen Untersuchungen" ins Londoner King Edward VII's Hospital gebracht worden war und auch die Nacht in der Privatklinik verbracht hatte. 

Zu der Stellungnahme war der Palast gezwungen, nachdem die Boulevardzeitung "The Sun" bereits darüber berichtet hatte. Die britische Nachrichtenagentur PA berichtete, dass der Krankenhausaufenthalt zunächst nicht bekannt gegeben werden sollte, um die Privatsphäre der Queen zu schützen - und er sowieso nur von kurzer Dauer sein sollte.

Die 95-Jährige sei lediglich aus "praktischen Gründen" über Nacht geblieben, weil es zu spät gewesen sei, um die 42 Kilometer lange Rückreise anzutreten, berichtete PA. Welche Art von Untersuchungen vorgenommen wurden, blieb aber unklar. 

Am Freitag erholte sich die Queen laut PA in Schloss Windsor am Stadtrand von London. Premierminister Boris Johnson übermittelte der Königin laut seinem Sprecher Genesungswünsche. 

Der Autor Robert Hardman, der seit Jahren über die Königsfamilie schreibt, berichtete dem Sender BBC von "leichten Irritationen" im Palast, weil die Nachricht über Elizabeths Krankenhausaufenthalt bekanntgeworden war. Die Vertreter des Hofs hätten wahrscheinlich vor ihrem inneren Auge bereits Massen von Kameras und Journalisten vor dem Krankenhaus gesehen und um die "Würde des Amts" gefürchtet - und schon deshalb die ganze Geschichte unter der Decke halten wollen.

Der langjährige Hofberichterstatter der BBC, Nicholas Witchell, sieht die Strategie der Palastvertreter sehr kritisch. Sie hätten die Öffentlichkeit umfassend und "vernünftig" ins Bild setzen müssen, findet Witchell: "Gerüchte und Fehlinformationen wuchern, wenn es keine angemessenen und vertrauenswürdigen Informationen gibt". Witchell fügte hinzu: "Wir müssen hoffen, dass wir uns auf das verlassen können, was der Palast uns jetzt mitteilt."

Großbritanniens dienstälteste Monarchin ist für ihre robuste Gesundheit bekannt. Zum bislang vorletzten Mal im Krankenhaus war sie im Jahr 2013 wegen eines Magen-Darm-Virus. Als sie in der vergangenen Woche bei einem größeren öffentlichen Auftritt einen Stock benutzte, versicherte der Buckingham-Palast umgehend, dass dies mit keinerlei gesundheitlichen Problemen zusammenhänge.

Die Queen hasse es, "wenn die Leute so viel Aufhebens um sie machen, insbesondere, wenn es um ihre Gesundheit geht", sagte Royals-Autor Hardman. Aber die Tatsache, dass alle Medien über ihren Krankenhausaufenthalt berichtet hätten, spiegele "die enorme Zuneigung und Sorge des Landes um sie wider".

Passanten in der Nähe des Buckingham-Palasts zeigten sich am Freitag derweil zuversichtlich. Dass sich ein Mensch im Alter der Queen regelmäßig Gesundheitschecks unterziehe, sei "normal", sagte die Betriebsleiterin Kirsty Duffield. Dass die Königin so schnell aus dem Krankenhaus entlassen worden sei, sei "wirklich positiv". 

Ähnlich äußerte sich die Hausfrau Katie Lavin, die auf die regelmäßigen Ausritte der Queen verwies. Elizabeth II. wirke stark und unabhängig - auch wenn nicht zu leugnen sei, dass sie "etwas gebrechlich" werde. 

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