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Facebook steigert Quartalsgewinn auf über neun Milliarden Dollar

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Facebook-Logo Bild: AFP

Ungeachtet der Kontroversen um den Umgang mit Hassnachrichten und Falschinformationen macht Facebook weiter kräftig Umsatz und Gewinn. Im zurückliegenden Quartal stieg der Gewinn um 17 Prozent im Vorjahresvergleich auf 9,2 Milliarden Dollar.

Ungeachtet der Kontroversen um den Umgang mit Hassnachrichten und Falschinformationen macht Facebook weiter kräftig Umsatz und Gewinn. Im zurückliegenden Quartal von Juli bis September stieg der Umsatz um 35 Prozent im Vorjahresvergleich auf 29 Milliarden Dollar (knapp 25 Milliarden Euro), der Gewinn um 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar. Weltweit nutzen aktuell 2,91 Milliarden Menschen die Dienste von Facebook.

Geschäftsführerin Sheryl Sandberg sagte bei der Vorstellung der Zahlen am Montag, die Bilanz hätte ohne die neuen Richtlinien von Apple noch besser ausgesehen. Die Richtlinien erschweren das Sammeln von Nutzerdaten, die für das Werbegeschäft von Facebook wichtig sind. 

Nur Stunden vor Veröffentlichung der Quartalsergebnisse hatte es neue Vorwürfe gegen Facebook-Chef Mark Zuckerberg gegeben. Dieser soll laut einem Bericht der "Washington Post" einer Forderung der autoritären Regierung Vietnams zur Beschränkung "staatsfeindlicher" Beiträge nachgekommen sein. 

"Diese erschütternden Dokumente belegen, dass die Facebook-Führung chronisch ernsthafte interne Alarmsignale ignoriert und den Profit über die Menschen gestellt hat", erklärte US-Senator Richard Blumenthal.

Am Wochenende war der Konzern wegen weiterer Enthüllungen zu seinem Umgang mit Gewaltaufrufen im wichtigen Markt Indien unter Druck geraten. Trotz Hinweisen eigener Analysten soll es laut unternehmensinternen Dokumenten versäumt worden sein, Falschinformationen und Hassnachrichten in seinen indischen Plattformen einzudämmen. Facebook sei sich bewusst gewesen, dass die schwache Moderation seine Plattformen anfällig für Missbrauch macht.

Facebook wird von der ehemaligen Produktmanagerin Frances Haugen beschuldigt, eigene Gewinne über die Sicherheit von Menschen zu stellen und dabei verheerende Folgen für Menschen, Demokratie und Gesellschaft in Kauf zu nehmen. Ein weiterer Informant legte nach und berichtete laut "Washington Post" von internen Diskussionen, in denen die mutmaßliche Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahl 2016 über Facebooks Dienste heruntergespielt wurde. 

Facebook hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. "Ich glaube, dass wir eine koordinierte Anstrengung sehen, durchgesickerte Dokumente zu verwenden, um ein falsches Bild von unserem Unternehmen zu zeichnen", sagte Zuckerberg in einer Telefonkonferenz am Montag. Er argumentierte wie schon oft: "Die sozialen Netzwerke sind nicht die Hauptverantwortlichen für diese Probleme und können sie auch nicht alleine beseitigen." 

Facebook werde gerade von der bislang größten Welle an negativer Berichterstattung überschwemmt, erklärte Analystin Debra Aho Williamson von eMarketer. "Und das wird anhalten." Der Umsatz sei aber - noch - nicht betroffen. 

Zuckerberg warnte, die Investitionen in das sogenannte "Metaversum" - eine kollektiv nutzbare virtuelle Welt - würden den Betriebsgewinn in diesem Jahr um rund zehn Milliarden Dollar schmälern. Finanzchef David Wehner gab zu, dass sich Facebook in einer Zeit der "Ungewissheit" befinde; das dämpfe die Erwartungen an die Entwicklung. 

Sorgen macht dem Konzern laut einem Bericht der Seite "The Verge" vor allem das Alter seiner Nutzerinnen und Nutzer. Seit 2019 sei die Zahl der Teenager um 13 Prozent gesunken; Facebook rechne mit einem Anteil von nur noch 45 Prozent in den kommenden zwei Jahren, berichtete das Portal unter Berufung auf interne Unternehmensdokumente. 

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