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USA verkünden diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking

  • AFP
  • In POLITIK
  • 6. Dezember 2021, 22:20 Uhr
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Frau vor den Maskottchen der Olympischen Spiele in Peking Bild: AFP

Die USA haben wegen Menschenrechtsverletzungen in China einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking verkündet. Zu den Spielen im Februar werden keine Diplomaten und Regierungsvertreter entsandt, wie das Weiße Haus mitteilte.

Die USA haben wegen Menschenrechtsverletzungen in China einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking verkündet. Zu den Spielen im kommenden Februar werden keine Diplomaten und Regierungsvertreter entsandt, wie das Weiße Haus am Montag mitteilte. US-Athleten dürfen aber teilnehmen.

China begehe einen "Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit" an den muslimischen Uiguren in der Provinz Xinjiang und auch andere Menschenrechtsverletzungen, erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Die Sportlerinnen und Sportler seien von dem Boykott nicht betroffen. "Die Athleten des Teams USA haben unsere volle Unterstützung. Wir werden zu 100 Prozent hinter ihnen stehen und sie von zu Hause aus anfeuern."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erklärte, es respektiere die Ankündigung eines diplomatischen Boykotts der Winterspiele durch die USA. "Die Anwesenheit von Regierungsvertretern und Diplomaten ist eine rein politische Entscheidung für jede Regierung, die das IOC in seiner politischen Neutralität voll respektiert", sagte ein IOC-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP in Lusanne. 

Die US-Ankündigung habe "deutlich" gemacht, "dass die Olympischen Spiele und die Teilnahme der Athleten über der Politik stehen und das begrüßen wir", erklärte das IOC weiter.

Eine Reaktion Chinas lag zunächst nicht vor. Das Außenministerium in Peking hatte am Montag noch vor der Verkündung der US-Entscheidung mit "entschlossenen Gegenmaßnahmen" gedroht, falls ein derartiger Boykott verkündet werde.

Washington hatte monatelang um eine Entscheidung über seine Haltung zu den Olympischen Spielen gerungen. Die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang sorgt seit Jahren für diplomatische Spannungen. Konservative US-Politiker forderten deshalb sogar einen vollständigen Boykott der Winterspiele. Auch das Thema Taiwan und Chinas Umgang mit Hongkong hatten die Beziehungen zwischen Washington und Peking zuletzt stark belastet.

Biden sieht das wirtschaftlich und militärisch aufstrebende China als größte geopolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts an und will der Regierung in Peking entschieden entgegentreten. Zugleich sucht er die Zusammenarbeit bei Themen wie dem Klimaschutz. Der diplomatische Boykott der Olympischen Winterspiele ist daher Teil eines komplexen diplomatischen Balanceakts.

Unter Bidens Amtsvorgänger hatten die Beziehungen zwischen den USA und China mit einem Handelskrieg und einer scharfen Debatte über den Ursprung des Coronavirus, das erstmals in der chinesischen Provinz Wuhan aufgetaucht war, einen Tiefpunkt erreicht.

Biden ließ die von Trump verhängten Strafzölle gegen China in Kraft und ordnet Patrouillen von US-Marineschiffen auf internationalen Schifffahrtswegen an, die China unter seine Kontrolle bringen will. Gleichzeitig betont Biden die Notwendigkeit des Dialogs, weswegen Kritiker ihm vorwerfen, zu zurückhaltend gegenüber Peking zu sein.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und Forschern sind in Xinjiang mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in hunderten Haftlagern eingesperrt. Sie werden dort nach Angaben der Aktivisten zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Exil-Uiguren werfen Peking auch Morde, Verschleppungen, Folter und Zwangssterilisationen vor.

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