Großbritannien

Wachsende Zahl an Infektionen mit Affenpocken alarmiert Experten und Regierungen

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Die wachsende Zahl von Infektionen mit Affenpocken in Europa und Nordamerika alarmiert Regierungen und Experten: Großbritannien registriert nach Behördenangaben "täglich neue" Fälle, US-Präsident Joe Biden warnte am Sonntag vor "schwerwiegenden Folgen", sollte sich die Krankheit weiter ausbreiten. Nach WHO-Angaben wurden bis Samstag über 90 Infektionen in Ländern bestätigt, in denen das West- und Zentralafrika heimische Virus normalerweise nicht auftritt.

Drei Infektionsfälle wurden in Deutschland nachgewiesen - nach dem ersten in Bayern folgten am Samstag zwei weitere in Berlin. Jeweils ein neuer Fall traten am Wochenende in der Schweiz und Israel auf. Neben Griechenland meldete auch Österreich einen Verdachtsfall. 

Allein in Großbritannien wurden bis Freitag 20 Fälle registriert, und am Wochenende dürften laut der leitenden medizinischen Beraterin der Gesundheitsbehörde UKHSA, Susan Hopkins, weitere hinzugekommen sein. "Wir entdecken jeden Tag mehr Fälle", sagte Hopkins dem Rundfunksender BBC. 

Wie in den anderen Ländern verbreitet sich die seltene Viruskrankheit nach ihren Angaben auch in Großbritannien, ohne dass die Betroffenen nach West- oder Zentralafrika gereist waren. Bei den meisten infizierten Erwachsenen seien die Symptome allerdings "relativ mild".

US-Präsident Biden mahnte, die Menschen sollten sich vor einer Ansteckung in Acht nehmen. Zwar hätten ihn die Gesundheitsbehörden noch nicht vollständig über das Ausmaß der Verbreitung in den USA informiert, doch könnte eine Ausbreitung "schwerwiegende Folgen" haben, sagte er bei einem Besuch in Seoul. "Wir arbeiten hart daran, herauszufinden, was wir tun können und welcher Impfstoff, wenn überhaupt, dafür zur Verfügung steht."

Zu den Symptomen von Affenpocken gehören Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und ein Ausschlag, der oft im Gesicht beginnt und dann auf andere Körperteile übergreift. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Wochen wieder. Zentralafrikanische Virusvarianten sind laut Robert Koch-Institut (RKI) allerdings deutlich ansteckender als die westafrikanischen.

Nach aktuellem Forschungsstand ist für eine Übertragung ein enger Körperkontakt erforderlich. Hopkins bestätigte Angaben der WHO, wonach sich bisher vor allem homo- oder bisexuelle Männer anstecken. 

Es gibt keine spezifische Behandlung gegen Affenpocken. Allerdings wirkt die normale Pockenimpfung zu 85 Prozent vorbeugend. Nach Angaben des britischen Bildungsministers Nadhim Zahawi hat seine Regierung bereits damit begonnen, Vorräte an Pocken-Impfstoff aufzukaufen.

Die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) erklärte nach dem Nachweis von zwei Fällen in ihrer Stadt, es bestehe "kein Grund zur Panik, aber Grund zur Vorsicht, da viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheit noch vorläufig sind, weil sie so selten ist". Expertinnen und Experten gingen davon aus, "dass wir keine neue Pandemie fürchten müssen". Es müsse aber jetzt "schnell und konsequent" gehandelt werden.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sprach sich dafür aus, nach dem Vorbild Londons umfangreiche Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. "Ich glaube, es ist schon wichtig, dass wir Impfstoff jetzt auch ordern", sagte Holetschek Bild-TV. Es gehe dabei um die Frage, ob präventiv im Bereich der Kontaktpersonen Impfungen möglich und richtig seien, und wenn ja, mit welchen Impfstoffen.

Die Union forderte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf, kurzfristig Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen für besonders gefährdete Personengruppen zu verstärken. "Sollte sich bestätigen, dass besonders viele Infektionen auf ungeschützte sexuelle Kontakte zurückgehen, muss gerade in exponierten Milieus auf das neue Risiko hingewiesen werden", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Tino Sorge, dem Redaktions-Netzwerk Deutschland.

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