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Tedros als WHO-Chef wiedergewählt

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Tedros bei der Eröffnung der Weltgesundheitsversammlung Bild: AFP

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Der 57-jährige Äthiopier wurde von der Weltgesundheitsversammlung in Genf im Amt bestätigt.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Der 57-jährige Äthiopier wurde am Dienstag in Genf von der Weltgesundheitsversammlung, dem obersten Entscheidungsgremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mit großer Mehrheit im Amt bestätigt und nahm die Wahl unter Tränen an. Tedros steht seit 2017 als erster Afrikaner an der Spitze der WHO. Seine Wiederwahl galt als sicher, da es keinen Gegenkandidaten gab.

Als Tedros' Wiederwahl bekanntgegeben wurde, brachen die Vertreter der Mitgliedstaaten der WHO in tosenden Applaus aus. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hatte er bei der geheimen Wahl 155 der 160 abgegebenen Stimmen erhalten. "Ich bin wirklich, wirklich überwältigt von der Unterstützung", sagte Tedros. "Ich bin wirklich stolz darauf, die WHO zu sein."

Tedros wurde 2017 als erster Afrikaner auf den WHO-Chefposten gewählt. Der Immunologe ist Malaria-Experte und hat in öffentlicher Gesundheitsvorsorge promoviert. Politische Erfahrung sammelte er in seinem Heimatland Äthiopien als Gesundheits- und Außenminister.

Als WHO-Chef sorgte Tedros immer wieder für Kontroversen. So brachte ihm sein Umgang mit China vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 viel Kritik ein. Der damalige US-Präsident Donald Trump warf der WHO und ihrem Chef vor, zu Peking-freundlich zu sein und damit zur weltweiten Ausbreitung des Virus von China aus beigetragen zu haben. Trump fror zunächst die Zahlungen an die WHO ein und erklärte schließlich den Austritt der USA.

Andere Länder nahmen Tedros in Schutz. Sie verwiesen auf die schwache Position der WHO, die auf die Kooperation ihrer Mitgliedstaaten - in dem Fall China - angewiesen sei. Mit Fortschreiten der Pandemie wurde auch Tedros zunehmend kritisch gegenüber Peking. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden genießt Tedros auch in Washington wieder Unterstützung.

Während das Coronavirus in seinen Reden weiterhin eine wichtige Rolle spielt, gilt Tedros' Sorge inzwischen zunehmend den Auswirkungen von Kriegen und Konflikten auf die globale Gesundheit. In einer emotionalen Rede nach seiner Wiederwahl bezeichnete er sich selbst als "Kind des Krieges". Bilder von Kindern im Ukraine-Krieg hätten seine eigenen Kriegserlebnisse vor mehr als 50 Jahren "eindringlich" wieder wachgerufen, sagte Tedros mit zitternder Stimme. "Ich möchte nicht, dass das irgendjemandem passiert. Also hoffe ich, dass es Frieden gibt."

Tedros stehen in seiner zweiten Amtszeit noch weitere Herausforderungen bevor: Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorüber, und es werden tiefgreifende Reformen des globalen Gesundheitssystems gefordert, um ähnliche Bedrohungen in Zukunft abzuwenden. Zudem zeichnen sich bereits neue Gesundheitsgefahren ab, darunter mysteriöse Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern in vielen Ländern sowie die weltweit steigende Zahl von Infektionsfällen mit Affenpocken.

Tedros kann dabei auf jahrelange Erfahrung zurückblicken - auch wenn ihm früher schon mehrfach Versagen vorgeworfen wurde. Vor seiner Wahl zum WHO-Chef 2017 wurde ihm vorgehalten, als äthiopischer Gesundheitsminister drei Cholera-Epidemien in seinem Land vertuscht zu haben. Einen regelrechten Skandal löste dann Tedros' Idee wenige Monate nach seinem Amtsantritt bei der WHO aus, Simbabwes damaligen autoritären Staatschef Robert Mugabe zum WHO-Botschafter des guten Willens in Afrika zu ernennen. Mugabe wurde schließlich zum Verzicht bewegt.

In der Folgezeit konnte Tedros sein Image deutlich verbessern. Nachdem die WHO wegen ihrer zu späten und zu schwachen Reaktion auf die Ebola-Epidemie in Westafrika in den Jahren 2013 bis 2016 stark kritisiert worden war, setzte der neue WHO-Chef Reformen durch, um bei Notfällen künftig rascher eingreifen zu können. Unter seiner Ägide verbesserte sich zudem die Gesundheitsversorgung in den armen Ländern am Horn von Afrika deutlich. 

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