Ukraine

Russische Truppen ziehen immer engeren Belagerungsring um Sewerodonezk und Lyssytschansk

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Beschädigte Schule in der ostukrainischen Stadt Bachmut Bild: AFP

Im ostukrainischen Donbass ziehen die russischen Truppen einen immer engeren Belagerungsring um die strategisch wichtigen Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk. Auch am Sonntag wurden die beiden letzten von ukrainischen Soldaten gehaltenen Städte in der Region wieder massiv angegriffen; sie drohen zu fallen. Inmitten der sich intensivierenden Kämpfe forderten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den russischen Staatschef Wladimir Putin zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf.

Im ostukrainischen Donbass ziehen die russischen Truppen einen immer engeren Belagerungsring um die strategisch wichtigen Städte Sewerodonezk und Lyssytschansk. Auch am Sonntag wurden die beiden letzten von ukrainischen Soldaten gehaltenen Städte in der Region wieder massiv angegriffen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderten den russischen Staatschef Wladimir Putin zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf.

"Der Feind hat neue Angriffsoperationen ausgeführt", berichtete die ukrainische Armee am Sonntag aus dem Gebiet Sewerodonezk. Nach Angaben von Gouverneur Serhij Gajdaj dauerte der russische Angriff im Laufe des Tages weiter an, es gebe bereits Straßenkämpfe in der Stadt. Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, erklärte sogar bereits, dass "Sewerodonezk komplett unter unserer Kontrolle" sei. "Die Stadt ist befreit worden", schrieb Kadyrow am Samstagabend auf Telegram.

Der Bürgermeister von Sewerodonezk, Olexander Stryuk, schlug Alarm wegen der humanitären und sanitären Lage in der Stadt, die vor dem Krieg 100.000 Einwohner zählte. "Ständige Bombenangriffe" würden die Versorgung vor allem mit Trinkwasser erschweren, schrieb er auf Telegram. In der Stadt gebe es seit mehr als zwei Wochen keinen Strom. Das "humanitäre Hilfszentrum" habe seine Arbeit einstellen müssen. 

Schätzungen zufolge halten sich in Sewerodonezk noch etwa 15.000 Zivilisten auf. Sie haben nach Angaben des Bürgermeisters seit zwei Wochen keine Handy-Verbindung mehr untereinander oder zur Außenwelt.

Sowohl in Sewerodonezk als auch in der durch einen Fluss getrennten Zwillingsstadt Lyssytschansk verschlechtere sich die Lage zusehends, warnte Gajdaj. "Die kommende Woche wird sehr schwer." In Lyssytschansk sei unter anderem ein russisches Geschoss in ein Wohnhaus eingeschlagen, berichtete der Gouverneur am Sonntag auf Telegram. "Ein Mädchen war sofort tot, vier Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden." 

Etwas weiter östlich hatte Moskau am Samstag die Eroberung der Ortschaft Lyman vermeldet, einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt nordöstlich von Slowjansk und Kramatorsk. 

Am Samstag starteten Kanzler Scholz und Präsident Macron einen neuen diplomatischen Vorstoß zur Beendigung des Krieges. Bei einem gemeinsamen Telefonat mit Putin drängten sie auf "einen sofortigen Waffenstillstand und einen Rückzug der russischen Truppen". Zudem riefen sie den Kreml-Chef nach Angaben der Bundesregierung zu "ernsthaften direkten Verhandlungen" mit Selenskyj auf. 

Putin seinerseits warnte Deutschland und Frankreich vor weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine. Durch diese bestehe das Risiko, dass sich in der Ukraine "die Situation weiter destabilisiert und die humanitäre Krise verschärft", sagte er nach Angaben des Kremls.

Zur Sprache kam bei dem Telefonat auch die weltweite Nahrungsmittelkrise. Putin stellte nach Kreml-Angaben ein Entgegenkommen beim Export von ukrainischem Getreide in Aussicht. Russland sei "bereit", Möglichkeiten "für einen Getreide-Export ohne Hemmnisse zu finden". Dies betreffe auch ukrainisches Getreide in Schwarzmeer-Häfen. 

Zugleich forderte Putin erneut die Aufhebung westlicher Sanktionen gegen sein Land. Die "antirussischen Sanktionen" sowie eine "fehlgeleitete Wirtschafts- und Finanzpolitik der westlichen Ländern" seien die Ursache für die Lebensmittelkrise. Die Ukraine und Russland gehören zu den weltweit wichtigsten Getreideproduzenten. Der Export aus beiden Ländern ist wegen der Kämpfe in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland eingebrochen.

Weitgehend ausgenommen von Sanktionen ist bisher russisches Öl und Gas - am Montag beim EU-Gipfel könnte erneut über ein Öl-Embargo gesprochen werden. Moskau bezifferte nun erstmals seine Mehreinnahmen durch die international hohen Energiepreise: Er rechne in diesem Jahr mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von umgerechnet 13,7 Milliarden Euro durch Öl- und Gasexporte, sagte der russische Finanzminister Anton Siluanow. Das Geld solle auch für die Stärkung der russischen Offensive in der Ukraine genutzt werden.

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