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Bürgermeister: Sjewjerodonezk "vollständig" in der Hand der russischen Armee

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Auftsteigender Rauch über der Stadt Sjewjerodonezk am 14. Juni Bild: AFP

Nach wochenlangen Kämpfen befindet sich die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine nach Angaben ihres Bürgermeisters nun vollständig in den Händen der russischen Armee. Die Stadt sei von den russischen Streitkräften 'vollständig besetzt', sagte Bürgermeister Oleksandr Strjuk am Samstag im ukrainischen Fernsehen. Am Freitag hatten die ukrainischen Behörden den Rückzug der ukrainischen Armee aus der Stadt bekannt gegeben.

Nach wochenlangen Kämpfen befindet sich die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine nach Angaben ihres Bürgermeisters nun vollständig in den Händen der russischen Armee. Die Stadt sei von den russischen Streitkräften "vollständig besetzt", sagte Bürgermeister Oleksandr Strjuk am Samstag im ukrainischen Fernsehen. Am Freitag hatte die ukrainische Armee ihren Rückzug aus der 100.000-Einwohner-Stadt bekannt gegeben.

Mit der Eroberung von Sjewjerodonezk kontrolliert die russische Armee nunmehr den bei weitem größten Teil der Region Luhansk. Die Einnahme der Stadt gilt als strategisch wichtiger Schritt, um den gesamten Donbass zu erobern, zu dem Luhansk und die Region Donezk gehören. Teile des wirtschaftlich bedeutsamen Gebietes in der Ostukraine werden bereits seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert.

Bürgermeister Strjuk teilte weiter mit, Zivilisten hätten damit begonnen, das Gelände der Asot-Chemiefabrik in Sjewjerodonezk zu verlassen, wohin sich hunderte Einwohner der Stadt vor dem Bombenhagel der russischen Angriffe geflüchtet hatten. "Diese Menschen haben fast drei Monate ihres Lebens in den Kellern verbracht. Seelisch und körperlich ist das schwierig", sagte Strjuk. Sie benötigten nun Medikamente und psychologische Unterstützung.

Etwa zeitgleich mit der Mitteilung des Bürgermeisters erklärten die prorussischen Separatisten, ihre Verbände und die russische Armee hätten die Kontrolle über die Chemiefabrik übernommen. Mehr als 800 Zivilisten, die dort Schutz gesucht hätten, seien "evakuiert" worden, erklärte der Separatistensprecher Iwan Filipenko im Onlinedienst Telegram. Er machte keine Angaben dazu, wohin die Menschen gebracht wurden.

Zuvor hatte ein anderer Vertreter der Separatisten, Andrej Maroschko, mitgeteilt, russische Truppen seien nun auch nach Lyssytschansk vorgedrungen, der Nachbarstadt von Sjewjerodonezk. Dort gebe es derzeit Straßenkämpfe. Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind durch einen Fluss getrennt und liegen rund 80 Kilometer östlich von Kramatorsk, der Hauptstadt des ukrainisch kontrollierten Teils der Region Donezk.

Sollten die russischen Truppen auch Lyssytschansk einnehmen, könnten sie anschließend Kramatorsk und Slowjansk ins Visier nehmen, um schließlich die gesamte Donbass-Region, das industrielle Herzstück der Ukraine, zu erobern. Einige Wochen nach Kriegsbeginn hatte der Kreml das militärische Ziel ausgegeben, die Kräfte auf den Osten der Ukraine zu konzentrieren. Zu Beginn seines Angriffskrieges hatte Moskau erklärt, die Regierung in Kiew stürzen zu wollen.

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