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R. Kelly in Missbrauchsprozess zu 30 Jahren Haft verurteilt

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R. Kelly 2019 vor einem Gerichtsgebäude Bild: AFP

Der frühere R&B-Star R. Kelly ist wegen schwerer Sexualstraftaten zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. 'Die Öffentlichkeit muss vor Verhaltensweisen wie diesen geschützt werden', sagte Richterin Donnelly mit Blick auf die Taten des dreifachen Grammy-Gewinners.

Der frühere R&B-Star R. Kelly ist wegen schwerer Sexualstraftaten zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das von der New Yorker Bundesrichterin Ann Donnelly am Mittwoch verkündete Strafmaß geht sogar über die Forderung der Staatsanwaltschaft von 25 Jahren Haft hinaus. "Die Öffentlichkeit muss vor Verhaltensweisen wie diesen geschützt werden", sagte Donnelly mit Blick auf die Taten des dreifachen Grammy-Gewinners.

Ein Geschworenengericht hatte den Sänger des Superhits "I Believe I Can Fly" im September in allen neuen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 55-Jährigen unter anderem sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Entführung, Zwangsarbeit, Bestechung und Sexhandel in den Jahren 1994 bis 2018 vorgeworfen.

Laut Anklage hatte Kelly ein ganzes Netzwerk von Helfern aufgebaut, um junge Mädchen und Frauen zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste zu rekrutieren. Seine Opfer soll er teils eingesperrt und brutal missbraucht haben.

"Ich bin dankbar, dass Robert Sylvester Kelly weg ist und weg bleiben wird und nicht mehr in der Lage sein wird, anderen Schaden zuzufügen", sagte Lizzette Martinez, ein Opfer des Musikers, nach der Urteilsverkündung vor dem Gerichtsgebäude im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Staatsanwalt Breon Peace bezeichnete das Strafmaß als "bedeutsames Ergebnis" für die elf Missbrauchsopfer, die während des Prozesses über den "schrecklichen und sadistischen Missbrauch" durch Kelly ausgesagt hätten.

Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens 25 Jahre Haft für Kelly gefordert und argumentiert, der Musiker stelle weiterhin eine "ernsthafte Gefahr für die Allgemeinheit" dar. Seine Taten seien "dreist, manipulativ, kontrollierend und nötigend" gewesen. Zudem habe er keinerlei Reue oder Respekt vor dem Gesetz gezeigt.

Kellys Verteidiger, die auf eine Freiheitsstrafe von höchstens 17 Jahren plädiert hatten, kündigten Berufung an. Vor Gericht sagte Anwältin Jennifer Bonjean, das Leben des Musikers sei durch eine "chaotische" Kindheit und als Kind erlittenen sexuellen Missbrauch geprägt worden. "Herr Kelly bestreitet, dass er dieses Monster ist."

Das Strafmaß wurde rund einen Monat vor dem Start der Geschworenenauswahl für den nächsten Prozess gegen Kelly verkündet, der Mitte August vor einem Bundesgericht in Chicago beginnen soll. Zudem laufen gegen den Musiker zwei weitere Ermittlungsverfahren.

Gegen den Sänger waren bereits vor rund 25 Jahren erste Vorwürfe laut geworden. Für Aufsehen sorgte außerdem Kellys später annullierte Ehe mit der damals erst 15 Jahre alten Sängerin Aaliyah. 2008 wurde Kelly in einem umstrittenen Prozess wegen Kinderpornografie freigesprochen, andere Verfahren wurden außergerichtlich beigelegt. Die 2019 veröffentlichte Dokumentationsserie "Surviving R. Kelly" führte schließlich zu neuen Ermittlungen und zu Kellys Festnahme.

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