Konjunktur

Gremium der Wirtschaftsweisen mit Malmendier und Werding wieder komplett

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  • 10. August 2022, 15:19 Uhr
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Container in Dortmund Bild: AFP

Das Beratergremium der sogenannten Wirtschaftsweisen ist wieder komplett: Das Bundeskabinett ernannte in seiner Sitzung die Ökonomin Ulrike Malmendier und den Wirtschaftswissenschaftler Martin Werding zu neuen Mitgliedern.

Das Beratergremium der sogenannten Wirtschaftsweisen ist wieder komplett: Das Bundeskabinett ernannte in seiner Sitzung am Mittwoch die Ökonomin Ulrike Malmendier und den Wirtschaftswissenschaftler Martin Werding zu neuen Mitgliedern des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Damit hat das Beratergremium erstmals eine weibliche Mehrheit. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erklärte, wissenschaftliche Beratung sei für ihn von "unschätzbarem Wert", um ausgewogene Entscheidungen zum Wohl der Bevölkerung treffen zu können.

Der Rat hat eigentlich fünf Mitglieder, zuletzt waren aber zwei Plätze vakant. Schon im Februar vergangenen Jahres war die Amtszeit des damaligen Vorsitzenden Lars Feld abgelaufen, im April dieses Jahres verließ der Frankfurter Ökonom Volker Wieland den Sachverständigenrat vorzeitig. Seitdem wurden die Posten nicht nachbesetzt.

Vorgeschlagen wurden die Mitglieder von der Bundesregierung und konkret von Habeck selbst, berufen werden müssen sie nun von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Das Gremium erstellt Konjunkturprognosen und regelmäßige Gutachten zur Wirtschaftslage und berät die Regierung so bei der Beurteilung der konjunkturellen Lage.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit würdigte die "wertvolle Arbeit" des "unabhängigen Beratergremiums". Die Regierung schätze den wirtschaftspolitischen Rat des Sachverständigenrats sehr.

Habeck lobte Malmendier als "weltweit renommierte Verhaltensökonomin". Die Wirtschaftswissenschaftlerin lehrt derzeit an der Eliteuniversität in Berkeley in Kalifornien. Zu ihren Schwerpunkten gehört auch die Inflationsentwicklung, außerdem gilt sie als Expertin für Geldmärkte.

Ebenfalls ernannt wurde der Ökonom Werding. Er lehrt an der Ruhr Universität Bochum zu Sozialpolitik und öffentlichen Finanzen und gilt als Experte für soziale Sicherungssysteme, vor allem der Alterssicherung und der Familienpolitik. Werding zieht auf Vorschlag der Arbeitgeberseite in das Gremium ein.

Mit Malmendier, Monika Schnitzer und Veronika Grimm sitzen künftig drei Frauen in der Runde, außer Werding gehört zudem Achim Truger zu den Wirtschaftsweisen. Truger nimmt das Mandat für die Arbeitnehmerseite wahr.

Malmendier regte eine andere Arbeitsweise des Gremiums an. "Statt einmal im Jahr ein fettes Jahresgutachten zu schreiben, dessen Kapitel wegen der großen Krisen eventuell schon irrelevant sind, wäre es besser, zeitnah arbeiten zu können, wenn die Themen gesetzgeberisch aktuell werden", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Damit wäre der Rat auch "näher dran am Gehör der Politiker". Es gehe grundsätzlich auch nicht darum, etwas "mit dem Lautsprecher zu verkünden", sondern "mehr in die Politik hineinzuwirken".

Im "Handelsblatt" schlug die Professorin vor, ein weiteres ökonomisches Beratergremium direkt in der Bundesregierung aufzubauen, ähnlich wie in den USA. Dort sei es gelebte Praxis, dass Spitzenökonomen die Universitäten verlassen. "Für sie ist klar: Wenn die Politik ruft, ist es ihre Aufgabe, dort zu unterstützen", sagte Malmendier. Dass das in Deutschland kaum so sei, sei "ein Problem".

Der neue Wirtschaftsweise Werding forderte die Regierung seinerseits "dringend" zu einer grundlegenden Reform der sozialen Sicherungssysteme auf. Bis 2035 werde der demografische Alterungsprozess ein enormes Tempo entfalten, sagte er dem "Handelsblatt". "Der ganz große Druck steht uns noch bevor."

Vor allem müsse das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Eine solche Maßnahme sei "logisch und gerecht zugleich". Ähnlich äußerte sich Werding in der "Süddeutschen Zeitung": Das Rentenalter sollte bis 2042/43 auf 68 Jahre steigen und bis 2054/55 auf 69", forderte er.

Es sei auch eine Überlegung wert, die Renten nicht mehr an die Löhne zu koppeln, sondern an die Inflation. "Das bedeutet in normalen Zeiten, in denen die Inflation viel niedriger ist als jetzt, weniger Rentensteigerung", sagte der Ökonom.

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