Russland

Ifo-Präsident Fuest: Energiepreise werden langfristig wieder sinken

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Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet auf lange Sicht mit einem Sinken der Energiepreise. "Wenn wir uns die weltweite Energieversorgung ansehen, sind die Veränderungen durch den Krieg begrenzt", sagte Fuest dem "Tagesspiegel" vom Montag. Künftig werde Russland sein Gas und Öl an andere verkaufen und die würden dann weniger Gas aus anderen Quellen kaufen. Das fließe dann nach Europa. "Der Umbau der Infrastruktur ist teuer, trotzdem sollten die Preise nach einiger Zeit wieder sinken." 

Aktuell sei es wichtig, alles zu tun, um das Energieangebot in Deutschland zu stärken. "Dazu gehört, die Abschaltung der verbleibenden Kernkraftwerke zu verschieben", sagte Fuest weiter. Die künftige Energieversorgung, die auf erneuerbaren Energien und Wasserstoff beruhen soll, müsse erst aufgebaut und erprobt werden, um erst "danach die bisherigen Kraftwerke abzubauen, wenn wir wissen, dass das neue System funktioniert".

Zur Entlastung der privaten Haushalte wegen der hohen Energiepreise den Konsum zu stärken, hält der Ökonom für den falschen Weg. "Ein großes Hinlangen im Sinne einer Stärkung der privaten Nachfrage wäre falsch, weil zu geringe Güternachfrage derzeit nicht das zentrale Problem ist", sagte Fuest dem "Tagesspiegel". Das Problem sei derzeit nicht, dass Unternehmen ihre Produkte nicht mehr loswerden. ,,Wir haben eher das Gegenteil: Das Angebot ist eingeschränkt, weshalb die Preise steigen. Da bringt es nichts, mit großen Transfers die Nachfrage anzuheizen und diese Preissteigerungen noch zu verstärken.

Stattdessen könne die Regierung "den Schaden umverteilen", sagte Fuest der Zeitung. "Das sollte man gezielt machen, zu Gunsten vulnerabler Gruppen. Und man kann versuchen, Hindernisse auf der Angebotsseite wegzuräumen." Beim dritten Entlastungspaket sei zu viel mit der Gießkanne verteilt worden, kritisierte er.

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