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WHO: Drei Viertel aller Todesfälle weltweit durch nicht ansteckende Krankheiten

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WHO-Logo Bild: AFP

Nicht ansteckende Krankheiten wie Herzerkrankungen, Krebs und Diabetes sind laut einem WHO-Bericht Ursache für knapp drei Viertel aller Todesfälle weltweit. Maßnahmen gegen die Risikofaktoren könnten Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern.

Nicht ansteckende Krankheiten wie Herzerkrankungen, Krebs und Diabetes sind laut einem WHO-Bericht Ursache für knapp drei Viertel aller Todesfälle weltweit und Maßnahmen gegen die Risikofaktoren könnten Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern. Wie die Weltgesundheitsorganisation am Mittwoch in ihrem Bericht darlegte, sterben durch nicht übertragbare Krankheiten weltweit 41 Millionen Menschen pro Jahr, davon 17 Millionen unter 70 Jahren. Damit überholten diese Leiden die Infektionskrankheiten als häufigste Todesursache.

Alle zwei Sekunden sterbe ein Mensch unter 70 Jahren an einer nicht ansteckenden Krankheit, sagte die Leiterin der WHO-Abteilung für nicht ansteckende Krankheiten, Bente Mikkelsen, in Genf. Dennoch fließe nur ein minimaler Anteil der nationalen und internationalen Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten in den Kampf gegen diese Leiden. "Das ist wirklich eine Tragödie", urteilte Mikkelsen.

Nicht ansteckende Leiden sind nicht nur die Haupt-Todesursachen weltweit, sondern beeinflussen laut WHO auch, wie sich ansteckende Infektionskrankheiten auswirken. Dies habe die Corona-Pandemie gezeigt, in der Menschen mit Leiden wie Fettleibigkeit und Diabetes ein höheres Risiko haben, schwer zu erkranken oder zu sterben.

Nicht ansteckende Krankheiten werden oft durch Verhaltensweisen wie Ernährung und Tabakkonsum mit verursacht. Anders als landläufig angenommen, träten sogenannte "Lifestyle"-Krankheiten aber nicht vorwiegend in wohlhabenden Ländern auf, heißt es in dem WHO-Bericht. 86 Prozent der vorzeitigen Todesfälle durch nicht ansteckende Krankheiten treten demnach in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen ein.

Daher handele es sich nicht nur um ein Gesundheits- sondern auch um ein Gerechtigkeitsproblem, sagte Mikkelsen. Schließlich bekämen Menschen in ärmeren Ländern häufig nicht die nötige Vorsorge, Behandlung und Pflege. Ein neues Portal der WHO zu nicht ansteckenden Krankheiten, das am Mittwoch an den Start ging, zeigt etwa, dass die Häufigkeit von Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Ländern wie Afghanistan und der Mongolei am höchsten ist.

Die WHO hob hervor, dass die größten Risikofaktoren für nicht ansteckende Krankheiten gut bekämpft werden könnten. Einer davon ist Tabakkonsum, dem die WHO mehr als acht Millionen Todesfälle weltweit zuschreibt. Weitere acht Millionen Todesfälle jährlich werden auf ungesunde Ernährung zurückgeführt - also zu wenig, zu viel oder schlechtes Essen. Alkoholmissbrauch, der Krankheiten wie Krebs und Leberzirrhose verursachen kann, wird für rund 1,7 Millionen Todesfälle verantwortlich gemacht, unzureichende körperliche Betätigung für rund 830.000 Todesfälle.

Die WHO erklärte, wenn alle Staaten die von ihr empfohlenen Maßnahmen zur Verringerung dieser Risikofaktoren umsetzten, könnten allein in den nächsten sieben Jahren 39 Millionen Leben gerettet werden. Die Regierungen könnten dafür sorgen, dass "zahllose weitere Leben länger, gesünder und glücklicher gelebt" werden könnten.

Auch wirtschaftlich lohnt sich laut WHO der Kampf gegen nicht ansteckende Krankheiten. Entsprechende zusätzliche Investitionen in Höhe von 18 Milliarden Dollar in ärmeren Ländern könnten bis 2030 einen wirtschaftlichen Nutzen im Umfang von 2,7 Billionen Dollar erzeugen.

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