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Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger mit 93 Jahren gestorben

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  • 25. November 2022, 16:02 Uhr
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Enzensberger 2010 bei der Verleihung des Sonning-Preises Bild: AFP

Der zu den großen deutschen Schriftstellern und Intellektuellen zählende Autor Hans Magnus Enzensberger ist tot. Enzensberger starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren in München, wie der Suhrkamp Verlag mitteilte.

Der zu den großen deutschen Schriftstellern und Intellektuellen zählende Autor Hans Magnus Enzensberger ist tot. Enzensberger starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren in München, wie der Suhrkamp Verlag am Freitag mitteilte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte Enzensberger einen der "großen, prägenden Intellektuellen", Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) würdigte Enzensbergers "überwältigendes Lebenswerk".

In einem Kondolenzschreiben an Enzensberger Witwe Katharina schrieb Steinmeier, obwohl der Verstorbene ungern von seiner Person Aufhebens gemacht habe, sei die Wirkung seines Schaffens enorm gewesen. "Unerschöpfliche Originalität, überraschende Gedanken, Lust an Witz und Ironie waren die unverkennbare Signatur seiner Werke." So brillant er auch immer formuliert habe, so gerne und überzeugt habe er die "Verteidigung der Normalität" übernommen. "Er verkörperte in Person die Gedanken- und Meinungsfreiheit, die unsere Demokratie wie die Luft zum Atmen braucht."

Der 1929 im bayerischen Allgäu geborene Enzensberger erhielt für seine vielfältigen schriftstellerischen Tätigkeiten eine Reihe an Auszeichnungen, darunter bereits 1963 den Georg-Büchner-Preis. Der Lyriker, Essayist, Biograph, Herausgeber und Übersetzer galt als einer der weltweit bekanntesten deutschen Intellektuellen.

Enzensberger gab im Suhrkamp Verlag ab 1965 die von ihm mitbegründete Zeitschrift "Kursbuch" heraus. Er bereiste schon früh eine Vielzahl von Ländern. Während der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre wurde er weltweit als eine der wichtigsten Stimmen wahrgenommen. Als Autor zahlreicher Werke galt er als jemand, der frühzeitig globale gesellschaftliche Veränderungen erkannte. So befasste er sich schon in den 1950er Jahren mit Folgen des Massentourismus und Anfang der 1990er Jahre mit den Auswirkungen der Migration auf die westliche Gesellschaft.

Roth würdigte den kurz nach seinem 93. Geburtstag Verstorbenen als "einen der vielseitigsten und bedeutendsten deutschen Intellektuellen". "Er hinterlässt uns ein überwältigendes Lebenswerk, das zahlreiche Gedichte und Essays umfasst, aber auch Kinderbücher, Dramen, Fachbeiträge über Mathematik und politische Statements", erklärte Roth in Berlin.

Enzensberger sei ein Solitär unter Deutschlands Dichtern und Denkern gewesen. "Mit seinen Versen und kritischen Reflexionen begleitete er die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, deren Gründung auf den Trümmern eines zerstörten Landes er als Zwanzigjähriger miterlebte." 

CDU-Chef Friedrich Merz nannte den Verstorbenen einen der "klügsten und streitbarsten Publizisten des 20. Jahrhunderts. Er war ein kluger, unabhängiger Kopf und wird fehlen." Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) erklärte, Enzensberger habe die geistige Landschaft der Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt.

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