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Tarifverhandlungen von GDL und Bahn erneut gescheitert - weitere Streiks drohen

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GDL-Chef Claus Weselsky Bild: AFP

Die Tarifverhandlungen der Lokführergewerkschaft GDL mit der Deutschen Bahn sind nach Angaben des Konzerns erneut gescheitert. Die GDL habe die Verhandlungen, die noch bis Sonntag angesetzt waren, vorzeitig 'platzen lassen', erklärte ein Bahn-Sprecher.

Die Tarifverhandlungen der Lokführergewerkschaft GDL mit der Deutschen Bahn sind nach Angaben des Konzerns erneut gescheitert. Die GDL habe die Verhandlungen, die noch bis Sonntag angesetzt waren, vorzeitig "platzen lassen", erklärte ein Bahn-Sprecher am Donnerstag. Die Gewerkschaft warf der Bahn vor, Verhandlungsinterna an Medien "durchgestochen" zu haben, ging auf die Verhandlungen aber nicht näher ein.

"Trotz weitreichender Zugeständnisse" und "trotz des Einsatzes von zwei erfahrenen Moderatoren" habe die GDL den Verhandlungstisch verlassen, erklärte der DB-Sprecher. Bis zuletzt hätten die Gewerkschafter zudem "dogmatisch auf der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich" beharrt. Dabei hätten die Moderatoren Thomas de Maizière und Daniel Günther "Kompromissvorschläge auch zur wöchentlichen Arbeitszeit gemacht".

Die Tarifverhandlungen hatten Anfang November begonnen. Bis Ende Januar war jedoch kaum verhandelt, dafür aber vier Mal gestreikt worden. Der bislang letzte Arbeitskampf Ende Januar war für sechs Tage angesetzt gewesen und wäre damit der längste GDL-Streik bei der Bahn jemals gewesen. Es gelang jedoch ein Verhandlungsdurchbruch und der Streik wurde nach fünf Tagen vorzeitig beendet.

Bahn und GDL vereinbarten daraufhin Gespräche hinter verschlossenen Türen und eine Friedenspflicht bis zum 3. März. Die Tarifparteien ernannten dafür jeweils einen Politiker als Moderator, die DB den ehemaligen Innen- und Verteidigungsminister de Maizière und die GDL Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther (beide CDU).

Den Angaben der Bahn zufolge blieb der Knackpunkt weiterhin die Forderung der GDL, die Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden ab 2028 bei vollem Lohnausgleich abzusenken. Die Bahn hatte dies zunächst rundweg ablehnt, später bot sie ein Wahlmodell an. Damit sollten Lokführer auf 37 Wochenstunden heruntergehen können, hätten im Gegenzug aber auf eine zusätzliche angebotene Gehaltserhöhung verzichten müssen. Außerdem bot das Unternehmen bislang bis zu 13 Prozent mehr Lohn.

"Wir waren bereit, Schritte bei der Arbeitszeitverkürzung zu gehen, die weit über unser letztes Angebot hinausgehen", erklärte DB-Personalvorstand Martin Seiler nun. Dennoch drohten jetzt aber erneut Streiks. "In den letzten vier Wochen hat sich die Lokführergewerkschaft keinen einzigen Millimeter bewegt." Doch ohne Kompromisse könne es keine Lösung geben.

Die GDL erklärte, sie werde sich zu den Verhandlungen zunächst nicht äußern, und kündigte eine Pressekonferenz für kommenden Montag an. Anders als die Bahn halte sie sich an das vereinbarte Stillschweigen bis diesen Sonntag. 

Dem Tarifpartner warf die Gewerkschaft außerdem vor, "in gewohnter Manier" der "Bild"-Zeitung Informationen geliefert zu haben. Die Zeitung habe Details zu den Verhandlungen veröffentlicht. Seitens der GDL werde jedoch "seit Jahren" nicht mit der "Bild" gesprochen, weil diese "immer tendenziös und schon vorab schuldzuweisend" berichte.

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