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Zusammenstöße zwischen Unterstützern der Militärjunta und Demonstranten in Myanmar

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Militäranhänger gehen auf Demonstranten der Protestbewegung los Bild: AFP

In Myanmar ist es erstmals zu Zusammenstößen zwischen Unterstützern der Militärjunta und den seit knapp drei Wochen demonstrierenden Anhängern der Protestbewegung gekommen. Facebook sperrte derweil sämtliche Konten des Militärs in Myanmar. Die Weltbank stellt ihre Kreditzahlungen ein. 

In Myanmar ist es erstmals zu Zusammenstößen zwischen Unterstützern der Militärjunta und den seit knapp drei Wochen demonstrierenden Anhängern der Protestbewegung gekommen. Nachdem die Militäranhänger in der größten Stadt Rangun am Donnerstag bei einem Marsch durch die Metropole von Anwohnern ausgebuht wurden, gingen sie mit Messern und Steinschleudern auf diese los. Facebook sperrte derweil sämtliche Konten des Militärs in Myanmar, die Weltbank stellt ihre Kreditzahlungen ein. 

Die Unterstützer der Junta zogen mit Transparenten mit der Aufschrift "Wir stehen zu den Verteidigungsdiensten" durch Rangun. Die Behörden gewährten ihnen Zugang zur bekannten Sule-Pagode, die seit Tagen abgesperrt ist, um Ansammlungen von Anhängern der Protestbewegung zu verhindern. 

In der Nähe des Bahnhofsgeländes kam es gegen Mittag zu Straßenschlachten, als die Militäranhänger mit Rohren, Messern und Steinschleudern auf buhende Anwohner losgingen. "Sie schossen mit Steinschleudern aus dem Auto auf uns", sagte Aung Zin Lin, der in der Nähe wohnt. Die Polizei nahm einige der Militäranhänger in Gewahrsam, während sich eine Gruppe von Frauen und Kindern vor Demonstranten der Protestbewegung stellte, um diese vor einer möglichen Festnahme zu bewahren.

In der Nähe der Universität protestierten erneut Studenten friedlich gegen die Militärjunta. In anderen Teilen der Stadt zog medizinisches Personal durch die Straßen, das sich in großer Zahl der "Bewegung des zivilen Ungehorsams" angeschlossen hat. In Mandalay und Magway malten sich Demonstranten mit Thanaka, einer traditionellen Paste aus Baumrinde, den Drei-Finger-Gruß als Zeichen des Widerstands auf die Gesichter. 

Die Generäle hatten am 1. Februar mit einem Staatsstreich die Macht in dem südostasiatischen Land übernommen und die demokratische gewählte De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi festgenommen. Seit fast drei Wochen protestieren hunderttausende Menschen in dem Land gegen die Militärherrschaft. Zuletzt gingen die Sicherheitskräfte vielerorts mit massiver Gewalt und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor. 

Die Zahl der im Zuge der Proteste getöteten Menschen stieg am Mittwoch auf fünf, nachdem ein 20-Jähriger seinen Verletzungen am Mittwoch in Mandalay erlag. Mehr als 700 Menschen wurden bislang festgenommen.

Wegen des Vorgehens gegen friedliche Demonstranten sperrte Facebook am Donnerstag alle verbliebenen Konten mit Verbindung zur Armee. Der sofort in Kraft tretende Schritt gelte für das Militär und von den Streitkräften kontrollierte Organisationen auf Facebook und Instagram, teilte das US-Unternehmen mit. 

"Wir glauben, dass die Risiken, die Tatmadaw auf Facebook und Instagram zuzulassen, zu groß sind", erklärte Facebook weiter. Tatmadaw ist die Bezeichnung für die myanmarischen Streitkräfte. In den vergangenen Jahren hatte Facebook bereits hunderte Seiten verboten, die mit der Armee in Verbindung stehen. 

Die Weltbank bestätigte am Donnerstag, dass sie alle Kredite rückwirkend ab dem 1. Februar einstellen werde. Laut ihrer Website hat die Bank Myanmar 900 Millionen Dollar für Projekte im Zusammenhang mit dem Klimawandel, Katastrophenhilfe und dem Aufbau der Infrastruktur im Jahr 2020 geliehen.

Am Mittwoch riefen fast 140 Nichtregierungsorganisationen aus 31 Ländern den UN-Sicherheitsrat auf, ein Waffenembargo gegen Myanmar zu verhängen. "Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sollte dringend ein weltweites Waffenembargo gegen Myanmar verhängen, um die Junta von weiteren Übergriffen abzuhalten", hieß es in einem offenen Brief der Organisationen. "Regierungen, die Waffentransfers nach Myanmar erlauben - einschließlich China, Indien, Israel, Nordkorea, die Philippinen, Russland und die Ukraine - sollten sofort die Lieferung von Waffen, Munition und dazugehöriger Ausrüstung einstellen."

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