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Frankreichs Atom-Aufsicht billigt Laufzeit-Verlängerung auf 50 Jahre

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Kraftwerk in Chinon Bild: AFP

Frankreich verlängert die Laufzeit seiner ältesten Atomreaktoren von 40 auf 50 Jahre. Die französische Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) machte dafür am Donnerstag unter Auflagen den Weg frei.

Ungeachtet der Bedenken von Umweltschützern hat Frankreichs Atomaufsicht die Verlängerung der Laufzeit der ältesten französischen Atomreaktoren von 40 auf 50 Jahre gebilligt. Die Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) machte am Donnerstag unter Auflagen den Weg für die Verlängerung frei. Greenpeace und die Grünen in Deutschland verurteilten den Schritt und warnten vor einer möglichen Nuklear-Katastrophe.

Von den 32 ältesten französischen Reaktoren haben nach Angaben von Greenpeace bereits 13 das Höchstalter von 40 Jahren überschritten, das die mehrheitlich staatliche Betreibergesellschaft Electricité de France (EDF) ursprünglich vorgesehen hatte. Frankreich bezieht rund 70 Prozent seines Stroms aus der Atomkraft, das ist der höchste Anteil weltweit.

Für die Laufzeit-Verlängerung machte die Atomaufsicht nun eine Reihe von Reparaturen zur Bedingung. Ziel sei es, "die Folgen schwerer Unfälle wie etwa eine Kernschmelze zu verhindern", sagte der stellvertretende Leiter der Atombehörde, Julien Collet, der Nachrichtenagentur AFP. Auch der Schutz vor "Angriffen auf die Anlagen" soll nach seinen Worten verbessert werden. Zudem soll der Betreiber EDF jährlich einen Sicherheitsbericht vorlegen.

Die Verlängerung betrifft acht Standorte in Frankreich: Darunter ist das Atomkraftwerk Bugey östlich von Lyon, das seit Ende der 70er Jahre in Betrieb ist. Auch die Reaktoren in Dampierre südlich von Paris und Tricastin nördlich von Avignon können nun voraussichtlich länger Strom liefern. Sie waren Anfang der 80er Jahre ans Netz gegangen. Weitere Kraftwerke befinden sich in Chinon und Saint-Laurent an der Loire und Cruas an der Rhone.

Scharfe Kritik an der Verlängerung kam von den deutschen Grünen. Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, erklärte: "Der hochverschuldete Atomkonzern EDF will noch einmal Profit mit seinen ältesten Meilern erzielen. Das geht mit einer drastischen Erhöhung des Unfallrisikos einher." Die Bundesregierung müsse "endlich aufwachen und sich gegen gefährliche Laufzeitverlängerungen in Nachbarländern einsetzen."

Greenpeace warf der Atomaufsicht vor, den "Schutz von Umwelt und Bürgern zu missachten". Trotz aller Warnungen habe die Behörde wichtige Maßnahmen zur Absicherung der französischen Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima aufgeschoben, erklärte die Organisation in Paris.

Die französische Regierung hatte ihren Willen zur Laufzeit-Verlängerung bereits im April 2020 in einem Mehrjahresplan zur Energieversorgung deutlich gemacht. Die Öffentlichkeit hatte bis zum 22. Januar im Internet die Möglichkeit, sich zur anstehenden Entscheidung der Atombehörde zu äußern.

Im Juni vergangenen Jahres hatte Frankreich sein ältestes Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim unweit von Freiburg im Breisgau nach 43 Jahren Betrieb endgültig abgeschaltet. Vorausgegangen waren jahrelange Proteste aus Deutschland und der Schweiz, da die Reaktoren als störanfällig galten und in einem Erdbebengebiet am Oberrhein standen.

Präsident Emmanuel Macron sieht in der Atomenergie einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz, wie er immer wieder bei öffentlichen Auftritten deutlich machte. Anders als deutsche Kohlekraftwerke sei diese Energieform CO2-neutral, betont er. Über einen möglichen Ausbau alternativer Energieträger soll erst nach der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr entschieden werden.

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