Fahrbericht

Mercedes-Benz: Starkes Sprinter-Finale

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mid Groß-Gerau - Multitalent für Bauhandwerker: Als "Doka" bringt der Mercedes-Benz Sprinter Mannschaft und Material zur Baustelle. Wolfgang Tschakert / mid

Die Nummer 1 unter den Leichtlastwagen biegt in die letzte Runde, bald machen ihm jüngere Rivalen das Revier streitig. Die Qualitäten des Mercedes-Benz Sprinter, das zeigt der Test der Doka-Variante, sind bis heute unstrittig. Er punktet mit Qualität und Sicherheit.

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Jeder kennt sie, aber nur die Leute vom Bau wissen sie wirklich zu schätzen. Doppelkabiner oder "Dokas", wie sie im Fachjargon heißen, machen wenig Aufhebens um sich - über Design braucht man hier nicht zu reden. Übrigens ganz im Gegensatz zu den neumodischen Pick-ups, die gern mit Chromschmuck und verwegenen Outfits prahlen. Der Sprinter macht hier keine Ausnahme, er gibt kompromisslos nüchtern den Nützling und nimmt auch gröbere Behandlung nicht übel. Er ersetzt den Kleinbus und dient als kleiner Lkw. Die Mannschaft fährt mit, das macht Dokas so wertvoll. Vor Ort dient die geräumige Kabine auch gerne als Pausenhütte, dann gehört eine Standheizung für kältere Tage unbedingt zum Ausstattungsumfang.

Noch vor wenigen Monaten galt: Wer einen geräumigen und belastbaren Kleinlaster sucht, landet früher oder später beim Sprinter. Heute werden die Karten neu gemischt, spätestens seit der Vorstellung des neuen VW Crafter. Der soll alles besser können, was aber noch zu beweisen wäre. Hier geht es um ein Brot-und-Butter-Fahrzeug für die Bauwirtschaft, Mercedes schickt dafür den Sprinter-Doka ins Rennen. Gut ein Jahr noch muss er die Stellung halten, für 2018 ist ein Nachfolgemodell angekündigt.

Bis zu sieben Mitfahrgelegenheiten bietet der Sprinter auf beiden Sitzreihen. Allerdings sollten die Kollegen keine Berührungsängste kennen. Die etwas steile Rücksitzlehne lässt sie mit geradem Rücken sitzen, an Beinraum mangelt es nicht. Auch sonst fehlt nichts - weder eine leistungsfähige Klimaanlage noch eine angenehm dezente Geräuschkulisse. Soweit bleibt alles wie gehabt. Erkenntlich zeigt sich die neueste Ausgabe nur unter der Motorhaube, wo ein blauer Schraubdeckel auf das Additiv Adblue hinweist - damit sollen die giftigen Stickoxide in den Abgasen unschädlich gemacht werden. Und im Innenraum thront neuerdings ein schickes Funktionslenkrad in Chromspeichen-Optik vor dem Fahrer. Auch die Elektronik-Architektur wurde erneuert. Ist ja auch logisch, schließlich überwachen etliche neue Sicherheits-Assistenten den Sprinter-Fahrbetrieb. Bei stürmischem Wind hilft der Seitenwind-Assistent, ein optionaler Abstandswarner überwacht die Distanz zu vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern. Der "Brake Assist pro" - so heißt das System - schärft die Bremsanlage für den Notfall, es gibt einen Totwinkel-, Spurhalte- und Fernlicht-Assistenten, die man extra bezahlt.

Aufs Laden versteht sich der Sprinter, und ganz besonders der Doka mit langem Radstand. Schnell sind die Alubordwände der Pritsche geklappt, dann darf der Stapler oder der Radlader walten. Die Ladefläche mit robustem Siebdruckboden ist 3,40 Meter lang und rund zwei Meter breit, macht knapp 7 Quadratmeter Ladefläche. Die Bordwände ragen rundum 400 Millimeter auf, nur eine robuste Stirnwand, die das Fahrerhaus schützt, hat unser Mercedes nicht. Vier Paar Zurrringe sitzen im Außenrahmen, damit sollten sich die meisten Ladungen ordentlich sichern lassen. Der 3,5-Tonner stemmt legal 1.100 kg Nutzlast - aber wer zu siebt unterwegs ist, darf nur noch eine halbe Tonne auf die Pritsche schultern. An den Überlastreserven des Fahrzeugs liegt es nicht, technisch reichen die Achslasten für gut vier Tonnen. Deshalb brauchen Doka-Fahrer im Alltag oft ihre Anhängerkupplung, der Sprinter darf mit verstärkter Ausstattung bis zu drei Tonnen Anhängelast ziehen.

Für mehr als sechs Tonnen Zuggewicht ist unser Sprinter gut gerüstet. Und auch sonst zählt der 163 PS starke Sprinter zur schnellen Truppe. Man bekommt ihn auch mit weniger Leistung, aber das wirtschaftlichste Triebwerk, das meint auch der Hersteller, ist der stärkste Diesel-Vierzylinder. Der "OM 651", so heißt das 2,1 Liter große Aggregat, legt aus dem Leerlauf kräftig los - schon bei tausend Touren liefert es verwertbare Leistung. Ausgesprochen stämmige Durchzugskraft gibt es von 1.200 bis 2.500 Umdrehungen, hier wuchtet der Transporter-Motor 360 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Hohe Drehzahlen werden nur auf der Autobahn gebraucht, wo der Sprinter Doka mit knapp 160 Spitze die Werksangaben um fast 10 km/h übertrifft. Dabei nervt der Mercedes weder mit vorlauten Tönen noch mit Vibrationen, nur die anschwellenden Windgeräusche lassen nicht verkennen, dass hier ein Klein-Lkw über die Autobahn eilt. Wer maßvoll fährt und die Leistungsreserven nicht ausreizt, schafft 100 Kilometer mit genügsamen 9,2 Liter Dieselkraftstoff. Auf schnellen Autobahnritten werden schon mal 13 Liter und mehr verbrannt, hier schlägt das aerodynamische Manko des Doka-Konzepts gnadenlos zu.

Das Fahrwerk des heckgetriebenen Sprinter, einfach gehalten mit Querblattfeder an der Vorderachse und einer parabelgefederten Starrachse hinten, bietet Kritikern kaum Angriffsfläche. Der lange Sprinter rollt sauber geradeaus, lenkt exakt ein und bleibt leer wie beladen auf der sicheren Seite. Das für einen Pritschenwagen wohlkomponierte Fahrverhalten wird auch nicht durch Härte erkauft. Auf nasser und glatter Straße hat der starke Sprinter etwas Mühe, die volle Leistung auf die Straße zu bringen. Vollgas in Kurven führen zu einem Zucken im Heck, worauf das ESP-System den Sprinter schnell wieder auf Kurs bringt. Das elektronische Stabilitätsprogramm regelt auch die Laufeigenschaften des Anhängers. Wenn der ins Schlingern kommt, wird das Gespann gezielt mit Einzelradbremsungen stabilisiert. Generell vermittelt die moderne Bremsanlage das gute Gefühl, jederzeit Herr der Lage zu sein.

Unser Fazit:
Wie gut der Sprinter auf den harten Verkehrsalltag vorbereitet ist, zeigt er mit vielen Details: Die großen Scheibenwischer tragen Waschdüsen an den Blättern, die Endlagen der Wischer werden beheizt. Das optionale Kurven- und Abbiegelicht leuchtet nachts die Kurven aus, Regen- und Lichtsensoren erleichtern die Arbeit. Gute Noten verdienen auch die großen Außenspiegel, die beim Reversieren mit integrierten Leuchtpunkten den rückwärtigen Abstand signalisieren. Allerdings ist der fein gegen Korrosion verzinkte Sprinter auch nicht für Kleingeld zu haben. Rund 38.000 Euro kostet das nackte Fahrgestell, für weitere 2.200 Euro wird die lange Pritsche montiert. Und dann beginnt erst der Auswahlprozess in der Optionsliste - alles was den Sprinter verbessert, macht ihn auch teurer.
Wolfgang Tschakert / mid

Technische Daten Mercedes-Benz Sprinter 316 CDI Doppelkabine:
Klein-Lkw, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 6,84/1,99/2,39/4,32, Ladelänge: 3,40 m, Leergewicht: 2.430 kg, zul. Gesamtgewicht 3.500 kg, zul. Anhängelast: 2.000 kg, Grundpreis Fahrgestell 37.920 Euro, Bereifung 235/65 R 16 C, Preis Pritsche 2.200 Euro.
Antrieb: Vierzylinder-Dieselmotor, Hubraum: 2.143 ccm, Nennleistung: 120 kW/163 PS bei 3.800/min, max. Drehmoment: 360 Nm bei 1.400-2.400/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Abgasnorm: Euro 6. Kraftstoffverbrauch Diesel Schnitt: 9,2 l/100 km, Beschleunigung 0 - 60/80/100 km/h: 6,6/10,1/15,5 s, Durchzug/Elastizität: 80 - 120 km/h im 6. Gang: 20,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 158 km/h.

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