Fahrbericht

Opel Crossland X: Brückenbauer

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mid Veneto - Opel schickt mit dem Crossland X einen zweiten Vertreter in der Klasse der hochgebockten Kompakten ins Rennen. Thomas Schneider / mid

Der Van ist tot, lang lebe der Van - nur in etwas anderer Aufmachung. Weil die sympathischen Familienkutschen nicht mehr angesagt sind, satteln nun viele Hersteller um und verwandeln ihre entsprechenden Modelle mithilfe von SUV-Optik in sogenannte ''CUV''. So auch Opel: Als erstes Produkt der Zusammenarbeit mit dem wahrscheinlich neuen Besitzer PSA schicken die Rüsselsheimer den Crossland X ins Rennen, der jetzt zu ersten Testfahrten bereitstand.

Der Van ist tot, lang lebe der Van - nur in etwas anderer Aufmachung. Weil die sympathischen Familienkutschen nicht mehr angesagt sind, satteln nun viele Hersteller um und verwandeln ihre entsprechenden Modelle mithilfe von SUV-Optik in sogenannte "CUV" (Crossover Utility Vehicle). Mit anderen Worten: Die hohe Praxistauglichkeit von Vans wird mit einem attraktiven und zeitgemäßen Look angereichert. So auch bei Opel: Als erstes Produkt der Zusammenarbeit mit dem wahrscheinlich neuen Besitzer PSA schicken die Rüsselsheimer den Crossland X ins Rennen, der jetzt zu ersten Testfahrten bereitstand. Ist die automobile Trans-Gender-Politik gelungen?

Optisch macht der Neue einen sehr schicken Eindruck. Fast könnte man meinen, dass Opel bei seinen Erfolgsmodellen Mokka X und Adam "geklaut" hat - und daran ist auch rein gar nichts auszusetzen. In der Frontansicht ist der Crossland X seinem SUV-Pendant wie aus dem Familiengesicht geschnitten: Steiler Grill mit zentral platziertem Blitz und flankierender Chromspange, LED-Tagfahrlicht in Winkel-Form und waagerecht unter den Scheinwerfern angebrachte Nebelleuchten plus silberfarbener Unterfahrschutz. Die offensichtliche Anleihe beim Adam ist die chromfarbene Fensterlinie, die waagerecht in die C-Säulen hineinragt und so das Dach in Kontrastlackierung "abhebt", wodurch diese zu schweben scheint. "Wir verbinden die Coolness eines SUV mit der Funktionalität eines Van", sagt Thomas Friar, Opels Assistant Chief Designer, bei der Fahrvorstellung in Venetien.

Und die Funktionalität ist genau der Grund, warum Opel ein zweites Modell aus der Riege der hochgebockten Kompakten auf den Markt bringt. "Das Modell haben wir quasi von innen nach außen konstruiert", erklärt Thomas Friar. Das Ergebnis überzeugt: Sowohl vorne als auch im Fond sitzt es sich kommod - auch dank der hervorragenden Ergonomie-Sitze und auch für großgewachsene (Mit-)Fahrer. Für hohe Variabilität sorgt unter anderem eine um 15 Zentimeter in Längsrichtung verschiebbare Rückbank. Die erlaubt es mit einem Handgriff zwischen viel Beinfreiheit im Fond und einem größeren Kofferraum zu wählen. Im ersten Fall sind es beachtliche 410 Liter Volumen, bei vorgeschobener Bank 520 Liter - ein Klassen-Bestwert wie Opel betont. Dann allerdings sind die drei Sitzplätze hinter dem Fahrer nur noch von Kleinkindern nutzbar. Nach dem Umklappen der hinteren Sitze (teilbar im Verhältnis 40:60) stehen 1.255 Liter Stauraum zur Verfügung.

Doch nun hinein in das neue Opel-Familienmitglied und ab auf die Straße. Der erste Eindruck: Das Cockpit wirkt aufgeräumt, die in drei Ebenen aufgeteilte Mittelkonsole - Infotainment, darunter Klimatisierung und ganz unten vor dem Wähl-/Schalthebel die Assistenzsysteme - geben keinerlei Rätsel auf. Der Armaturenträger ist aus einem Stück und die Oberfläche aus griffsympathischem, unterschäumten Kunststoff - das ist sehr angenehm, wenn sich der Fahrer beim Bedienen des bis zu acht Zoll großen Touchscreens während der Fahrt abstützt. Auch die Türlehnen sind angenehm gepolstert, nicht aber die oberen Türverkleidungen. Hier hat der Rotstift bei einem Basispreis von 16.850 Euro dann doch nachvollziehbar die Oberhand behalten.

Auch auf den italienischen Landstraßen und in den schmalen Gässchen der kleinen Dörfer in Venetien macht das Opel-CUV einen guten Eindruck. Sehr gut gefallen das angenehme Multifunktionslenkrad, die vergleichsweise direkte und sehr präzise Lenkung sowie das straffe, aber ausreichend komfortable Fahrwerk. Das schwächste Glied beim Crossland X - wenn man es denn so nennen möchte - ist der Antrieb aus dem PSA-Konzernregal. Zum Marktstart Ende Juni 2017 stehen zwei Benzin-Varianten - ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo mit 81 kW/110 PS oder 96 kW/130 PS - und zwei 1,6-Liter-Diesel mit 73 kW/99 PS oder 88 kW/120 PS zur Wahl. Im Herbst folgt als Basismotorisierung ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Sauger mit 60 kW/81 PS.

Der gefahrene schwächere Benziner ist als einziger mit einer Sechs-Stufen-Automatik erhältlich, Allradantrieb gibt es gar nicht. Saubere Schaltvorgänge stehen hier einem stets bemühten, aber doch sehr angestrengt wirkenden und nicht sonderlich durchzugsstarken Motor gegenüber. Zum Cruisen genügt diese Kombination aber allemal. Besser gefällt der zwar akustisch eher an ein Nutzfahrzeug erinnernde 120-PS-Diesel, der mit 300 Newtonmeter Drehmomentspitze fast 100 Nm mehr liefert als der Ottomotor und ab 1.500 Touren willig und nachdrücklich nach vorne geht. Die manuelle Sechsgangschaltung allerdings ist mit langen Schaltwegen und wenig Präzision ein klares Argument für die Automatik.

Ganz anders sieht das bei den technischen Features des Crossland X aus, die so in dieser Klasse ihresgleichen suchen und wohl kaum finden werden. Neben der durch die Intellilink-Infotainment-Systeme und das Opel Onstar-System ausgezeichneten Vernetzung bietet der Crossover eine ganze Reihe an Dingen, die das Fahren angenehmer machen. Unter anderem erhältlich sind LED-Hauptscheinwerfer mit Fernlicht-Assistent, ein Head-up-Display, Tempomat mit Limiter (Serie), Verkehrsschild-Erkennung (Serie), Park-, Totwinkel- und Spur-Assistent (Serie) sowie eine 180-Grad-Rückfahrkamera.

Wenn die elektronischen Helfer Aufpreis kosten, dann sind die Preise sehr moderat und im Paket geradezu billig. Das Top-Navi-Infotainment-System und LED-Licht gibt es etwa für 1.150 Euro, die Rückfahrkamera plus Parkpilot, beheizbares Lederlenkrad und Sitzheizung für 810 Euro. Bei anderen Herstellern bekommt man dafür eine Zierleiste. Unbedingte Empfehlungen sind auch das Head-up-Display für 300 Euro und die vielfach verstellbaren Ergonomie-Sitze für 495 Euro. So ausstaffiert macht dem Crossland X kaum ein Mittelklasse-Modell Konkurrenz.

Und so ist der Crossland X ist mehr als einer Hinsicht eine Art Brückenbauer: zum Beispiel für gelangweilte Van-Fahrer, die SUV-Luft schnuppern wollen, und für Technikbegeisterte mit nicht ganz so üppigem Budget, die auch einen Hauch Premium zu schätzen wissen. Da ist die Prognose von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann eigentlich nicht mal gewagt, der sich vom Crossland X einen deutlichen Boost bei den Verkäufen ab dem zweiten Halbjahr 2017 erwartet. Dieser Trumpf dürfte stechen.

Thomas Schneider / mid

Technische Daten Opel Crossland X Innovation:
Fünftüriger Crossover-Kombi, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,21/1,83/1,61/2,60, Leergewicht: 1.289 kg (Benziner)/1.319 kg (Diesel), Kofferraumvolumen: 410 l bis 1.255 l., Tankinhalt: 45 l; Wendekreis: 10,7 m.
Antrieb:
Benziner: Dreizylinder-Turbobenziner, Hubraum: 1.199 ccm, Leistung: 81 kW/110 PS bei 5.500/min, max. Drehmoment: 205 Nm bei 1.500/min, Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h, 0 - 100 km/h: 11,8 s, Normverbrauch: 5,3-5,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 121 g/km, Testverbrauch: 7,5 l/100 km, Sechsstufen-Automatik, Vorderradantrieb, Preis: ab 23.300 Euro.
Diesel: Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum: 1.560 ccm, Leistung: 88 kW/120 PS bei 3.500/min, max. Drehmoment: 300 Nm bei 1.750/min, Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h, 0 - 100 km/h: 9,9 s, Normverbrauch: 4,0 l /100 km, CO2-Ausstoß: 103 g/km, Testverbrauch: 7,0 l/100 km, Sechsgang-Schaltgetriebe, Vorderradantrieb, Preis: ab 24.000 Euro.

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