Motorsport

Hyundai feiert seine Helden der Nacht

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mid Nürburgring - Nach dem Unfall ist der Hyundai i30 Fastback N nicht mehr wiederzuerkennen. Die Mechaniker vom Team Engstler schaffen es dennoch, das ramponierte Auto nach einer wahren Meisterleistung wieder auf die Räder zu stellen. Hyundai

Motorsport ist Teamarbeit. Doch meistens stehen nur die Rennfahrer im Rampenlicht. Doch ohne die Boxen-Mannschaft wären Erfolge nicht möglich. Eine Meisterleistung hat jetzt das Hyundai-Team Engstler vollbracht, und das beim wohl anspruchsvollsten 24-Stunden-Rennen der Welt.


Motorsport ist Teamarbeit. Doch meistens stehen nur die Rennfahrer im Rampenlicht. Denn sie rasen zu Siegen und Titeln, lassen sich feiern, müssen Autogramme und Interviews geben. Doch ohne fleißige Helfer im Hintergrund wären alle diese Heldentaten nicht möglich. Gemeint sind die Mechaniker in der Garage. Sie schrauben, schweißen und schuften für den Erfolg.

Eine wahre Meisterleistung hat jetzt die Boxen-Mannschaft von Hyundai vollbracht, und das beim wohl anspruchsvollsten 24-Stunden-Rennen der Welt. Ohne die außergewöhnliche Nachtschicht der Mechaniker wäre für das Team Engstler schon vor dem Start des Klassikers auf der legendären Nürburgring-Nordschleife Feierabend gewesen.

Doch der Reihe nach: Ein schwerer Unfall des seriennahen Hyundai i30 Fastback N im ersten Qualifying reißt das Team zunächst aus allen Träumen. Der Koreaner Byung-Hui Kang, neben Franz Engstler, Luca Engstler und Guido Naumann einer der vier Einsatzfahrer, rutscht in seiner ersten Runde auf der vom Regen noch nicht vollständig abgetrockneten Nordschleife von der Piste.

Doch wie kam es überhaupt zu diesem Unfall? Im Streckenabschnitt "Schwedenkreuz", eine über eine Kuppe führende schnelle Linkskurve, gerät der Hyundai i30 Fastback N mit der Startnummer 160 ins Schleudern. Der seriennahe Tourenwagen prallt zunächst auf der rechten Pistenseite mit der rechten Frontpartie in die Leitplanke, dreht sich dann quer über die Fahrbahn und kracht schließlich links mit dem Heck erneut in die Barriere. Der Fahrer bleibt glücklicherweise unverletzt.

"Der zweite Aufprall passierte mit rund 120 km/h", erklärt Andreas Klinge, der Manager des Hyundai Team Engstlers. Vor der großen Reparatur müssen Andreas Klinge und seine zehn Ingenieurs- und Mechanikerkollegen allerdings viel Geduld haben. Erst um 00.30 Uhr Freitag früh, rund vier Stunden nach dem Unfall, wird das Auto schließlich von der Streckensicherung zurück ins Fahrerlager gebracht.

Das Heck des i30 Fastback N ist derart schwer beschädigt, dass der Wagen auf die Richtbank muss. Während die Mechaniker bis fünf Uhr morgens den rechten Vorderwagen reparieren, organisieren Technik- und Teammanagement einen Richtbanktermin im nahegelegenen Ort Meuspath.

"Neben dem Hyundai-Testzentrum am Nürburgring haben uns vor allem die weitreichenden Kontakte des Hyundai Motor Europe Technical Center in Rüsselsheim geholfen", so Andreas Klinge. Dann beginnt der Kampf gegen die Uhr. Dabei gelingt dem Team etwas, das viele für unmöglich gehalten haben. Zwei Stunden vor Beginn des zweiten Qualifyings ist der Hyundai i30 Fastback N auch im Heckbereich repariert und wieder fahrbereit.

"Mit viel Konzentration, Ruhe und ganz großem Teamplay haben wir diese schwierige Aufgabe gemeistert", sagt Andreas Klinge. "Einen ganz herzlichen Dank auch für die unglaublich große technische und moralische Unterstützung von all unseren Hyundai-Kollegen."

Die letzte Hürde zum Start schafft das Team Engstler ebenfalls mit Bravour: In den verbleibenden 110 Minuten des zweiten Qualifyings kann jeder der vier Fahrer des i30 Fastback N die noch fehlenden zwei Quali-Pflichtrunden auf der 25,378 Kilometer langen Rennstrecke absolvieren. Mehr noch: Team-Junior und Nordschleifen-Neuling Luca Engstler sogar noch auf die Pole Position in der V2T-Klasse für seriennahe Fahrzeuge.

Zum Hintergrund: Der Hyundai i30 Fastback N wurde von März bis April 2019 auf Basis eines entsprechenden Serienmodells von Engstler-Motorsport im Auftrag der Hyundai Motor Company aufgebaut. Das fünftürige Kompakt-Coupé hat einen gegenüber der Straßenversion unveränderten 2,0-Liter-Motor mit Turboaufladung (202 kW/275 PS). Für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgt bei der Rennversion ein in die Serien-Karosserie eingebauter Überrollkäfig aus hochfestem Stahlrohr von Wiechers Motorsport.

Die Belohnung für all die Mühen und Schwerstarbeit: Der in Windeseile reparierte i30 Fastback N hält durch und kommt im Rennen 24 Stunden lang über die Runden. Der dritte Platz in der V2T-Klasse fühlt sich am Ende wie ein Sieg an. Und die Mechaniker haben ohnehin eine Goldmedaille für ihre Leistung verdient.

Ralf Loweg / mid

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