Fahrbericht

Der neue Defender: Feiner Brite fürs Grobe

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mid Wülfrath - Ein Feldweg ist für den Defender die leichteste Übung. Er bewältigt noch ganz andere Pisten. Land Rover

Der Defender der britischen Marke Land Rover befand sich für ein paar Jahre im Dornröschenschlaf. Bis 2016 wurde er gebaut. Jetzt kommt der Nachfolger - mit neuem Luftfahrwerk und großem Elektronikpaket für alle Lebenslagen.


Der Defender der britischen Marke Land Rover befand sich für ein paar Jahre im Dornröschenschlaf. Bis 2016 wurde er gebaut. Jetzt kommt der Nachfolger - mit neuem Luftfahrwerk und großem Elektronikpaket für alle Lebenslagen. Der Land Rover Defender ist der rustikale kleine Bruder des luxuriösen Range Rovers. Sehr tauglich fürs Gelände sind beide Familienmitglieder. Doch wenn der Range-Rover seinen großen Auftritt auf dem Kiesweg zum Golf-Resort hat, so macht der Defender vor allem im groben Geröll Furore.

Die Karosserie-Designer zeigen bewusst den Bezug zur langen Defender-Tradition. Man merkt dem neuen Modell seine Verwandschaft zum Ur-Defender aus dem Jahr 1948 an. Das Cockpit ist puristisch geblieben, und doch spürt der Insasse, dass dieser Geländewagen aus einem feinen Stall stammt. Die Materialien wirken hochwertig, die Verarbeitung solide. Und die Technik beeindruckt selbst verwöhnte Freunde der Hardcore-Pisten. Der Motor-Informations-Dienst (mid) machte die Probe aufs Exempel.

Im nordrhein-westfälischen Wülfrath befindet sich eine der Teststrecken von Land-Rover. Dort gibt es sehr steile Passagen, mächtige Spurrillen, gemeine Engpässe und tiefe Wasserpfützen. Selbst noch so abgelegene Farmen sind wohl mit geringeren Hindernissen zu erreichen als die Zielfahne auf diesem Gelände. Umso sicherer kann der Kunde sein, dass die Kletter-Technik des Defender in der Realität mehr als souverän ist.

Die Starrachsen des Vorgänger-Modells gehören der Vergangenheit an. Das moderne Luftfahrwerk ist mit allen Wassern heutiger Ingenieurskunst gewaschen und lässt sich von Schlaglöchern, Schräglagen und rasch wechselnden Niveauunterschieden des Untergrundes nie aus der Fassung bringen. Das Fahrzeug lässt sich so weit hochhieven, dass es über eine stehende Weinflasche fahren könnte, ohne sie umzustoßen. In Zahlen ausgedrückt: Die Bodenfreiheit beträgt stolze 291 Millimeter.

Mithin kann dieser Geländewagen mit beachtlichen Daten aufwarten: vorderer Böschungswinkel 38 Grad, Rampenwinkel 28 Grad und hinterer Böschungswinkel 40 Grad. Hinzu kommt eine maximale Wat-Tiefe von 900 Millimetern. Das Durchqueren auch tieferer Wasserläufe wird somit nicht so schnell zur Nervenprobe.

Die Basis des neuen Defender heißt "D7x". Dahinter steckt eine neu entwickelte Karosseriearchitektur. Hierbei steht das "x" im Kürzel für "extrem", was sich vor allem auf die Robustheit des Offroaders bezieht. Bei der auf einem leichten Aluminium-Monocoque basierenden Konstruktion handelt es sich um die steifste Karosseriestruktur, die Land Rover jemals in Serie gehen ließ. Das führt zu einer erheblichen Steigerung an Steifigkeit und Stabilität.

Der permanente Allradantrieb basiert auf kräftigen Motoren. Wir fuhren den Zweiliter-Diesel mit vier Zylindern und 147 kW/200 PS - sozusagen den Einstiegs-Motor. In weniger als elf Sekunden beschleunigt er den Bergsteiger von 0 auf 100 km/h. Wem das nicht ausreicht, findet noch drei stärkere Motorisierungen - darunter einen Reihensechszylinder-Benziner mit drei Litern Hubraum und 294 kW/400 PS. Der ist dann in 6,1 Sekunden auf 100.

Auf dem neuesten Stand befindet sich die Elektronik: Als erstes Modell aus dem englischen Hause hat der Defender das soeben entwickelte Infotainment "Pivi Pro" an Bord. Es ist einfach zu bedienen, vor allem, weil für häufig vorkommende Aufgaben nur wenige Schritte nötig sind - leider keine Selbstverständlichkeit im Technologie-Zoo unserer Tage. Außerdem ist der Land Rover mit "Software-Over-The-Air"-Technologie (SOTA) ausgestattet. Dabei sind 16 Einzelmodule in der Lage, wie bei einem Mobiltelefon Updates übers Netz zu beziehen.

Fahrwerk, Antriebe und Elektronik ergeben im neuen Defender einen modernen Mix aus Landleben, Lifestyle und Fahrfreude. Die Investition in eine langwierige Entwicklung des Nachfolgers hat sich merklich gelohnt.

Lars Wallerang / mid

Technische Daten Land Rover Defender D200 AWD:

- Länge / Breite (angeklappte Spiegel) / Höhe: 5,018 / 2,008 / 1,967 Meter

- Motor: Vierzylinder Diesel mit permanentem Allradantrieb und Achtgang-Automatik

- Hubraum: 1.999 ccm

- Leistung: 147 kW/200 PS bei 4.000 U/min

- max. Drehmoment: 430 Nm bei 1.400 U/min

- 0 -100 km/h: 10,3 Sekunden

- Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h

- Preis: ab 55.600 Euro

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