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Psychische und Physische Belastungen am Arbeitsplatz- Welche Gefährdungen gibt es?

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Wer glaubt, dass ein steigendes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung sowie rasant wachsende technische Möglichkeiten gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz zu einer Randerscheinung werden lassen, sieht sich getäuscht. Aktuelle Statistiken machen deutlich, dass es in deutschen Werkhallen und Büros noch viel Potential für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen gibt. So zeigen etwa die Zahlen des statistischen Bundesamtes aus dem Jahre 2013, dass sich jeder vierte Beschäftigte in irgendeiner Form einer physischen Gefährdung ausgesetzt sieht. Das Niveau der Belastung ist dabei unverändert hoch.
Auf dem Vormarsch sind gerade psychische Belastungen. Im Stressreport Deutschland aus dem Jahre 2012 werden bei einem hohen Anteil der Beschäftigten stressverursachende Arbeitsbedingungen, wie das Erledigen mehrerer Aufgaben gleichzeitig (58%) oder starkem Termindruck (52%) identifiziert. Eine Studie des DGB aus dem Jahr 2013 fand heraus, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten bei der Arbeit hetzten und sich häufig leer und ausgebrannt fühlen. Auch wenn nicht alle Belastungen zwangsläufig zu Arbeitsausfällen führen, sind dies alarmierende Zahlen, die die Verantwortlichen ernst nehmen sollten.

Psychische Belastungen

Zur Gruppe der psychischen Störungen gehören verschiedene Krankheitsbilder, wie Daten von Krankenkassen und statistischen Ämtern zeigen. Ganz vorne rangieren dabei Arbeitsausfälle aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen durch neurotische, belastungs- und somatoforme Störungen. Hierzu werden u.a. Angstzustände gezählt. Dahinter folgt eine Gruppe von Belastungen, die unter dem Begriff der affektiven Störungen zusammengefasst werden. Insbesondere die Diagnosen Depression und Burn Out fallen in diese Kategorie. Die dritte Gruppe bilden Suchtprobleme. Typische Belastungen, die als Auslöser für diese Krankheitsbilder gelten sind neben Zeitdruck und Mehrfachaufgaben auch Angst vor Arbeitsplatzverlust, sich ständig wiederholende Arbeitsvorgänge und häufige Unterbrechungen des Arbeitsflusses.

Physische Belastungen

Die Folgen von physischen Belastungen werden nach Erkrankungen der Atemwege und des Muskel- und Skelettsystems unterschieden. Ursachen sind hierbei in erster Linie schwierige Körperhaltungen, etwa bei häufiger Arbeit über Kopf, das Hantieren mit hohen Lasten und auch Schichtarbeit. Daneben sind Dämpfe, Staub und Chemikalien häufige Gefährdungsursachen. Lärm und starke Vibrationen sind dagegen eher selten.

Welche Gruppen sind besonders gefährdet?

Die klassische Aufteilung von physischen Problemen für den Werker und psychischen Belastungen für Angestellte gilt nicht mehr uneingeschränkt. Mittlerweile gilt es unter Arbeitsmedizinern als erwiesen, dass auch körperliche Belastungen auf Dauer seelische Folgen haben können. Ebenso können sich psychische Probleme auf das Herzkreislaufsystem auswirken.

Die Folgen für Wirtschaft und Betrieb und Beschäftigte

Über die Folgen, welche von den beschriebenen Belastungen ausgehen, gibt es nur Schätzungen. Für eine vollständige Betrachtung sollten hier mindestens drei Ebenen berücksichtigt werden. Zunächst stellen Belastungen am Arbeitsplatz, unabhängig davon ob sie nun psychischer oder physischer Natur sind, eine Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen und deren Familien dar. Im schlimmsten Falle einer Berufsunfähigkeit steht unter Umständen die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel. Aber auch für Betrieb und Volkswirtschaft können die Auswirkungen beträchtlich sein: Der Ausfall wichtiger Erfahrungs- und Leistungsträger schränkt die Produktivität des Unternehmens ein und wirkt sich auf das wirtschaftliche Ergebnis aus, da Aufträge nicht fristgerecht oder gar nicht abgearbeitet werden können.
Werden alle Faktoren in die Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten einbezogen, so dürfte der gesamtgesellschaftliche Schaden noch erheblich größer sein als die direkten Kosten für die Unternehmen. Experten veranschlagen den Schaden in Deutschland auf etwa 10 Milliarden unmittelbare und gut 19 Milliarden Euro mittelbare Kosten

Wie können die Verantwortlichen vorbeugen

Das Zauberwort heißt Prävention durch salutogene, also gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen. Den betrieblichen Akteuren steht hierfür eine breites Arsenal an Instrumenten zur Verfügung: Neben einer Gefährdungsanalyse trägt vor allem ein offenes Betriebsklima zur Belastungsvermeidung bei, in dem sich die Beschäftigten ermutigt fühlen, über Belastungen zu sprechen. Werden Belastungen am Arbeitsplatz offen kommuniziert, ist schon viel gewonnen. Über Maßnahmen wie Job Rotation, betriebliche Gesundheitsangebote oder gezielte technisch ergonomische Unterstützung können Unternehmen Belastungen entgegenwirken.
Darüber, dass betriebliche Gesundheitspolitik einen zentralen Baustein darstellt, um die Auswirkungen von Belastungen zu reduzieren, herrscht unter den Experten Einigkeit. Verschiedenen Studien belegen, dass sich Prävention auf allen Ebenen auszahlt. Auch hierüber gibt es Berechnungen: Demnach werden die Auswirkungen eines in Prävention investierten Euros auf das Zwei- bis Zehnfache geschätzt. Aus dieser Sicht ist Prävention vor allem ein Wirtschaftsfaktor, der im ureigenen Interesse der Unternehmen liegen sollte.

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