Karriere

Aliens oder Zukunft? Generation Z in der Ausbildung

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"Wie soll ich mit diesen Jungen noch klar kommen?" fragte kürzlich ein in langen Berufsjahren ergrauter Ausbilder. "Sie wollen alles mögliche wissen, aber sie hören nicht richtig zu. Wenn es mal etwas langweilig wird, verlieren sie sofort das Interesse. Ständig wollen sie gelobt werden, aber wehe man hat mal was zu kritisieren ..."

Kein Wunder. Er war offenbar auf typische Vertreter jener Altersgruppe getroffen, die Soziologen und Marketingfachleute "Generation Z" getauft hat, die Geburtsjahrgänge ab etwa 1995. Seit kurzem drängen sie verstärkt in Ausbildung und Beruf, und viel stärker als ihre Vorgänger, die "Generation Y", sind sie durch die selbstverständliche Nutzung digitaler Medien geprägt – und durch die unüberschaubare, unsichere Welt nach 9/11.

Nicht ausbildungsgeeignet? Im Gegenteil!

Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, doch inzwischen stellen zahlreiche Studien dieser neuen Generation in unserer Arbeitswelt hervorragende Zeugnisse aus. Laut der Ford Trendstudie 2015 sind sie "optimistisch, fleißig, tolerant und vor allem selbstbewusst. Die 'Generation Z' macht 20 Prozent der Erdbevölkerung aus und spielt als erste globale Generation eine Schlüsselrolle in der technologiegetriebenen Welt von heute. Es wird erwartet, dass sie neue Maßstäbe setzen wird, insbesondere in puncto Mobilität, Freiheit und Kreativität." Ähnlich äußert sich auch das Randstad Arbeitsbarometer IV/2014: "72 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland glauben, dass die Unternehmen diesen Nachwuchs brauchen, um in Zukunft innovativ zu sein."

Zu überwiegend positiven Ergebnissen kommt auch ein Altersgruppenprofil der Agentur Sparks & Honey von 2014: Konsumbegeistert, aber auch bereit, dafür selbst Geld zu verdienen. Deutlich illusionsloser und vernunftbetonter als die Generation Y. Sozial, tolerant und teamorientiert. Wissbegierig, lernbereit und stark interessiert an beruflichem Erfolg, möglichst in irgendeiner Form selbstständig. Das Profil verschweigt allerdings auch nicht die negativen Folgen eines Aufwachsens mit dem Smart-Phone wie z. B. kürzere Aufmerksamkeitsspannen und eine hastige, ungenaue Kommunikation.

Modell Z statt Schema F: Ausbildung als Miteinander

Wie kann man nun unserem Ausbilder helfen, mit diesen Jugendlichen klar zu kommen? Zunächst ist es wichtig, dass beide Seiten einander besser verstehen. Hier liegt eine wichtige Aufgabe vor allem für Führungskräfte: Sie müssen die Generationen zueinander führen, die unterschiedlichen Denkwelten erläutern und das Verständnis füreinander wecken.

Lernen und Arbeiten funktionieren am besten, wenn Abschnitte und Aufgaben als kleine, zeitlich überschaubare Projekte erscheinen, in deren Rahmen sich die Jugendlichen entfalten und möglichst eigenständig arbeiten können. Hier können und wollen sie – im Rahmen des Teams und der konkreten Aufgabe – Verantwortung übernehmen. Was dabei nicht funktioniert, ist hierarchische Top-Down-Führung nach alter Schule. Zur direkten Verständigung haben die Kommunikationsfachleute von Sparks & Honey einige Tipps, die auch für den Ausbildungsalltag passen: Geben Sie kurze Erläuterungen statt langer Vorträge. Sprechen Sie mit ihnen wie mit Gleichgestellten. Lassen Sie sie eigene Erfahrungen machen. Erzählen Sie kleine Geschichten oder benutzen Sie Bilder. Nutzen Sie ihre Neugier.

Dass Jugendliche der Generation Y sehr stark nach Anerkennung streben, ist im Prinzip ein Vorteil. Ein Ausbilder kann dies nutzen, um durch abgestuftes Lob Leistungssteigerung zu erzielen. Auch Kritik lässt sich aufbauend "verpacken" – möglichst konstruktiv und gerecht, so dass der Fehler als Lernschritt erscheint und nicht als schuldhaftes Versagen. Zusätzlich kann das Unternehmen durch eine Reihe kostengünstiger, steuerfreier Prämien und Vergünstigungen die Anerkennung auch greifbar werden lassen – z. B. mit der Teilnahme an einem interessanten Austauschprogramm mit einem Partnerbetrieb oder der Kostenübernahme bzw. ‑beteiligung für ein firmeneigenes oder privates Mobiltelefon.

Wer sich also ein Stück weit auf diese jungen Menschen einlässt, wird in der Generation Z ein fantastisches Potenzial finden, das jeden Betrieb mit kreativen Ideen vorwärts bringen kann. Und so fremdartig sie den älteren Kollegen erscheinen mögen, gewiss sind sie die Zukunft – und viel eher als frühere Generationen bereit, dafür auch die Verantwortung zu übernehmen.

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